Kapitel 9:

 

You take the staircase to the first floor

Turn the key and slowly unlock the door

As a man breathes into a saxophone

And through the walls you hear the city groan

Outside it's America…America

 

 

„Hi Dad“, Charlie wollte von der Liege aufstehen aber ihm wurde sofort wieder schwindelig und er musste sich direkt vor den Füßen seines Vaters übergeben.

„Tschuldigung“, sagte er kleinlaut.

Sein Vater sah belustigt aus. „Ich wusste ja, dass du dich freust mich zu sehen. Jetzt komm erst mal rein, dann kannst du dich duschen und ich koche Tee.“

 

Charlie nickte matt und ging hinter seinem Vater her ins Haus. Während Letzterer in die Küche verschwand ging Charlie müde die Treppe rauf, duschte sich und zog sich frische Kleidung an. Als er wieder herunterkam, hatte Alan schon zwei Becher auf den Tisch gestellt.

 

„Setz dich“, sagte Alan sanft, „und dann kannst du mir mal erzählen, was überhaupt los ist. Wo ist eigentlich dein Auto?“

„Gute Frage”, murmelte Charlie.

„Wie bitte?“ Alan zog die Augenbrauen hoch.

„Hm, ich meine, ich habe es stehen gelassen“. Charlie konnte sich absolut nicht dazu durchringen, die Wahrheit zu sagen. Ihm war alles unheimlich peinlich. „Da, wo ich letzte Nacht war“, fügte er noch hinzu. Das war ja nicht so ganz gelogen….

 

„Aha, weißt du Charlie, ich will alles gar nicht so genau wissen. Ich war auch mal jung, ob du es glaubst oder nicht und ich finde, dass gegen gelegentliche ausschweifende Partys nichts einzuwenden ist, gerade wo das bei dir nicht so oft der Fall ist“, Alan grinste. „ Du musst mir nur eins versprechen. Wenn dir das nächste Mal alles über den Kopf wächst und du mal eine Auszeit oder einfach deine Ruhe brauchst, dann rede mit uns. Ich bin der Letzte, der dafür kein Verständnis hat“.

 

Charlie sah verlegen in seinen Becher. Sein Vater war echt großartig, er hatte sein Verschwinden gestern Abend so verstanden und machte ihm noch nicht mal Vorwürfe.

„Aber Don“, begann Charlie doch Alan schnitt ihm das Wort ab.

„Dein Bruder… nun…….“, Alan sag nachdenklich aus. „Im Nachhinein war es auch mein Fehler, dass ich ihn gestern nicht davon abgehalten habe, dich zu zwingen zu uns zu kommen. Aber der Wein, nun ja“. Alan lächelte.

 

Charlie grinste schief, er hatte ein wahnsinnig schlechtes Gewissen, weil er seinem Vater nicht die ganze Wahrheit erzählte.

 

„Wo wir gerade von deinem Bruder reden, er braucht dich momentan beim FBI. Es ist glaube ich besser, wenn wir direkt hinfahren.

Charlie stöhnte und setzte zum Protest an, er wollte einfach nur schlafen, doch Alan winkte ab. „Nein, nein, wir fahren….ein bisschen Strafe muss sein und du bist immer noch FBI Berater oder?“

Sein jüngster Sohn nickte aber war sich nicht sicher, ob er heute zu mathematischen Höchstleistungen in der Lage war. Sein Kopf dröhnte immer noch.

 

„Dann komm und später musst du glaube ich Amita und deinen Kollegen an der CalSci noch einiges erklären“, Alan räumte die Becher aber ab und sie fuhren in Alans Auto zu Dons Arbeitsplatz.

Im Büro des FBI war wie üblich die Hölle los. Angestellte wuselten herum und Telefone klingelten. Als Charlie und Alan eintraten hatte Charlie das Gefühl, ihm würde jemand mit einem Baseballschläger gegen den Kopf schlagen.

Alan hatte Don von unterwegs aus angerufen und deshalb kam dieser ihn schon entgegen.

„Aha, ihr seit da“, bemerkte Don überflüssiger weise und Charlie vermied es, seinem Bruder in die Augen zu sehen.

„Wir sind im Konferenzraum, lass uns gehen“. Charlie ging los, Don wollte ihm folgen aber Alan hielt seinen älteren Sohn zurück.

„Er ist nicht dein Agent, du weißt das oder?“ fragte Alan scharf.

Don sah ihn nur gereizt an. „Natürlich, natürlich, aber jetzt müssen wir wirklich arbeiten. Bis dann.“

 

Don eilte zum Konferenzraum, wo sein Team versammelt war und indem Charlie sich gerade bemühte, einen Personenkreis, der für die Supermarktüberfälle in Frage kam, einzugrenzen.

Charlie wunderte sich wirklich, wie er es gemacht hatte, denn 60 Minuten und acht fragenden Gesichter später war bekannt, wer überprüft werden musste. Don gab seinem Team noch die entsprechenden Anweisungen und wandte sich dann an Charlie.

 

„Und wir zwei müssen uns unterhalten. Komm mit.“ Don machte eine Handbewegung Richtung Tür und wollte mit Charlie anscheinend in einem Raum, wo sie ungestört waren. Charlie erhob sich und folgte Don aus dem Konferenzraum.

 

Na super, dachte Charlie, jetzt tagt das jüngste Gericht. Im selben Moment fragte er sich, wie er auf so einen schwachsinnigen Gedanken kam. Irgendwie war er noch nicht ganz fit.

Weit kamen er und Don jedoch nicht, denn auf dem halben Weg vernahmen sie ein Rufen aus dem hinteren Teil des Büros.

„Agent Eppes, könnte Sie sich das bitte mal schnell ansehen?“. Es klang dringend. Don sah Charlie ernst an. „Du wartest hier!“ Er deutet auf den Arbeitsplatz eines Kollegen, der gerade nicht da war und verschwand in die Richtung, aus der das Rufen kam.

 

Charlie setzte sich an den Schreibtisch. Galgenfrist, dachte er (wieder so ein komischer Gedanke) und um sich abzulenken blätterte er durch die Unterlagen, die auf dem Schreibtisch saßen.

Aber da, Charlie erschrak. Aus der Akte sah ihn ein Phantombild an das Tom, den Bassisten der Heartbreaker, ziemlich ähnlich sah. Charlie las den Text darunter. Es ging um Fälle, in denen Club Besucher mit in Getränken aufgelösten Drogen betäubt und ausgeraubt wurden.

In diesem Moment verspürte Charlie einen weiteren Übelkeitsschub.