Kapitel 10

 

„So sieht man sich wieder, mein kluger Kopf“, sagte Frank mit säuselnder Stimme.

Sarah war erst starr vor Schreck. Dann gewann aber ihre Logik die Oberhand und sie ging ein paar Schritte rückwärts. Charlie wollte zu ihr rüber gehen, aber Frank erhob seine Waffe gegen ihn und sagte scharf: „Ich würde lieber stehen bleiben Professor.“

Alle abgelenkt durch Charlie, schaffte es Sarah unbemerkt die restlichen Schritte zum geöffneten Fenster zu gehen und direkt mit dem Rücken davor stehen zu bleiben.

 

Frank sah sie wieder an. Allein sein Blick widerte sie an, aber sie hielt ihm stand.

„Ich hab dich so vermisst“, redete Frank mit friedvoller Stimme weiter. „Du mich sicherlich auch, oder?“ Er wollte auf sie zugehen und gerade, als er sich in Bewegung gesetzt hatte, machte Sarah einen Satz und saß auf dem Fensterbrett des geöffneten Fensters.

„Honey was machst du da? Komm sofort wieder runter“, rief Frank entsetzt und wollte zu ihr eilen.

„Bleib sofort stehen!“ keifte sie ihn an. „Noch einen Schritt näher und ich lasse mich fallen.“ Sie nahm eine Hand vom Fensterrahmen und lehnte sich beängstigend weit nach hinten.

Die beiden Kerle hinter Frank machten Anstallten sich einzumischen, aber er wies sie zurück.

„Mach keinen Blödsinn und komm da runter. Du weißt, dass ich so etwas nicht haben kann.“

„Zuerst lässt du Charlie gehen!“

Frank erhob erneut die Waffe gegen Charlie und seine eben noch so ruhige Stimme für Sarah wurde wieder kalt: „Und wenn nicht?“

„Wenn du Charlie nicht unverletzt gehen lässt, dann werde ich mich fallen lassen und glaub mir, ich werde zusehen, dass ich auf meinen klugen Kopf falle.“

„Honey!“ Frank war entsetzt.

„Lass ihn gehen!“ befahl Sarah.

Frank schaute zwischen ihnen hin und her. Sarah rutschte auf der Fensterbank noch ein Stück weiter nach hinten und forderte wieder: „Lass ihn gehen!“

„Okay, okay“, gab Frank nach, der den Gedanken nicht ertragen konnte, dass sie sich verletzen oder er sie gar verlieren könnte. Er nahm seine Waffe runter. „Geh!“

Charlie schüttelte den Kopf: „Nein, ich lasse dich nicht alleine!“

„Doch Charlie, du wirst gehen“, befahl sie und gab ihm klare Anweisungen. „Du läufst direkt das Treppenhaus runter und durch den Hof vom Unigelände. Ich möchte dich hier unten vorbei laufen sehen. Dann werde ich von der Fensterbank kommen und mit Frank mitgehen.“

Charlie konnte es nicht glauben wie gefasst sie war.

„Geh, jetzt!“

 

Charlie sah sie noch einmal prüfend an, aber seine Beine wollte ihm nicht gehorchen.

“Charlie, geh!“ forderte sie ihn aber mal auf.

Es war ihr ernst. Also lief er vorsichtig los, vorbei an den drei bewaffneten Männern, die ihn einfach passieren ließen.

Vor der Tür, mitten im Korridor in zwei riesigen Blutlachen, lagen die beiden Agents Sherman und Johnson. Die Kerle waren nicht gerade geizig mit ihrer Munition umgegangen. Er konnte mal wieder nicht verstehen, wie man so kaltblütig und herzlos sein sollte. Der Gedanke verpasste ihm einen Stich. Er hatte Sarah gerade eben bei diesen kaltblütigen Mördern zurück gelassen. Kurz überlegte er, ob er zurückgehen sollte. Er konnte doch Sarah nicht alleine lassen. Wenn die ihr auch etwas antun würden? Jedoch hatte sie ihn weg geschickt, sie hatte wohl einen Plan. Und er musste Don informieren! Sein Handy lag im Keller beim Computer, Mist. Da fielen ihm die beiden Agents vorm Unigelände ein und Charlie rannte los.

 

 

Unten auf dem Hof blickte er nach oben. Sarah saß immer noch auf der Fensterbank. Ihr Mund verzog sich zu einem Lächeln. Sie nickte ihm zu und rutschte von der Fensterbank zurück ins Zimmer.

Frank hatte sie in seiner Gewalt.