Teil 1

Margaret stand am Herd um die Pfannkuchen für's Frühstück zu zubereiten. Da kam Alan in die Küche. 'Guten Morgen Schatz!' Er drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Sie lächelte. 'Guten Morgen!' Ihr Blick fiel auf die Uhr. 'Hast du die Jungs schon geweckt?' wollte sie wissen. Ihr Mann setzte gerade zu einer Antwort an, als ein 14jähriger Junge in den Raum kam. 'Morgen Mum! Morgen Dad!' Er gab seiner Mutter einen Kuss auf die Wange und setzte sich zu seinem Vater an den Tisch. 'Wo steckt denn dein Bruder?' 'Keine Ahnung.' antwortete er achselzuckend. 'Wärst du dann bitte mal so lieb und schaust nach?' fragte ihn seine Mutter. 'Mum...' fing Don widerwillig an, doch da warf ihm sein Vater einen vielsagenden Blick über den Rand seiner Zeitung zu. Der Teenie seufzte, stand jedoch auf um seinen kleinen Bruder zu suchen.

'Charlie?... Charlie!' Don hatte schon in dem Zimmer seines Bruders und im Badezimmer nachgesehen. Doch dort war er nicht. 'Wieso muss ich das immer machen?' grummelte Don leise. 'Immer muss ich den Babysitter spielen. Das ist doch Schei... Charlie! Was machst du da?' Er war gerade an seinem eigenem Zimmer vorbeigekommen und sah Charlie dort am Schreibtisch. Sein Bruder zuckte ängstlich zusammen. Don wirkte mit seinen 14 Jahren doch recht angsteinflössend, wenn er so wütend vor seinem kleinem 5jährigem Bruder stand. 'Also?' Don stand mit verschränkten Armen vor Charlie und sah ihn fordernd an. 'I... Ich.... Ich... Ich wollte...' 'Was denn? Wolltest du wieder mal meine Sachen durchwühlen?' 'Nein.' sagte der 5jährige kleinlaut. 'Ich brauchte nur einen roten Buntstift. Meiner ist alle.' 'Na dann kauf' dir halt 'nen Neuen!' Mit diesen Worten riss Don Charlie den Stift unsanft aus der Hand und stopfte diesen zurück in den Becher auf seinem Schreibtisch. 'Du sollst zum Frühstück kommen!' fuhr er seinen Bruder an. Mit diesen Worten schnappte er ihn an den Schultern, schob ihn aus seinem Zimmer und ging gemeinsam mit ihm runter zu den Eltern in die Küche.

'Morgen mein Schatz!' Magaret beugte sich zu Charlie runter und umarmte ihn. Und ihr Sohn zuckte wie jedes Mal etwas zusammen, aber das bemerkte sie schon gar nicht mehr. Denn das tat er, seitdem er auf der Welt war... Berührungen ließen ihn immer etwas zusammenschrecken. Ob nun von Familie, Freunden, Bekannten oder Fremden. Der 5jährige war sehr menschenscheu. 'Was war denn da oben gerade schon wieder los?' wollte Alan wissen und sah seine Söhne fragend und Antwort fordernd an. Don warf einen immer noch leicht säuerlichen Blick auf Charlie und dieser sah beschämt vom Boden zu seinem Bruder auf. Beide antworteten fast zeitgleich 'Nichts!' 'Nichts?' Ihr Vater sah zweifelnd von dem einem zum anderem Sohn. Er kannte diese kleinen Streitigkeiten zwischen ihren Kindern mittlerweile nur zu gut. Don war mit seinen 14 Jahren ganze neun Jahre älter als Charlie. Das allein lieferte immer wieder Stoff für neue Uneinigkeiten und neuen Ärger. Aber ein weiteres Problem stellte Charlie dar. Der Kleine hatte einen IQ von 150 und war besonders in der Mathematik in seinem Element. Das sorgte dafür, dass sich seine Eltern ganz besonders um ihn kümmerten. Ihn stark förderten und natürlich versuchten ihn auch in allem zu unterstützen. Da sie sich jedoch nicht zweiteilen konnten blieb für Don nicht all zu viel übrig. Daher war Don regelrecht eifersüchtig, wenn nicht sogar sauer. Er wollte auch was von seinen Eltern haben. Gut, er konnte immer zu ihnen kommen, wenn er ein Problem hatte oder einfach nur reden wollte. Besonders zu seinem Vater. Mit diesem unternahm er auch recht viel, dennoch stand sein kleiner Bruder immer im Mittelpunkt und das machte Don einfach rasend. Er war doch schließlich auch noch da.