Kapitel 8

 

 

„Okay, Charlie hat uns also eine heiße Zone berechnet, in der der Täter aller Wahrscheinlichkeit nach wohnt. Ist ein ziemlich großes Gebiet rund um die Santa Monica Mountains.“ fasste Don kurz für sein Team zusammen. Alle hatten sich im Konferenzraum auf ihrer Etage im FBI-Hauptquartier eingefunden um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. An einem Whiteboard war eine Karte befestigt, auf der der besagte Bereich rot markiert war. Neben Megan, Colby und David, waren auch Charlie und Detective Anderson anwesend, der als letzter eingetroffen war.

 

„Da wir davon ausgehen, dass der Killer ein Cop ist, müssen wir überprüfen, ob und welche Polizisten oder FBI-Agents in dem besagten Gebiet wohnen. Wir sollten dabei auch diejenigen, die aus dem Dienst ausgeschieden sind nicht übersehen. Sobald wir davon eine Auflistung haben, müssen wir jeden einzelnen unter die Lupe nehmen.“

 

„Ich denke, damit ist es nicht getan.“ gab Megan zu bedenken. „Jeder, der Zugriff zu den Fallakten hat muss berücksichtigt werden. Dazu zählt zum Beispiel auch die Staatsanwaltschaft.“

 

„Gut, berücksichtigen wir die auch noch.“ Don seufzte als ihm das Ausmaß ihrer Untersuchung bewusst wurde. Vor ihnen lag ein Haufen Arbeit, die unter normalen Umständen schon nicht einfach gewesen wäre, aber in den eigenen Reihen zu ermitteln, war immer mit Schwierigkeiten verbunden. Er wusste, dass es keinem von ihnen behagte, aber dieser Mörder musste gefasst werden. Ohne ein weiteres Wort machten sich alle an die Arbeit.

 

„Kann ich Euch noch irgendwie helfen?“ fragte Charlie.

 

„Oh, Charlie,... nein, ich denke nicht. Du hast Deinen Teil ja schon beigetragen. Danke. Wir müssen den Typen jetzt nur noch finden.“ Don erhob sich und begleitete seinen Bruder zum Aufzug.

 

„Sag mal, willst Du Dad immer noch wegen J.J. ansprechen?“ fragte Charlie leise.

 

Don hielt kurz inne und räusperte sich. „Also, was soll ich sagen,... nein. Das mit J.J. war ein ziemlich großes Missverständnis.“

 

„Missverständnis? Du meinst, sie ist gar nicht Dads....?“

 

Don schüttelte den Kopf.

 

„Gut das zu wissen.“

 

„Ja, wem sagst Du das. Hör mal, ich muss jetzt weitermachen. Wir sehen uns morgen, ja?“ Damit verabschiedeten sie sich und Don ging zu seinem Schreibtisch zurück während Charlie auf den Fahrstuhl wartete.

 

 

1234567890

 

 

„Ich glaube, ich habe was gefunden.“ Detective Anderson erhob sich von seinem Platz und wedelte mit einer Akte in der Luft.

 

Alle blickten gespannt auf und richteten ihre Aufmerksamkeit auf den jungen Polizeibeamten, der mit triumphierendem Gesichtsausdruck auf Don zuging.

 

„Na dann lassen Sie mal hören.“ sagte dieser an Anderson gewandt.

 

„Michael Kent. War dreizehn Jahre lang beim LAPD beschäftigt. Hatte es bis zum Sergeant gebracht und wurde dann vor ca. anderthalb Jahren aus dem Polizeidienst entlassen. Er war des öfteren wegen Gewalttätigkeiten auffällig geworden, eine angeordnete Therapie hat keine Ergebnisse gebracht. Er wurde als depressiv eingestuft, musste Medikamente nehmen und schließlich wurde bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert.“

 

„Schizophrenie? Na toll, wirklich ein Irrer!“ bemerkte Colby.

 

„Bei der paranoiden Schizophrenie handelt es sich um die häufigste Form der Schizophrenie. Das wesentliche Merkmal ist hierbei das Auftreten von sogenannten Wahnvorstellungen, die sich durch äußere Einflüsse ergeben und häufig zu ausgeprägten Halluzinationen führen.“ klärte Megan die anderen auf.

 

„Wie dem auch sei, auf jeden Fall wurde er im letzten Jahr dreimal verhaftet, weil er junge Frauen belästigt hatte und die Opfer Anzeigen erstatten haben. Und er besitzt ein Haus in den Santa Monica Mountains. Was ihn zu einem heißen Verdächtigen macht.“ Pete legte die Akte auf Dons Tisch und schlug zur Bekräftigung seiner Annahme mit der flachen Hand darauf. „Er ist es, garaniert.“

 

„Also los, worauf warten wir noch. Wie ist die Adresse?“ fragte Don, während er sich von seinem Schreibtisch erhob und seine Waffe in seinem Schulterholster verstaute. „ David, fordere schon mal Verstärkung an.“ Auch die anderen bereiteten sich für den Einsatz vor. Nur Megan zögerte.

 

„Megan, was ist mit Dir?“ wollte Don wissen.

 

„Ich weiß nicht so recht, aber Kent passt nicht wirklich in das Profil. Charakteristische Symtome für eine paranoide Schizophrenie sind formale und inhaltliche Denkstörungen, sowie Ich-Störungen und motorische Unruhe, wobei typische inhaltliche Denkstörungen Halluzinationen und Wahnvorstellungen sind. Diese Symptome sind aber nicht bei einem planvoll vorgehenden Serientäter zu finden. Jemand der an Schizophrenie leidet, ist eher ein sozialer Außenseiter, der ziemlich beziehungsarm ist, launisch und ständigen Stimmungsschwankungen unterworfen. Die Taten werden eher aus dem Effekt heraus begangen und sind nicht wirklich durchgeplant. Das ist bei unserem Serienmörder aber definitiv nicht der Fall.“

 

„Mag sein, aber Ausnahmen bestätigen die Regel, das weist Du selbst. Und im Moment ist er der einzige Verdächtige, den wir haben, also werden wir dieser Spur nachgehen.“ bestimmte Don. Megan nickte bedächtig, aber sie fügte sich. Don hatte Recht, Michael Kent war ihre einzige Spur.