Kapitel 12

 

Trotz der schon fortgeschrittenen Uhrzeit herrschte am Santa Monica Pier ein reges Treiben. An diesem Abend hatten bereits mehrere Veranstaltungen stattgefunden. Und wie sie erfahren hatten, sollte pünktlich um Mitternacht ein Feuerwerk gezündet werden. Dementsprechend hielten sich noch viele Besucher hier auf.

Don und sein Team schauten sich konzentriert um, und versuchten das Fototeam der Gracetown Agentur ausfindig zu machen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte.

 

„Vielleicht sind sie noch nicht da. Oder das Shooting wurde kurzfristig abgesagt.“ sagte Megan und hielt weiterhin zu allen Seiten Ausschau. „Ich konnte in der Agentur niemanden mehr erreichen. Und die Chefin geht auch nicht ans Handy.“

„Sie müssen hier irgendwo sein.“ Davon war Don überzeugt.

Plötzlich tauchte Colby hinter ihnen auf.

„Los, sie sind auf dem Parkplatz nebenan.“ Sofort rannten sie los.

 

Der westlich neben dem Pier liegende Parkplatz war heute abend gesperrt und ausschließlich für das Fotoshooting reserviert. Von dort hatte man einen wunderbaren Blick auf den jetzt hell erleuchteten Vergnügungspark auf dem Pier. Und auch das Feuerwerk würde von hier eine eindrucksvolle Kulisse bieten.

Die Mitarbeiter der Modelagentur hatten bereits angefangen einige Requisiten zu verteilen. Offenbar dienten auch die auf dem Parkplatz abgestellten Nobelkarossen ihren Zwecken.

 

Die Männer von der Security wollten die Bundesbeamten erst aufhalten, ließen sie aber sofort passieren, als sie erkannten, mit wem sie es zu tun hatten.

 

„FBI. Gehen sie sofort in Deckung“ rief Colby und stürmte gefolgt von David sofort über den Parkplatz.

„Wer hat heute hier die Verantwortung?“ wollte Don an die Security-Leute gewandt wissen. Ein stämmiger Schwarzer trat hervor. „Ich, Sir.“

„Ist Frank Logan heute auch hier?“

„Ich habe Frank schon seit zwei Tagen nicht mehr gesehen. Warum?“

„Wir haben allen Grund zu der Annahme, dass er heute hier ein Attentat auf Shannon Walsh plant. Ist sie hier?“

„Ja, dort drüben in dem Trailer.“ Er wies auf den gegenüberliegenden Rand des Parkplatzes.

Megan und Allegra liefen sofort los um sie in Sicherheit zu bringen.

 

Doch plötzlich blieb Allegra stehen und drehte sich um. Sie wusste nicht aus welchem Impuls sie das tat, aber als sie zurückschaute sah sie Charlie, der in Ihre Richtung gerannt kam. „Charl...“ wollte sie rufen. Doch weiter kam sie nicht.

 

Die Kugel traf sie völlig unvorbereitet. Durch die Wucht des Einschlages wurde sie einmal herumgeschleudert, ehe sie wie in Zeitlupe auf die Knie sank und ihre Waffe fallen ließ.

Fassungslos sah sie an sich hinab und starrte auf ihre blutverschmierten Hände, bevor ein dunkler Schleier sich über ihre Gedanken legte und sie das Bewusstsein verlor.

 

„Neiiiiiin...“ gellte ein Schrei durch den Kugelhagel, den sich die Bundesbeamten nun mit dem Schützen lieferten. Ohne darauf zu achten wollte Charlie einfach los rennen, mitten in die Schießerei.

 

„Bist Du verrückt?“

Don Eppes bekam seinen jüngeren Bruder gerade noch zu fassen und hielt ihn davon zurück in das Geschehen hinein zu geraten.

 

Derweil suchte Megan hinter dem Trailer Schutz. Colby hechtet zu ihr.

„David, ruf sofort einen Krankenwagen.“ schrie er seinem Kollegen entgegen, der hinter einem feuerroten Ferrari Deckung suchte. Dieser zog sofort sein Handy und gab einen Notruf ab. Außerdem forderte er Verstärkung an.

 

„Was tut Charlie da?“ rief Megan plötzlich und beobachtete mit schreckgeweihten Augen die Szene, die sich ihr bot. Die Eppes-Brüder rangen miteinander. Dann schlug Charlie Don und rannte schließlich mitten ins Schussfeld unmittelbar gefolgt von seinem Bruder.

 

„Wir müssen Ihnen Feuerschutz geben.“ Colby nickte. Sofort begannen sie in die Richtung des Schützen zu feuern, bis Charlie und Don, sich mit der bewusstlosen Allegra wieder in Deckung gebracht hatten.

 

Megan lud ihre Waffe nach. „Er sitzt auf dem Dach von dem Fabrikgebäude auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Wir müssen irgendwie an ihn rankommen. Sonst richtet er hier ein Blutbad an.“

Colby nickte und sah in Davids Richtung. Mit ein paar Zeichen verständigten Sie sich wortlos.

Zeitgleich zerschossen sie zwei Flutlichter, so das der hintere Parkplatz sofort im Halbdunkel lag. Auf Colbys Kommando hin rannten sie im Schutz der Dunkelheit hinter dem Trailer entlang und bewegten sich vorsichtig auf das Gebäude zu, auf dem der Schütze sich verschanzt hatte. Derweil feuerte Megan in regelmäßigen Abständen ein paar Schuss ab, bis auch ihr zweites Magazin leer war.

 

Mittlerweile waren einige Minuten vergangen, seitdem kein Schuss mehr gefallen war. Die Sirene einer Ambulanz war zu hören. Anscheinend war es Colby und David gelungen, Logan zu überwältigen. Megan blickte in Dons Richtung und sah, wie Charlie Allegra in seinen Armen hielt und zu ihr redete.

 

„Du darfst mich jetzt nicht verlassen.“ flüsterte Charlie mit rauher Stimme. „Hörst Du. Ich... ich liebe Dich.“

 

Wieder ließ ein stechender Schmerz ihren Körper zusammen zucken.

Doch ein Lächeln umspielte ihre Lippen als sie die Augen schloss.

„Ally?“

Kraftlos glitt Ihre Hand an seiner Brust entlang.

„Ally?“

Sie rührte sich nicht mehr.

„Nein,... nein, nein, nein.....“

Es war, als ob jemand Charlies Herz aus seiner Brust herausgerissen hätte.

 

Er zog sie noch fester an, vergrub sein Gesicht in ihrem Haar und ließ seinen Tränen freien Lauf.

Charlie wiegte ihren leblosen Körper in seinen Armen und ein Teil von ihm starb an diesem Tag mit ihr.

 

ENDE