Kapitel 2

 

EIN PAAR TAGE ZUVOR

 

„Ja... das würde zugegebener Maßen eine gewisse Flexibilität einschließen.“

Larry Fleinhardt nickte versonnen. „Aber man sollte auch die anderen Faktoren nicht außer acht lassen.“ fuhr er dann langsam fort und begann im Raum umher zu laufen.

 

„Na,... tüfftelt ihr schon wieder an irgendwelchen bahnbrechenden mathematischen Problemen? Hallo Larry,... Charlie“ lächelnd betrat Don Eppes den Raum durch die offen stehende Tür.

„Don, hallo. Ich habe Dich gar nicht kommen hören.“

Charlie erhob sich und ging seinem Bruder entgegen. Er freute sich, ihn zu sehen. In den letzten Tagen war er so in seine Arbeit vertieft gewesen, dass er und Don keine Gelegenheit hatten sich zu treffen. „Nun, ausnahmsweise geht es mal nicht um Mathematik. Larry plant seinen nächsten Urlaub und ist sich unschlüssig wo es hingehen soll.“ grinste er.

 

„Ja...“ ,bedächtig zog Larry seine Augenbrauen hoch und begann heftig zu nicken, „so etwas will gut überlegt sein.“

Don und sein Bruder sahen sich an und tauschten lächelnd vielsagende Blicke miteinander. Schließlich ergriff Charlie wieder das Wort: „Was führt dich her?“

 

„Nun Charlie, eigentlich habe ich Arbeit für Dich mitgebracht.“ Er griff in die Brusttasche seines Jacketts und brachte ein gefaltetes Blatt Papier hervor.

Darauf vermerkt war eine Zahlenfolge bestehend aus zehn zweistelligen Ziffern.

„Hierbei musst Du uns helfen. Diese Nacht wurde ein Fotomodell während eines Fotoshootings auf offener Strasse erschossen. Von dem Schützen keine Spur. Heute morgen erhielten wir in unserem FBI-Headquarter per Post einen Brief, dessen Inhalt aus diesem Blatt Papier und zwei Bildern bestand. Das erste Bild zeigt das Opfer lebend während der Fotoaufnahmen, das zweite Bild wurde unmittelbar nach dem Attentat aufgenommen. Wir müssen davon ausgehen, dass es direkt von dem Schützen gemacht wurde.“

 

Charlie griff zaghaft nach dem Papier, hielt aber in der Bewegung inne und schaute Don fragend an.

 

„Du kannst ruhig zugreifen Charlie. Das Blatt wurde bereits gründlich auf irgendwelche Spuren untersucht. Aber unser Täter war äußerst sorgfältig. Es konnte nichts gefunden werden. Tja, wir gehen davon aus, dass uns diese Zahlen irgendetwas mitteilen sollen. Und an dieser Stelle kommst Du ins Spiel.“

Der jüngere Eppes-Bruder betrachtete die Nummernfolge eingehend und nickte. „Wird ein Weilchen dauern.“

 

„Ja, schon klar. Kannst Du es trotzdem einrichten in ca. zwei Stunden zu mir ins Büro zu kommen. Ich habe eine Besprechung angesetzt. Megan, Colby und David werden auch da sein, und...“ er zögerte einen Augenblick.

Charlie sah ihn an und hob fragend eine Augenbrauen. „Und...“ ,wiederholte er, „...ist sonst noch etwas?“

 

Don atmete tief durch. Er war sich nicht sicher, wie er es am besten sagen sollte also beschloss er nicht lange drum herum zu reden.

„Quantico hat einen Special Agent der Information Resources Division hier hin geschickt. Das FBI möchte Deine Arbeitsweise näher unter die Lupe nehmen. Durch die Hilfe, die Du uns bereits bei mehreren Fällen gegeben hast, konnten einige wichtige und durchaus knifflige Fälle gelöst werden. Jetzt will Quantico untersuchen, ob angewandte Mathematik neben der üblich Profilerstellung zu den Standard-Untersuchungs-Methoden des FBI's übernommen werden kann.“

 

„Na toll, und jetzt bekomme ich einen Babysitter an die Hand. Oder wie soll ich das sonst verstehen?“ fragte Charlie aufgebracht. Er konnte nicht glauben was er da hörte.

„Charlie, beruhige Dich erstmal. Ich hab mir das auch nicht ausgedacht.“ versuchte Don beschwichtigend auf ihn einzureden. „Hör mal, mach einfach alles so wie immer, okay? Wird schon nicht so schlimm werden. Kann ich auf Dich zählen?“

Charlie schien völlig in seinen Gedanken versunken.

„Hey, Kumpel, kann ich auf Dich zählen? Das ist schließlich auch wichtig für mich. Immerhin habe ich Deine Arbeit beim FBI forciert.“ Don legte seine Hand auf die Schulter seines Bruders und sah ihn eindringlich an.

„Ja,... ja, Du kannst auf mich zählen. Aber es gefällt mir nicht. Verstehst Du, ich mag es nicht bei meiner Arbeit beobachtet und in Frage gestellt zu werden.“

 

Diesmal meldete Larry sich zu Wort: „Also,... so wie ich das verstanden habe, will niemand Deine Arbeit in Frage stellen, Charlie. Im Gegenteil, man will Deine Arbeitsweise untersuchen und in gewisser Weise standarisieren um sie breiter gefächert einsetzen zu können. Auch wenn das meiner Meinung nach unmöglich ist. Jeder Fall ist anders, und es gibt keine Standardlösungen.“

 

„Ja, da hast Du wahrscheinlich recht. Aber hey, es ist eine Chance die angewandte Mathematik einer breiteren Masse zuzuführen. Und das kann doch nicht schlecht sein, oder? Also Charlie, in zwei Stunden in meinem Büro. Kannst Du das einrichten?“

„Ich habe heute keine Vorlesungen mehr. Ich werde da sein.“ „Gut.“ Don nickte beiden zu, setzte seine Sonnenbrille auf und machte sich auf den Weg.