Chapter 6

 

Sie hatte sich schnell umgezogen „wie wäre es mit einer Tasse Tee?“ schlug ihm Tessa vor. Don war nicht gerade versessen darauf, „ja, gerne“, log er, nachdem er unten im Keller gewesen war und dafür gesorgt hatte, dass das Licht wieder funktionierte. Die Spurensicherung würde auch bald hier sein, Megan hatte ihn kurz vorher angerufen und darüber informiert. Trotzdem ging er nach oben ins Arbeitszimmer von Tessas verstorbenem Mann und sah sich ein wenig um. Da er jedoch keine Spuren verwischen wollte, konnte er nicht viel ausrichten und ging wieder nach unten. Verzückt lehnte er nun am Türrahmen und beobachtete Tessa, wie sie Tee zubereitete, dabei lehnte er lässig am Türrahmen. Sie bewegte sich mit einer Sicherheit, die er ihr nicht zugetraut hätte. „Wow, ich muss wirklich ein interessantes Objekt für dich sein“, sagte sie unvermittelt. Er grinste, „erwischt! Wie hast du herausgefunden, dass ich dich anstarre?“ „Wie weißt du, dass dich jemand anstarrt, auch wenn du ihm den Rücken zugekehrt hast?“ konterte sie, „bei mir ist dieses Gefühl nur um einiges stärker ausgeprägt.“ „Soll ich dir helfen“, fragte er besorgt, als sie begann, das heiße Wasser aus dem Wasserkocher in eine der zwei großen Teebecher zu leeren. Sie blieb ihm die Antwort schuldig, nachdem sie fertig damit war, bat sie ihn, sich doch mit ihr an den Küchentisch zu setzen.

 

Er nahm einen Schluck von dem Tee und verzog dabei leicht das Gesicht. Heißes Wasser mit Geschmack war einfach nicht sein Ding. „Und wie schmeckt er?“ fragte sie mit einem schelmischen Ausdruck auf ihrem Gesicht. „Echt gut, wirklich.“ „Lügner“, griente sie, „ich hätte dir auch Kaffee anbieten können, wenn du mir nur was gesagt hättest.“ „Ähm, naja, ich wollte dir keine Umstände machen“, stammelte er. Wie kam es nur, dass er sich in ihrer Gegenwart öfters mal vorkam, als hätte er eine Behinderung und nicht sie, „darf ich dich was fragen?“ „Nur zu“, erneut meinte er, sie würde ihn ansehen, das war schon fast unheimlich. „Wurdest du …. Wurdest du schon blind geboren?“ die Frage war ihm sichtlich schwer gefallen. „Nein, ich leide an einer Erbkrankheit, die mir meine Großmutter vererbt hat und von der nur weibliche Familienmitglieder betroffen sind. Eine Generation, also meine Mutter, wurde übersprungen. Ich habe mein Sehvermögen nach und nach verloren.“ „Das tut mir leid, entschuldige, dass ich gefragt habe“, er kam sich vor wie ein Arschloch. „Keine Ursache, ich hatte immerhin „den Vorteil“, dass ich noch als sehende eine Blindenschule besuchen durfte, die Brailleschrift lernte und mich auf das vorbereiten konnte, was mir bevorstand. Und ich kann mich noch gut an wunderschöne Sonnenauf- und untergänge erinnern“, ihre Stimme bekam einen schwärmerischen Ausdruck. „Bist du nicht wütend, dass das Schicksal ausgerechnet….“ „Nein, Don, bin ich nicht. Ich habe das unvermeidliche akzeptiert.“ Irrte er sich, oder wollte sie ihm noch etwas sagen? „Und?“ hakte er deswegen nach. „Dein Bruder braucht dich in diesen Tagen mehr denn je“, sagte sie so unvermittelt, dass es ihn wie ein Hammerschlag traf. Nervös leckte er sich über die Lippen und nahm einen Schluck von dem Tee, langsam gewöhnte er sich an den Geschmack, irgendwas mit Vanille. „Trotz meines Berufes, versuche ich seit ... der … naja, ich versuche eben soviel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen.“

 

„Das ist es nicht“, entgegnete sie kopfschüttelnd, „wenn nicht einmal du imstande bist, die Sache zu verarbeiten, wie soll es dann Charlie?“ Eins zu null für Tessa. „Don, mit jemandem gemeinsam Mittag zu essen und Smalltalk zu führen, bedeutet nicht automatisch, dass man versucht ihn zu verstehen.“ Er schluckte, „ich bin ehrlich verblüfft. All das hast du herausgefunden, während ihr lediglich ein paar Minuten miteinander gesprochen habt?“ Es läutete an der Tür, Don sprang auf, „ich mach schon auf, dass sind bestimmt die Leute von der Spurensicherung.“ Er hatte recht und führte die beiden Männer nach oben. Als er wieder nach unten kam, saß Tessa auf der Couch im Wohnzimmer. Die Teebecher standen vor ihr auf dem Couchtisch. Er setzte sich neben sie und atmete dabei ihren Duft ein. Ein Hauch von Limone. Das Licht der Stehlampe ließ ihre Haare leuchten, beinahe sah es so aus als trüge sie einen Heiligenschein. Ihre Nähe verursachte ein kleines Gefühlschaos bei ihm. „Versprichst du mir, dass du mit ihm reden wirst?“ nahm sie den Faden erneut auf. „Mit wem, mit Charlie?“ Sie nickte. „Ich kann es versuchen. Es liegt nicht nur an mir“, verteidigte er sich, „ich habe das Gefühl, dass er mauert.“ „So verschieden seid ihr gar nicht, Don“, sie nahm einen Schluck vom Tee, „im Gegenteil, ihr seid euch ähnlicher, als ihr glaubt.“ Er lachte verbittert auf, „das hab ich schon öfter gehört. Es ist nicht einfach den großen Bruder zu spielen und das nun fast schon mein ganzes Leben lang.“ „Niemand verlangt von dir Unmögliches“, sie schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln, dann wechselte sie das Thema, „darf ich wissen, wie du aussiehst.“ Er hätte sich beinahe verschluckt, „jjjjaaa“, sagte er gedehnt und stellte den Becher zurück auf den Tisch, „und wie soll das gehen?“ „Dreh dich zu mir“, bat sie ihn. Dann hob sie ihre Hände und begann mit ihren Fingern den Konturen seines Gesichts zu folgen. Es war eine äußerst angenehme Berührung, er schloss dabei die Augen und schmiegte sein Gesicht leicht in ihre Handflächen. Sie wollte gerade wieder damit aufhören, als er ihre Hände festhielt und küsste.

 

„So hat mich noch nie eine Frau angesehen“, meinte er mit rauer Stimme, „und wie lautet dein Urteil?“ „Du siehst verdammt gut aus“, sagte sie unverblümt, „und im Gegensatz zu deinem Bruder hast du gar keine Locken.“ Er ließ ihre Hände los, die Vorstellung, dass sie Charlie auf die gleiche Weise berührt hatte, machte ihn ein wenig eifersüchtig. „Du brauchst nicht eifersüchtig zu sein“, erriet sie seine Gedanken. Er schüttelte den Kopf, „obwohl du nichts sehen kannst, scheine ich ein offenes Buch für dich zu sein. „Don ich bin blind, aber nicht blöd.“ Erneut nahm sie seinen Kopf zwischen ihre Hände. Er leistete keinen Widerstand, als sie ihn an sich zog und küsste. „Tessa, wir sind nicht allein“, murmelte er in den Kuss hinein. „Ich weiß und das macht die ganze Sache irgendwie spannend.“ Er erwiderte ihren Kuss und augenblicklich befand sich sein Körper in einem Zustand höchster Erregung. Er verfluchte die Typen von der Spurensicherung. Am liebsten hätte er sie mit seinem Gewicht in die weichen Kissen der Couch gedrückt. Ihre Hände glitten über seine Brustmuskulatur langsam nach unten, während er gerade dabei war, zu ergründen, was sich unter ihrer Bluse verbarg. Der Kuss wurde immer intensiver. Die Schritte auf der Treppe ließen sie auseinanderfahren, als wäre ein Blitz zwischen sie gefahren. Tessas Wangen glühten. „Du bist wunderschön“, raunte er ihr zu. „Sir, wir sind oben fertig“, sagte der junge Mann, „ich seh mir nur kurz die Eingangstür an.“ Er ging hinaus in den Vorraum. „Shit“, dachte Don. „Wir können das gern ein andermal nachholen“, sagte sie zu ihm. Er räusperte sich und warf einen Blick auf seine Uhr, „natürlich, ich sollte mich jetzt sowieso auf den Weg ins Büro machen. Megan wartet sicher schon. Er stand auf und wollte nach draußen gehen. Sie hielt ihn zurück, „danke, dass du so schnell da warst.“ Am liebsten hätte sie erneut die Hände um seinen Nacken geschlungen. „Gern geschehen.“ Er drückte ihr kurz die Hand und hauchte ihr blitzschnell einen Kuss auf die Wange. „Ich bin sicher, ich hab noch die eine oder andere Frage an dich“, flüsterte er zärtlich in ihr Ohr.

 

Im Büro wurde Don wieder ganz schnell von der Realität eingeholt, jedenfalls in dem Moment, als er seinen Mail-Account checkte. „BETRAYER, Verräter“, blinkte ihm, diesmal in großen, dunkelroten Lettern, entgegen. Er löschte die Nachricht schnell. „Arschloch“, zischte er. „Wer?“ Er fuhr erschrocken herum, Megan stand hinter ihm. „Ach nichts. Was herausgefunden?“ „Du bist ziemlich lange bei ihr gewesen? Alles in Ordnung mit Mrs. Montgomery?“ „Ja, sie steckt die Sache ziemlich gut weg. Die Spurensicherung war auch schon fast fertig, als ich gegangen bin.“ Megan grinste wissend. „Was ist?“ „Nichts“, entgegnete sie, „gar nichts. Also der Typ der bei ihr ins Haus eingebrochen ist, ist entweder ein verdammt guter Schauspieler oder er hat einen an der Waffel.“ „Ich tippe auf letzteres. Ist er noch im Verhörzimmer?“ „Ja, David ist bei ihm.“ Don stand auf. „Sein Name ist Billy Brummer. Er arbeitet in einem Supermarkt an der Figueroa. Halt dich fest, er ist ein Mitglied bei SETI.“ Don bekam große Augen, „du meinst den Typen, die auf der Suche nach außerirdischer Intelligenz sind?“ Megan nickte amüsiert, „er gab zu Protokoll, dass der Grund seines Einbruches ein geheimes Dossier ist, dass sich angeblich in Montgomerys Besitz befindet und dass bestätigt, dass die NASA vor ein paar Wochen Funksignale außerirdischen Ursprungs empfangen hat.“ „Wieso ausgerechnet Montgomery?“ fragte Don. „Die NASA hat Anfang des Jahres einen weiteren, hochentwickelten Nachrichtensatelliten in eine geoorbitale Umlaufbahn gebracht. Montgomery war maßgeblich an der Finanzierung dieser Aktion beteiligt“, klärte ihn Megan auf. Sie betraten das Verhörzimmer. „Hallo David“, grüßte Don freundlich, „na, wie geht’s uns denn mit den kleinen grünen Männchen?“ feixte Don, an Brummer gewandt. „Sie haben keine Ahnung, wovon sie da reden“, schnappte der, „sie sind da draußen und sie werden kommen. Wenn es soweit ist, werden sie uns nicht mehr auslachen.“ „Schon gut Mr. Brummer, doch bis dahin hätte ich gerne von ihnen gewusst, wie sie auf die Idee kamen, das der verstorbene Kongressabgeordnete einen direkten Draht zu denen“, Don deutete mit dem rechten Zeigefinder an die Decke, „da oben haben soll.“ „Das hab ich schon ihren Kollegen erzählt“, fauchte Brummer. „Ich weiß, aber ich würde es gerne noch einmal hören.“ Don ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er nahm einen Stuhl, drehte ihn um und setzte sich rittlings darauf. Direkt gegenüber von Brummer, „ich bin ganz Ohr.“

 

Drei Stunden später stand Don bei Charlie und seinem Dad auf der Türmatte. Die beiden saßen gerade beim Frühstück. „Morgen“, brummte er. „Hallo Donnie“, wie immer freute sich sein Vater, ihn zu sehen. „Hey Don“, Charlie schien weniger gut drauf zu sein. „Hallo ihr beiden. Habt ihr vielleicht noch was für nen FBI-Agenten übrig, der sich die halbe Nacht um die Ohren schlagen musste?“ „Sicher, komm setz dich, ich hol dir ne Tasse“, sagte sein Vater und verschwand in der Küche. „Was war denn los?“ wollte Charlie wissen. „Bei Tessa Montgomery wurde eingebrochen.“ Charlie, der gerade einen Bissen Omelette zu sich nehmen wollte, hielt inne, „du meine Güte, ist ihr was passiert?“ „Nein, keine Sorge. Der Kerl war ein Stümper. Er gehört zu den SETIS und war der Meinung, Tessas Mann hätte Informationen über eine geheime Kontaktaufnahme zu den kleinen grünen Männchen.“ Don grinste. „Ging es dabei etwa um das Projekt mit dem Nachrichtensatelliten, dass er mitfinanziert hat?“ Don machte einen erstaunten Gesichtsausdruck, „du weißt davon?“ „Als ich mit Larry über die Sache gesprochen habe, hat er mir davon erzählt. Ist … ist Tessa wirklich okay?“ „Klar, ich bin eine Weile bei ihr geblieben, bis die Spurensicherung gekommen ist. Sie schickt dir schöne Grüße.“ Charlie schob sich die Gabel in den Mund, „danke.“ Alan stellte die Tasse auf den Tisch und goss Don Kaffee ein. „Wir haben noch Omelette in der Küche. Willst du was?“ „Das wär prima und dann würde ich mich noch gern duschen und umziehen. Wenn ich darf.“ Sein Vater klopfte ihm auf die Schulter, „aber sicher, nicht wahr Charlie?“ Der nickte nur und widmete sich weiter seinem Essen. Kaum war ihr Vater wieder weg, musterte Don besorgt seinen kleinen Bruder, „du siehst auch nicht aus, wie das blühende Leben.“ Charlie verputzte gerade den letzten Krümel. „Ich hatte heute Nacht wieder einen Albtraum. Diesmal muss ich so laut geschrien haben, dass ich Dad geweckt hab.“ Don wusste zuerst nicht, was er sagen sollte, dann fasste er sich ein Herz, „willst …, willst du darüber reden?“ Charlie nahm hastig einen Schluck von seinem Kaffee, „nicht nötig. Dad hat mir schon eine Moralpredigt gehalten, von wegen ich sollte mir professionelle Hilfe suchen und so weiter.“ „Ich sag’s nur ungern Charlie, aber Dad hat recht.“

 

Charlie schwieg und zupfte an der Tischdecke herum. Nach einer Weile sagte er, „du kommst nie darauf, wen ich gestern bei der Physiotherapie getroffen habe.“ Anscheinend war „Verdrängung“ so etwas wie ein Familiensport bei den Eppes‘, dachte Don. „Du wirst es mir sicher gleich erzählen.“ „Angela Twostep“, sein kleiner Bruder grinste dabei übers ganze Gesicht. „Nein, wirklich?“ Don schüttelte ungläubig den Kopf, „wie denn das?“ „Sie arbeitet in diesem Zentrum als Therapeutin.“ Plötzlich wurde Charlie ganz hektisch, „meine Therapie, ich muss los, sonst komm ich noch zu spät.“ „Wann musst du dort sein?“ wollte Don wissen. „In einer dreiviertel Stunde. Mann, mit dem Bus werd ich das wohl nicht mehr schaffen“, Charlies Stimme hatte einen weinerlichen Unterton angenommen. „Mach dir keinen Kopf, ich fahr dich, wenn du willst. Das geht sich alles aus“, sagte Don und zwinkerte ihm zu. „Ja, super, dass wär toll.“ Erleichtert ließ er sich wieder auf den Sessel fallen. „Was eine Frau so alles bewirken kann. Wär hätte gedacht, dass du so versessen auf die Physio bist?“ neckte ihn Don. Charlie Wangen überzogen sich mit einem Hauch von Rot.

 

Es hatte alles prima geklappt. Don hatte ausgiebig gefrühstückt, sich geduscht und umgezogen und Charlie auch noch pünktlich im Therapiezentrum abgesetzt. Er war gerade dabei sich Kaffee in der Küche zu holen, als Dr. George Hoberman das Büro betrat. „Schönen guten morgen allerseits.“ Heute hatte sie ihre Haare offen. Die Flut der schwarzen Korkenzieherlocken floss über ihre Schultern und die hellblauen Augen boten einen wunderbaren Kontrast dazu. Sie trug einen hellgrauen Hosenanzug mit einer Bluse, die einen ähnlichen Farbton wie ihre Augen hatte. Sie war kaum geschminkt, zartrosa Lipgloss brachte ihren üppigen Mund noch mehr zur Geltung und die bewundernden Blicke der Männer waren ihr sicher. Selbst Colby und David nickten anerkennend als sie grüßend an ihnen vorbeiging und Don in die Küche folgte. „Wahnsinn. Ich kann noch immer nicht glauben, dass sie die Schwester von Ekel Doberman ist“, murmelte David. „Meinst du nicht, dass denen in der Klinik ein Irrtum unterlaufen ist?“ Colby stieß seinem Kollegen lächelnd in die Rippen. Gespannt beobachteten sie das zusammentreffen von ihrem Boss und der Gerichtsmedizinerin. „Oh Mann, jetzt wäre ich gern Don“, seufzte Colby. „Ich besorg dir beim nächsten Einkauf im Drogeriemarkt ein Lätzchen, du sabberst dich schon ganz voll“, lachte David.

 

„Guten Morgen Special Agent“, sagte George mit ihrer sexy Stimme. Don hätte beinahe den Kaffeebecher fallen gelassen, er hatte nicht gemerkt, dass ihm jemand gefolgt war. Er drehte sich um, „guten Morgen Frau Doktor.“ Ihr Lächeln raubte ihm fast den Atem. „Entweder haben sie eine Taschenlampe in ihrer Hosentasche, oder sie freuen sich tierisch mich zu sehen“, alberte sie herum. Peinlich berührt fiel sein Blick auf seinen Hosenschlitz. „Erwischt“, zog sie ihn weiter auf. „Das zahl ich ihnen sicher noch Heim.“ „Oh tatsächlich? So mit Handschellen und allem drum und dran? Da kann ich mich ja direkt darauf freuen.“ Oh Mann, sie bot ihm wirklich Paroli und auf dem Mund gefallen, war sie schon gar nicht. Er fühlte sich, als hätte er einen Schwarm Bienen in seinem Kopf und in seinem Magen und noch eine Etage tiefer. „Reiß dich gefälligst am Riemen“, ermahnte er sich. „Wenn sie Zeit haben, können wir ja später bei einem Mittagessen darüber reden.“ „Dinner wär mir ehrlich gesagt lieber.“ „Sie scheinen nichts anbrennen zu lassen“, gab er amüsiert zurück. Sie zwinkerte ihm zu. „Ich denke, sie sind nicht nur gekommen, um mit mir zu flirten“, wandte er das Gespräch in eine dienstliche Richtung. Ihm war die Akte aufgefallen, die sie in der Hand hielt.

 

Er stellt den Kaffeebecher zur Seite, „was haben sie da schönes für mich?“ er schenkte ihr ein Zahnpastalächeln. „Es wurden noch mehr Leichenteile entdeckt.“ Das Lächeln war wie weggewischt, „wo?“ „In einer Seitengasse am Mulholland Drive, in einer U-Bahnstation und am Busbahnhof. Alle waren so platziert, dass man sie leicht finden konnte, zu leicht.“ „Wer tut denn sowas?“ Don verzog angeekelt das Gesicht. „Jemand der Zugang zu Leichen hat.“ „Wie, worauf wollen sie hinaus?“ „Unser Toter ist ein toter Toter. Ich meine damit, dass der arme Mann schon einmal in einer Kühlkammer gelegen und sogar obduziert worden ist. Das besagt das hier.“ Sie zog ein Foto aus der Akte und hielt es Don hin. Auf dem Torso war deutlich ein Ypsilonschnitt zu erkennen. „Sehr witzig“, kommentierte er sarkastisch, „wir haben es also mit „Leichenfledderei“ zu tun. Wir sollten die umliegenden Bestatter und Krankenhäuser kontaktieren.“ „Meine Sekretärin hat sich der Sache bereits angenommen, bisher leider ohne Ergebnis.“ „Wie um alles in der Welt kommt man auf so kranke Ideen?“ sagte Don und warf einen fragenden Blick zu George, „vor allem was bezweckt man damit?“ „Aufmerksamkeit?“ schlug sie vor, „ich denke, hier will uns jemand vorführen. Der- oder diejenigen haben es sich zur Aufgabe gemacht, uns Rätsel aufzugeben. Wir haben auch noch das bei den Leichenteilen gefunden.“ Sie reichte ihm einen Zettel, auf dem sich ein Raster mit Zahlen und Symbolen befand. „Denken sie, das wäre etwas für ihren Bruder?“ „Auf jeden Fall“, nickte Don und griff nach dem Zettel und dem Kaffeebecher, „wollen sie vielleicht auch einen?“ Sie lehnte ab, „danke zu viel Coffein schadet dem Teint.“ „Wenn sie’s sagen“, grinste Don und verließ gemeinsam mit ihr die Küche.