Kapitel 1

You've got stuck in a moment and now you can't get out of it

Don't say that later will be better now you're stuck in a moment

And you can't get out of it

 

Charlie stöhnte entnervt auf. Seit einer halben Ewigkeit saß er nun schon an seinem Artikel über Lösungsansätze für das P versus NP Problem und brachte einfach nichts Vernünftiges zustande. Es war 20 Uhr und er saß in seinem Büro, wo es aussah, als hätte eine Bombe eingeschlagen, weil er sich schon seit Wochen nicht mehr aufraffen konnte auszuräumen.

 

Ohnehin ging ihm in letzter Zeit alles gegen den Strich. Letzte Woche hatte der Don bei einem Fall geholfen und darüber ganz seinen Artikel für die mathematische Fachzeitschrift vergessen. Morgen war Redaktionsschluss und er hatte es dem Chefredakteur schließlich versprochen. Doch er musste ja auch Don helfen und zum Schluss trotzdem wieder kein Lob gehört…..wie immer. Eigentlich wußte er ja, dass sein Bruder seine Arbeit schätzte aber in letzter Zeit fehlte ihm einfach mal ein „Hey, das hast du echt gut gemacht, wenn wir dich nicht hätten..“ oder so ähnlich, einfach mal was Nettes.

Und dann Amita, seit sie den Vorsitz in diesem verdammten Komitee übernommen hatte (dazu musste er sie ja auch noch selber überreden) fand sie kaum noch Zeit für ihn und wenn sie da war, wurde er gerade von Arbeit überhäuft. Irgendwie schienen auch alle Leute zu denken, dass man alles bei ihm abladen könnte.

Er, das Superhirn, würde es schon machen. Ob Statistiken über irgendwelche Verbrechen, Seminare für Larrys Erstsemster oder dieser verdammte Artikel, zu dem ihm partout nichts einfallen wollte.

Er war im Großen und Ganzen einfach nur genervt…wahrscheinlich am meisten von sich selber?

„Ach verdammt“, murmelte er und wandte dich wieder seinem Notebook zu.

In diesem Moment klopfte es an der Tür und sie wurde danach direkt von einem seiner Studenten aufgerissen.

„Professor Eppes, tschuldigung wenn ich hier so reinplatze aber ich habe noch Licht gesehen und wollte mal fragen……..oh…ähm, stör ich gerade sehr?“

Er war vermutlich von Charlies gereiztem Gesichtsausdruck abgeschreckt worden.

„Nein, schon ok“, Charlie versuchte zu lächeln. Er mochte Tom, den Studenten, der gerade vor ihm stand. Er war zwar in seinen Hochschulleistungen höchstens mittelmäßig aber irgendwie ein echter Sonnyboy mit unglaublichem Sinn für Humor und immer mit guter Laune anzutreffen.

„Was kann ich für dich tun?“ Charlie lächelte ihm aufmunternd zu.

 

„Nun ja, ich wollte eigentlich nur wissen, ob Sie evtl. schon in meine Hausaufgabe reingeschaut haben…wegen der Zwischennote…also ich meine….“, Tom grinste verlegen.

Charlie betrachtete die zig Papierstapel um ihn herum und konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, wo er die Hausaufgabe hingelegt hatte. Er konnte sich gar nicht daran erinnern, sie überhaupt schon mal gesehen zu haben.

„Tom, wenn ich ehrlich bin habe ich noch nicht drübergeschaut. Aber ich schreib dir eine mail, sobald ich was weiß ok“? „Wenn ich jemals dazu kommen werde“, fügte er noch leise hinzu.

Das hatte Tom aber noch gehört. „Viel Streß wie? Kann ich mir denken! Ist wohl nicht einfach ein Genie zu sein…Wissen Sie was? Meine Band gibt heute um 22 Uhr ein Konzert im Music Club. Wenn Sie Lust haben, kommen sie doch mal vorbei! Ich will ja nicht respektlos sein aber sie sehen so aus, als könnte Sie etwas Spaß gebrauchen. Hier, ich würde mich freuen“. Mit diesen Worten legte er einen Flyer auf einen der Papierstapel, der im selben Moment anfing, bedenklich zu schwanken.

 

„Hm, danke aber…“ weiter kam Charlie nicht weil Tom schon wieder aus seinem Büro gestürmt war. Er nahm den Flyer von dem Stapel, der augenblicklich umkippte, was Charlie ignorierte, und las darin. Eigentlich waren solche Musik Clubs nie was für ihn gewesen, dazu auch noch Rock….aber vielleicht doch?