Teil 11

"So...und was willst du nun genau von mir gezeigt bekommen?"

"Ähm, na ja, ich will wissen, welche Griffe ich anwenden muss, damit ich aus dem gegnerischen wieder raus komme. Was weiß ich, na halt wenn mich einer im Schwitzkasten hat meinetwegen, ich hab da echt keine Ahnung von. Zeig mir irgendwas, Hauptsache ich weiß hinterher, wie ich aus so einem Griff raus komme." Es war einfach zu herrlich mitzuerleben, wie Mel versuchte zu erklären was sie will und daran kläglich scheiterte.

"Ja gut, ich weiß jetzt zwar immer noch nicht genau was du meinst, aber ich zeig dir einfach mal ein paar Sachen, wobei ich mir ehrlich gesagt auch gut vorstellen kann, dass du deinen Gegner in Grund und Boden quatschen könntest, dass wäre wahrscheinlich noch viel effektiver, zumindest bei dir. Das müsste für dich doch eine deiner leichtesten Übungen sein, oder nicht?"

Mel kam vorübergehend überhaupt nicht mehr klar. "Was soll das jetzt nun wieder bedeuten? Nein, warte... sag´s mir nicht, ich kann es mir denken, danke!" Gab sie beleidigt von sich.

Don musste sich wirklich zusammenreißen nicht laut los zu lachen. Sie sah ihn an und wetterte mit gespielter Empörung los: "Untersteh´ dich jetzt zu lachen." Das war´s, er konnte nicht mehr, der Gesichtsausdruck von Mel gab ihm den Rest. Don hatte schon Bauchschmerzen vom Lachen und Tränen in den Augen.

"Es tut mir leid, ehrlich, aber du hättest dich eben sehen sollen das war einfach zu göttlich, wirklich." Da Mel einfach gerade nicht im Stande war ein Ton von sich zu geben, sich aber rächen wollte für das Lachen, knuffte sie ihn kurzer Hand in die Seite. "So, und jetzt zeig mir endlich mal ein paar Handgriffe, die ich dann auch gleich in die Tat umsetzten kann."

Don wollte gerade zu einem Griff ansetzen, als sich mal wieder sein Handy zu Wort melden musste. "Oh, entschuldige mich. Bin gleich wieder da. Nicht weg laufen, ja?" Mit dem Handy in der Hand verschwand Don im Nebenzimmer "Eppes...“
"Er nun wieder! Wo soll ich denn jetzt hin?" Sie schlenderte noch einmal durch das Wohnzimmer und blieb mitten mal vor einem Schrank stehen. Irgendetwas erregte mal wieder die Aufmerksamkeit von Mel. Sie ging in die Hocke und angelte nach einer weißen Plane, die ihr ein Lächeln entlockte.

"Ach schau an...so was gibt es im Eppes-haushalt? Ich werd nicht mehr. Da tun sich ja Abgründe auf." Immer noch ein Lächeln auf den Lippen faltete sie die Plane auseinander, legte sie auf den Boden und suchte noch nach dem dazugehörigen Teil. "Ah, da isses ja. Sehr schön. Mein Gott, die is ja kaum benutzt. Das werden wir gleich mal abändern hier." Entzückt über die neue Entdeckung, bemerkte sie auch nicht, dass Don wieder im Raum war.

"Oh, nein! Das kann nicht dein Ernst sein? Das willst du nicht wirklich machen jetzt, oder? Ich dachte, ich sollte dir ein paar Handgriffe zeigen?" Er ahnte schon jetzt, dass Mel nicht mehr davon abzubringen war. Sie dreht sich verdutzt um: "Oh, du bist wieder da! Und? Musst du diesmal weg?"

Don war leicht verwirrt, ist sie eben nicht wirklich auf seine Vermutung eingegangen? Oder hatte er es einfach nur überhört? "Nein, nein. Ich muss auch diesmal nicht weg. Also, was ist jetzt?" Er machte eine kurze Pause und sah Mel etwas unsicher an. Sollte dies wirklich ihr Ernst sein? "Das da, kannst du mir nicht antun!" Verzweifelt zeigt er auf die am Boden liegende Plane. Sie schaute Don erst unschuldig an und gab dann mit einem teuflischen grinsen von sich: "Na aber sicher. Las uns Twister spielen! Mal sehen, wer besser ist. Du brauchst auch keine Panik haben. Ich hab das auch schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gespielt."

Warum wusste Don, dass so was kommen würde? Erneut beobachtete er Mel, wie sie voller Begeisterung die Plane noch einmal zu Recht zupfte. Als ihm eine, wahrscheinlich eher verzweifelte, als rettende Lösung einfiel. "Wir brachen doch aber jemanden, der das Teil da dreht, oder nicht?"

Mel sah vom Boden hoch und schaute ihn etwas ungläubig an. "Wie? Warum denn das? Das können wir doch auch machen, nun stell dich mal nicht so. Gerade das macht es ja noch interessanter." Sie kam kurz aus der Hocke raus, packte Don am Arm und zog ihn mit sich wieder auf die bunte Plane.

"So, und nun wird gespielt!", gab sie völlig überzeugt von sich und drehte auch gleich auf der kleinen Scheiben. "Rechter Fuß auf grün. Na dann. Auf ins Vergnügen." Beide visierten gleichzeitig eins der grünen Felder an. "So, und nun? Wer dreht jetzt die Scheibe?" wollte Don unbedingt wissen und war gespannt, wie Mel das nun lösen würde. Sie drehte sich geschickt um, angelte mit ihrem Fuß nach der Scheibe und zog diese näher an die Plane ran um weiter drehen zu können.

Sie sah Don triumphierend an: "So macht man das!" Don schüttelte nur seinen Kopf und gab die Hoffnung auf, dass es mit dem Spiel nichts werden würde. "Aha...gut. Und wo als nächstes hin?" Jetzt hatte ihn doch der Ehrgeiz gepackt, jetzt wollte er wissen, wie gut er noch im Twister spielen ist. Er sah Mel rausfordernt an und wartete ungeduldig auf die nächste Ansage von ihr.

Sie drehte den kleinen Pfeil und musste selber erst mal schlucken. "Linke Hand auf blau." Während Mel noch ihre Hand koordinieren musste, war Don schon längst auf einem der blauen Felder angekommen. Nachdem Mel auch endlich ihre linke Hand auf eines der blauen Felder deponiert hatte, ging erneut die Hangelei nach der Drehscheibe los. Allerdings wurde es immer schwerer ohne weiteres an die Scheibe ran zu kommen. Noch einmal dreht sie an dem kleinen Pfeil.

"Linker Fuß auf grün!" Langsam wurde die Sache kompliziert. Nicht nur sein eigenes Gleichgewicht zu halten, sondern auch jedes Mal noch den Pfeil von der kleinen Scheiben zu drehen, verlangten von Mel volle Konzentration. Für Don war es eine Wonne, dies alles beobachten zu können. Wieder drehte sich der Pfeil. "Rechte Hand auf rot!"

Mel wusste schon jetzt, dass dies nicht gut gehen würde. Sie versuchte so gut es ging ihr Gleichgewicht und gleichzeitig aber auch noch die rechte Hand auf eines der roten Felder zu koordinieren. Das Bild, was sich jetzt einem bot, war göttlich. Weder Mel noch Don konnten oder wollten sich in irgendeine Richtung bewegen.

"Na? Was ist nun? Ich warte! Du musst schon weiter drehen, wenn das noch was werden soll!" Eröffnete Don ihr frech, der halbwegs eine Brücke über Mel geschlagen hatte. "Ja doch, nun mal langsam. Ich will schließlich nicht verlieren. Also will der nächste Schritt gut überlegt sein." Sie versuchte irgendwie Zeit zu schinden. Eine unüberlegte Bewegung und sie würde ihr Gleichgewicht verlieren. Vorsichtig und wohl überlegt fischte sie nun noch einmal, mit der rechten Hand, nach der Drehscheibe.