Prolog

Mich traf die Nachricht darüber, dass wir morgen eine Matheklausur schreiben, wie aus heiterem Himmel. Besser gesagt habe ich diesen schrecklichen Termin einfach nur in ein tiefes schwarzes nirgendwo in meinem Hirn verdrängt.

"Wie wir schreiben morgen Matheklausur? Wann und über was denn überhaupt? Das Semester hat doch gerade erst angefangen!"
"Wir schreiben morgen in den ersten beiden Stunden, über lineare Funktion, Mel!" drang irgendwo leise in mein Unterbewusstsein ein. Es kam von Annie, eine gute Freundin von mir.
"Na toll und das bedeutet im Klartext, was?"
Annie schaute mich nur verständnislos an, schüttelte den Kopf und sagt dann seufzend:" Das heißt: die Berechnung von Schnittpunkten von Parabeln und Geraden und dafür brauchst du auf jedenfalls die pq-Formel, falls du weißt was das ist?"
"Ja danke, kann mich gerade noch so daran erinnern, sonst noch was?", ich war schon wieder ein bisschen genervt, weil Annie genau weiß, dass ich eine absolute Niete in Mathe bin und ich meinen schönen freien Nachmittag schon den Bach runter gehen sehe und ihn mit pauken, pauken und nochmals pauken verbringe werde. Na toll, so hab ich mir meinen Nachmittag vorgestellt. jetzt konnte mir nur noch einer weiter helfen. Prof. Eppes!

Direkt nach dem Gespräch zwischen mir und Annie, bin ich ohne Umwege zum Büro von Prof. Eppes. Ohne anzuklopfen stürmte ich kurzer hand sein Büro.

"Charlie du musst mir unbedingt helfen, bitte"
"Lass mich raten, du schreibst Matheklausur? stimmt´ s oder hab ich recht?", oh wie ich es hasse, diesen triumphierenden Tonfall, aber egal.
"Ja, bitte kannst du mir helfen? Können wir heute zusammen lernen bzw. du erklärst und ich höre zu! bitte sag jetzt nicht, du hast keine zeit."

"hmm...wann heute?" na was war denn das für eine Frage? Am besten jetzt sofort, je früher desto besser.
"Am liebsten wäre mir heute noch, so quasi nach Unterrichtsschluss?" antwortete ich ein wenig verzweifelt.
"Na gut, aber nur weil du es bist, sagen wir so gegen drei bei mir?", oh ja danke, Charlie war meine Rettung.
"Super, ich danke dir, du hast was gut bei mir, bis nachher." Voller Freude über seine Zusagen knuddelte ich ihn noch schnell und trollte mich meines Weges zum Unterricht.

Ich hab´ Charlie letzten Sommer kennen gelernt, als ich mir die Uni angesehen habe. Na ja kennen gelernt ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Ich hätte ihn fast über den Haufen gefahren. Er hat mir damals erzählt, dass er es sehr eilig hatte und ist deswegen wie ein Henker quer über den ganzen Campus geheizt mit seinem Bike. Nun ja, was soll ich sagen... da ich den Campus zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, bin ich einwenig desorientiert über den Parkplatz geeiert und beim zurücksetzen meines Wagens, weil ich natürlich einen Panzer fahre und in die größten Lücken nicht reinpasse, hätte ich Charlie bald unter meinen Reifen gehabt. Ein gutes hatte die ganze Sache aber damals, ich hatte gleich jemanden der mir den Campus gezeigt hat.

Ich sollte aber vielleicht noch dazu sagen, dass wir beide kein Paar sind. Wir verstehen uns einfach gut, das ist alles. Mich wundert es eh nicht, da meine Freunde zu 90% alle männlich sind. Annie ist da echt ´ne krasse Ausnahme. Annie und ich sind diesen Sommer erst nach Los Angeles gezogen. Von daher war ich schon recht froh darüber, wenigsten einen hier zu kennen. Charlie hat uns auch damals geholfen für diesen Sommer ein Apartment hier in Los Angeles. zu finden. Also ehrlich gesagt wüsste ich nicht, was ich ohne ihn getan hätte. Wahrscheinlich hätte ich dumm aus der Wäsche geschaut.