Kapitel 8

 

Allegra parkte ihren Wagen direkt vor dem Eppes-Haus. „Tja, ich denke da wären wir, oder?“

Charlie blickte durchs Beifahrerfenster hinaus. „Ja, das ist mein Haus. Danke fürs Herbringen.“

„Kein Problem.“

Er zögerte. „Wollen Sie noch kurz auf einen Kaffee oder Tee mit reinkommen?“ 'Hatte er das jetzt wirklich gefragt?' Verlegen lächelte er sie an.

„Ich weiß nicht, es ist schon spät. Ich möchte nicht, dass wir ihren Vater stören.“

„Das ist kein Problem. Für gewöhnlich ist Dad immer noch recht spät auf. Außerdem würde er sich freuen, Sie kennen zu lernen. Also,... kommen Sie mit?“ erwartungsvoll sah er ihr in die Augen.

Langsam verzog sie ihren Mund zu einem Lächeln und nickte. „Ja, gerne.“

 

„Charlie, bist du das?“ erklang eine Stimme aus dem hinteren Teil des Hauses, als er die Tür aufschloss.

„Ja Dad. Ich habe Besuch mitgebracht.“

„Besuch?“ Alan runzelte die Stirn und erhob sich aus seinem Sessel. Erstaunt hob er die Augenbrauen, als Charlie das Zimmer mit einer attraktiven jungen Frau betrat.

 

„Dad, das ist Special Agent Allegra Simmons, ich habe Dir ja von ihr erzählt. Und das ist mein Dad, Alan Eppes.“

„Sie sind also Agent Simmons. Ja, ich habe tatsächlich schon einiges über sie gehört.“ Alan reichte ihr die Hand, die sie mit festem Druck ergriff.

„Ich hoffe nur Gutes.“ lachte sie ihn an.

„So könnte man es nennen.“ erwiderte er leise und sah seinen Sohn verschwörerisch an. Charlie schüttelte seinen Kopf und machte eine hilflose Miene.

Wieder an Allegra gewandt fragte Alan: „Kann ich Ihnen etwas zu trinken anbieten. Vielleicht kein Bier, aber wie wäre es mit einem guten Wein?“

„Gerne. Jetzt bin ich ja nicht mehr im Dienst. Das ist ein wunderschönes Haus.“ Sie blickt sich in dem weitläufigen Wohnzimmer um. Ihr Blick verharrte an der Wand, wo einige Familienfotos angebracht waren.

„Ja, wir lieben es auch sehr.“

„Wohnt Don auch noch hier?“ Vor ihrem Inneren Auge konnte sie sich die drei bildlich vorstellen, wie sie an dem großen Esstisch saßen und sich amüsierten.

„Nein, er ist mittlerweile ausgezogen. Aber er kommt häufig vorbei.“ erklärte Charlie. „Und Sie kommen ursprünglich auch aus L.A.?“ wollte er wissen.

Sie wandte sich von den Bildern ab und sah ihn an. Erst zögerte Sie kurz, doch dann fuhr sie fort: „Lassen wir doch das alberne 'Sie'. Für meine Freunde bin ich einfach nur 'Ally'.“ Sie reichte ihm die Hand, und da war es wieder, dieses Strahlen in ihrem Gesicht, das ihn stets auf Neue faszinierte.

 

„Ally...“ wiederholte er langsam und gab ihr ebenfalls die Hand. Ihre Haut war zart und weich unter seiner Berührung. Er hielt sie einen Augenblick länger fest als nötig und erst als Alan, der in der Tür stand, sich räusperte ließ er sie wieder los.

„Darauf... sollten wir erst recht einen Trinken.“ bestimmte sein Vater und überlegte, ob er wirklich gesehen hatte, was er gesehen hatte. 'Konnte es wirklich sein, dass Charlie etwas für diese Frau empfand?'

 

Es wurde ein gemütlicher und herzlicher Abend. Allergra erwies sich nicht als kratzbürstige und versnobte Agentin des FBI, wie man sie Alan noch am selbigen Morgen beschrieben hatte. Sie war eine intelligente und charmante junge Dame, die es ständig schaffte, den sonst eher introvertierten Charlie in die Gespräche hinein zu beziehen. Alan überlegte, wann er seinen jüngeren Sohn das letzte Mal so entspannt gesehen hatte. Und was ihn noch mehr wunderte, das Thema Mathematik wurde an diesem Abend nicht ein einziges Mal erwähnt.

 

„Ach Du meine Güte!“ rief Ally plötzlich aus, nachdem sie auf ihre Armbanduhr geschaut hatte. „Es ist ja schon fast halb zwei. Jetzt muss ich aber wirklich gehen.“ Sie erhob sich. „Es war sehr nett Sie kennen zu lernen. Irgendwann muss ich Ihnen mal meine Eltern vorstellen. Sie würden sich blendend mit meinem Dad verstehen.“

Alan, der sich ebenfalls erhoben hatte, nahm sie in den Arm. „Ja, das wäre schön.“

„Ich bringe Dich noch zu Deinem Wagen.“ bot Charlie sich an und Allegra nickte dankend.

Schweigend gingen sie nebeneinander her, bis sie ihr Auto erreicht hatten.

 

„Danke.“ sagte sie.

„Wofür?“

„Ich habe lange nicht mehr so viel auf einmal gelacht. Dein Vater ist ein toller Mann. Jetzt weiß ich woher seine Söhne das haben.“ grinste sie.

„Vielleicht können wir das mal wiederholen.“ fragte Charlie vorsichtig.

„Ja. Vielleicht.“ erwiderte sie mit einem viel versprechenden Unterton. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn zaghaft. Ohne ein weiteres Wort stieg sie schließlich in ihren Wagen und fuhr los.

Charlie blickte ihr noch eine Weile nach, bis ihre Rücklichter hinter einer Biegung verschwanden. Er lächelte und ein warmes, wohliges Gefühl machte sich in ihm breit, dass er nicht zuordnen konnte.

 

Und auch Alan lächelte wissend, als er sich vom Fenster abwandte und wieder in die Küche ging.