Kapitel 4:

 

Why you wanna tell me how to live my life?

Who are you to tell me if it's black or white?

 

Charlie saß in der Garage an seinem Notebook und sah angestrengt aus als Don hereinkam. Er war so in seinen Artikel vertieft, dass er seinen großen Bruder erst bemerkte, als dieser schon direkt vor ihm stand.

„Was ist?“, Charlie blickte auf und musste feststelle, dass seine Frage eine Spur unfreundlicher rauskam als sie eigentlich gemeint war. Das bereute er auch direkt, weil Dons Gesichtsausdruck just in diesem Moment so angespannt wurde, als wäre Charlie ein Verbrecher, aus dem Special Agent Eppes gleich ein Geständnis pressen wollte. Wenn er jetzt ein Aufnahmegerät auf den Tisch stellt wirds interessant…… „Charlie“, Dons Stimme hatte einen bedenklichen Unterton, „könntest du mir mal verraten, was dein Verhalten zu bedeuten hat? Erst kommst du über eine Stunde zu spät und dann versteckst du dich hier in der Garage. Was ist los mir dir?“

 

Charlie stöhnte innerlich auf. Warum war es eigentlich so schwer zu verstehen, dass er einfach mal seine Ruhe zum Arbeiten brauchte?! Und außerdem hatte er wegen Dons Fall den Artikel liegen lassen und musste sich jetzt so beeilen. Es war alles Dons Schuld und jetzt kam dieser auch noch und machte ihm Vorwürfe. Charlie stand (diesmal vorsichtiger) auf und wollte sich an Don vorbeidrücken.

„Lass mich, erstens muss ich arbeiten, zweitens ist das mein Haus, hier kann ich tun und lassen was ich will und drittens scheint ihr euch auch ohne mich zu amüsieren“, murmelte er.

 

Das brachte wohl das Fass zum überlaufen. Don packte seinen kleinen Bruder am Arm als dieser sich an ihm vorbeizwänge wollte und zog ihn zu sich ran.

 

„Charlie“, fauchte er und sah ihm dabei direkt in die Augen„ bei uns sind heute mehrere Leute zu Gast, die uns was bedeuten und du wirst jetzt sofort aufhören, dich wie ein kleines Kind aufzuführen! Du gehst jetzt nach oben, ziehst dir was Anständiges an (sein Blick viel auf das ziemlich verschlissene und verwaschene t-shirt mit einem Wurzelzeichen drauf, welches Charlie trug) und kommst dann zum Tisch! In fünf Minuten bist du da sonst………….“ er ließ den Satz so in der Luft hängen.

 

Der Jüngere glaubte, er hätte sich verhört.

Don sprach mit ihm wie mit einem Kind, das sich gerade geweigert hatte, der streng nach Kölnisch Wasser riechenden Oma einen Kuss zu geben.

Was bildete der sich eigentlich ein? Doch momentan war Charlie nicht in der besten Lage, große Reden zu schwingen. So ließ er sich von Don aus der Garage ziehen. „Jetzt geh schon Alter“, Dons Tonfall klang versöhnlich. Er ließ Charlie, der sich fragte, ob er zusätzlich zu den blauen Flecken auf dem Rücken jetzt auch noch einen am Arm bekommen würde, endlich los und verschwand in Richtung des Gelächters.

 

Charlie ging tatsächlich in sein Schlafzimmer aber setzte sich erst mal aufs Bett. Er schnaubte. Wie konnte Don so mit ihm umgehen? Was zum Teufel…….in seinem Kopf lief es gerade etwas durcheinander. Aber er musste irgendwas tun, die fünf Minuten waren bald um und er wollte gar nicht wissen, was Don im Sinn hatte als er nach dem sonst den Satz abgebrochen hatte. Sein großer Bruder konnte manchmal ziemlich penetrant sein.

 

Er wusste nicht warum aber plötzlich kam Charlie der Music Club in den Sinn. Er ging zurück in die Garage, den Flyer von Tom hatte er in seiner Jackentasche. 22 Uhr, das könnte er noch schaffen. Er nahm seine Jacke, seinen Autoschüssel und verschwand durch das Garagentor, was sonst nie genutzt wurde, nach draußen zu seinem Wagen.

 

Ohne, dass es in diesem Moment jemand merkte, raste er los und verschwand in der Dunkelheit.