Teil 2

"Das du was?" Wollte Charlie jetzt noch mal genauer wissen. Er hatte die Gestalt anscheinend noch nicht wahrgenommen, was sich aber im selben Moment änderte.
"Du gibst privat Nachhilfe, seit wann denn das?" bevor Charlie überhaupt antworten konnte, sprang Mel auf und stellte sich vor.

"Hi, ich bin Mel und duuu bist...?“
"Oh ja, tschuldige Mel, dass ist mein Bruder Don!" antwortete Charlie hastig.
"Toll, endlich lernen ich mal den großen Bruder von Charlie kennen. Und ach so, nein, keine Nachhilfe - Denkanstösse für den Matheunterricht bzw. wie in meinem Fall, für die nächste Matheklausur" antwortete Mel frech auf die von Don gestellte Frage. Er als auch Charlie konnten sich ein lachen nicht verkneifen.
"Ja verstehe, müsst ihr noch lange Denkanstösse austauschen?" fragte Don etwas ironisch.
"Vom Prinzip her sind wir jetzt eigentlich fertig oder hast du noch fragen Mel? Was du jetzt nicht kannst, wirst du auch bis morgen früh nicht mehr in deinen Schädel rein kriegen."
"hmm... ja wahrscheinlich hast du recht, lass uns für heute Schluss machen, ich muss ja auch noch einen Augenblick fahren bis ich zu hause bin, wie spät ist es eigentlich?" Don schaute kurz auf seine Armbanduhr und sagte: "Gleich halb elf".
"Oh mein Gott, wir haben völlig die zeit vergessen. Habe ich dir eigentlich schon gesagt, dass ich gleich in den ersten beiden Stunden die Klausur schreibe? Fein, dann mach ich mich jetzt mal schleunigst auf den Weg bevor es noch später wird." Mel fegte wie ein kleiner Wirbelsturm durch den Schuppen um ihre Sachen zusammenzusuchen. Während dieser kurzen Zeit beobachtete Don jeden ihrer Schritte und schaute sie sich auch noch mal ganz genau an. Sie war irgendwie anders als die anderen Frauen die Don in den letzten Monaten flüchtig kennen gelernt hatte. Tja, wie war sie? fragte sich Don. Er kannte keine antwort darauf. Er konnte noch nicht mal sagen, was ihn genau in ihren Bann gezogen hat.
Don wurde von einem kurzen knuddeln aus seinen Gedanken gerissen. "So dann, schönen Abend noch ihr zwei, wir sehen uns morgen in der Uni?" Mel hatte während Don´ s gedanklicher Abschweifung ihren Plunder gepackt und hatte sich gerade von Charlie und Don mit einer Umarmung verabschiedet.

Noch immer wie paralysiert stand Don im Schuppen und wusste seine Gedanken nicht richtig einzuordnen. Was ist nur los mit mir? hallte es in Don´ s Gedanken immer wider. Erst als Charlie ihn ansprach, bemerkt er, dass er immer noch wie gebannt in die Dunkelheit schaute, wo Mel drin verschwunden war.
"Hey, alles klar bei dir?" Die Frage kam bei Don wie durch einen Nebelschleier an.
"Äh..., wie, ja ja, alles klar, glaube ich?!" gab Don zum besten.
"Wo hast du denn diesen entzückenden kleinen Wirbelsturm kennen gelernt? Sie ist echt süß, ist sie deine Freundin?" Fragte er schließlich, nachdem er wieder einigermaßen einen klaren Gedanken fasse konnte, was ihm aber sichtlich schwer fiel.
"Auf dem Parkplatz vor der Uni und nein sie ist nicht meine Freundin." wehrte sich Charlie gleich. Charlie konnte ein fettes grinsen nicht unterdrücken, denn Don´ s Gesichtsausdruck sprach tausend Bände. Auch jetzt hing Don seinen Gedanken immer noch nach.
"Sag mal, glaubst du an die Liebe auf den ersten Blick?" fragte er seinen kleinen Bruder etwas verwirrt und abwesend.
"Nun ja... ich weiß nicht, also mir ist sie jedenfalls noch nicht begegnet, aber ich denke schon das es sie gibt."
"Du magst sie, was?"
"Wie...?"
"Oh mein Gott Don, hast du dich etwa gerade verliebt?"
"Ich weiß nicht so recht, ich denke schon?!"
Charlie hat an diesem Abend, seinen Bruder das erste mal richtig verwirrt erlebt. So etwas kennt er nicht von Don.
Es war gegen 3 Uhr nachmittags, der Unterricht war seit einer guten halben Stunde zu ende, als Mel und Charlie sich auf dem Campus begegnet sind.

"Und, wie ist es gelaufen?"
"Na ach, frag´ bloß nicht nach Sonnenschein. Die Klausur war die totale Katastrophe. Mein Lehrer ist doch nicht ganz edel im Schädel."
"Na na, dass hab´ ich aber gerade überhört. Wer wird denn außerdem gleich so schwarz sehen?"
Mel überlegte einen Augenblick und erwiderte: "Schwarz sehen ist gar kein Ausdruck dafür, über 2 Seiten nur lineare Funktionen, der ist doch nicht ganz takko. Echt jetzt mal!" Charlie wurde bewusst, dass diese Unterhaltung nicht viel Wert hatte und versuchte irgendwie den Bogen zu Don zu spannen.

"Wann warst du gestern Abend zu hause?"
" Es war irgendwas so gegen halb zwölf! Warum fragst du?"
"Ach nur so..." Diese Antwort nahm Mel Charlie nun ganz und gar nicht ab, sie wurde hellhörig und stocherte weiter.
"Ja, nee is klar. Ohne Grund fragst du doch nicht. Also, was ist los?" Jetzt hatte sie die Neugier gepackt und sie würde erst wieder aufhören zu fragen, wenn sie endlich wusste was los ist.
"Ich warte..." gab sie ungeduldig zu verstehen. Charlie fing an rum zudrucksen.
"Nun ja..., weißt du gestern Abend, als..." Weiter kam Charlie nicht mit seiner Ausführung.