Teil 12

Doch auch die vorsichtigste Bewegung war vergebens. Während sie noch versuchte mit den Beinen das Gleichgewicht irgendwie auszubalancieren, rutschte sie unaufhörlich mit den Armen weg. Sie verlor nun vollends ihr Gleichgewicht, ihr linkes Bein gab nach und zog dadurch gleichzeitig das rechte Bein von Don weg. Es war zu spät. Die beiden purzelten übereinander auf die Plane. Beide brachen fast zeitgleich in Gelächter aus.

"Och menno. Mist! Dabei verliere ich doch so ungern," gab Mel immer noch unter einem Lachkrampf von sich und machte sich auch bisher weiter keine Gedanken darüber, dass sie unter Don immer noch halbwegs begraben lag. "Ich hab ja gleich gesagt, wir brauchen noch einen Dritten, der für die Scheibe zuständig ist," kam darauf als Antwort von Don, der gerade keine Anstalten machte Mel von der Plane aufstehen zu lassen.

Erst jetzt registrierte Mel, dass sie doch irgendwie in eine prekäre Lage geraten war. "Ähm...könntest du vielleicht...." weiter kam sie nicht. Don nutzte die Gelegenheit, die sich ihm grade bot und küsste sie. Mel wusste im ersten Moment gar nicht wie ihr geschieht, ließ es aber zu und erwiderte den Kuss.

Etwas verwirrt über sich selbst, beendete Don den Kuss und sah Mel entschuldigend an. "Das...Ähm...Es tut mir leid. Ich wollte dich damit nicht überrumpeln." Er rappelte sich sofort auf und half auch Mel auf.

"Hast du nicht! Glaub mir, wenn ich das nicht gewollt hätte, dann hättest du das ganz schnell zu spüren bekommen!" Erstaunlicher Weise hatte sich Mel schnell wieder gefangen und war auch schon wieder im Stande passende Antworten zu geben. "Hm? Warum glaub ich dir das nur sofort?"

Don war erleichtert über diese Antwort von ihr. Sie grinste ihn an und überlegte: "Und nun? War das jetzt alles? Oder bekomm ich noch einen?" Don wusste gerade nicht so recht, wie er das nun wieder einordnen sollte. "Ähm? Meinst du das jetzt ernst?" Mel sah ihn etwas verwirrt an. "Ja, natürlich. Oder, hast du mich nur zum Spaß geküsst? Weil, wenn ja, dann...." Don unterbrach die Ausschweifungen von Mel. "Nein, dann hätte ich das nicht getan."

Mel hatte Don zwar aufmerksam zugehört, war aber schon wieder anderweitig abgelenkt. "Sag mal, riechst du das auch? Was ist das und wo kommt es her?" Fragte sie erst etwas ratlos, aber im selben Augenblick, wo sie die Frage ausgesprochen hatte, wusste sie auch schon was los war. "Ooh, verdammte Axt...der Vogel!" und spurtete in die Küche. Die Küche war schon in einem dicken blauen Dunst eingehüllt, als Mel den Ofen öffnete um festzustellen, dass dem Vogel nicht mehr zu helfen ist.

"Och nee...bitte das nicht auch noch." Völlig entgeistert darüber, dass sie die Ente im Ofen vergessen hatte, vergaß sie auch gleichermaßen den blauen Dunst der immer dichter wurde. "Ohh man vergiss das olle Federvieh und komm endlich!" Don war zwischenzeitlich hinter ihr aufgetaucht und zog sie nun erst mal aus der Küche in den Garten, denn frische Luft hatte beide nötig.

"Das tut mir leid." kam nach einer Weile von Mel, die sich im Moment mehr Gedanken um den Vogel machte, als um das, was gerade zwischen ihr und Don passiert war.
Aus der Tür, die zum Garten führte, quollen immer noch dicke Dunstwolken aus der Küche nach draußen. Don grinste sie an: "Na, ach was. Das braucht dir nicht leid tun, dass wäre mir mit ziemlicher Sicherheit, so oder so passiert." Er zog Mel an sich ran, nahm sie in den Arm und küsste sie noch einmal. "Du bist echt süß!" stellte Don fest und bemerkte, dass er Mel damit endgültig aus dem Konzept gebracht hatte.

"Ich...Ähm....hey? Moment mal, dafür bin ich hier zuständig, also dich aus dem Konzept zu bringen. Hmpf....na toll." Sie musste sich eingestehen, dass Don es doch tatsächlich geschafft hatte, sie durcheinander zu bringen. Immer noch im Arm von Don, merkte Mel mitten mal, dass ihr, trotz sommerlichen Temperaturen, kalt wurde: "Können wir rein gehen? Irgendwie ist mir kalt, so ohne ne Jacke." Don zog sie noch ein Stück näher an sich ran: "Lass und noch einen Moment draußen bleiben, bis der blaue Dunst sich verzogen, so lange wärm ich dich, einverstanden?"

Nachdem sich der Dunst endlich verzogen hatte und die beiden noch einen Moment an der frischen Luft geblieben waren, gingen sie wieder ins Haus um dort auch noch einmal richtig durch zu lüften. "Und nun? Doch den Pizzaservice anrufen?" Mel sah sich noch mal die, zu schwarzer Presskohle mutierte, Ente an und verfrachtete diese anschließend im Müll. "Ich denke, eine andere Möglichkeit haben wir jetzt eh nicht mehr. Dad und Charlie werden wahrscheinlich auch bald wieder da sein. Also? Was für eine Pizza willst du haben?" Mel sah in ungläubig an. "Wie, was für eine will ich haben? Gar keine! Ich hab für heute schon genug Chaos angerichtet. Ich werd jetzt nach hause fahren." Kam von ihr, ein einem völlig überzeugten Ton, rüber.

Don glaubte seinen Ohren nicht zu trauen: "Das hast du dir ja fein ausgedacht. Nein nein, so leicht kommst du mir nicht davon. Erst bringst du mich den ganzen Nachmittag völlig durcheinander, dass ich schon gar nicht mehr weiß, was ich eigentlich denken soll, dann versetzt du unsere Küche in blauen Dunst und zu guter Letzt willst du mich mit dem Vieh jetzt hier allein lassen? Das kannst du vergessen." Es war das erste mal, seit dem Mel im Eppeshaus angekommen war, dass Don im Stande war, mal mehr als zwei oder drei zusammenhängende Sätze raus zu bringen.

"Also? Was für eine Pizza willst du haben?" Mel konnte mitten mal nicht anders, als drauf los zu lachen. "Ist ja schon gut. Ich wollte es wenigstens mal versuchen. Salami bitte!" Don sah sie zufrieden an, bestellte erst mal für die gesamte Eppesfamilie und für Mel Pizza.

Während die beiden auf die Pizza warteten entsorgen sie noch den Rest, des inzwischen völlig zerkochten Essens und räumten noch das Twisterspiel weg, als Alan und Charlie zeitgleich mit dem Pizzaservice am Haus ankamen. Alan und Charlie sahen sich etwas verwundert an und gingen erst mal ins Haus. "Ähm Don? Hast du den Pizzaservice angerufen? Der steht nämlich draußen." rief Charlie, immer noch verwundert, ins Haus rein.

"Ja, wir haben den angerufen!" trällert mitten mal Mel aus dem Wohnzimmer und lief Charlie und Alan zur Haustür entgegen. Don folgte ihr kurz darauf, um den Lieferjungen zu bezahlen und ihm die Pizza abzunehmen, beim vorbeigehen warf er seinem Vater und seinem Bruder ein breites Grinsen entgegen. Alan und Charlie sahen sich an und konnten sich in etwa schon vorstellen, was mit dem eigentlich geplanten Abendessen passiert war. Was sie jetzt noch wissen wollten, wurde während des, doch inzwischen reichlich spät gewordenen, Essens erzählt.