Kapitel 14:

 

Goodbye...

You can keep this suit of lights

I'll be up with the sun

I'm not coming down

'Cause I'm already gone….

 

„Was?“, Don sah entsetzt zu seinem Vater hoch.

„Ach komm Donnie“, Alan grinste. „Du weißt doch was das ist“.

Don stand auf, zog Charlie mit sich und dreht ihn um. „Charlie, woher hast du die?“ fragte er ernst doch Charlie lächelte nur. „Von Dad“, rief er.

„Charlie, lüg mich nicht an!“

„Ich lüge nicht!“, krächzte Charlie. „Ich bin mit Colby nach Hause gekommen und dann standen sie da schon“. Don drehte sich zu Alan um doch dieser zuckte mit den Schultern. „Donnie, du glaubst doch nicht…….“.

„Nein, natürlich nicht“, Don sah unschlüssig von einem zum anderen. „Wir gehen jetzt erst mal rein“.

Alan nickte zustimmend. „Eben, was sollen denn die Nachbarn denken?“

 

Don zog Charlie mit sich ins Haus und setzte ihn dort in einen Sessel. Er selbst ließ sich auf die Couch gegenüber fallen. Colby schlief immer noch tief und schnarchte leise.

Alan kam ihnen hinterher und blieb hinter Charlie stehen. Don lehnte sich zurück und rieb sich die Augen. „Charlie“, knurrte er. „Ich frag dich jetzt das letzte Mal. Wo hast du diese verdammten Drogendinger her?“

Charlie hielt sich die Hände vors Gesicht. „Das habe ich doch schon gesagt. Sie standen schon hier als Colby und ich kamen“.

„Charlie hör auf zu lügen………“ Dons Stimme erhob sich aber Alan hielt ihn zurück. „Donnie, glaub mir, dein Bruder ist nicht mehr in der Lage zu lügen. Mich beunruhigt, dass anscheinend jemand fremdes hier im Haus war um uns Haschkekse unterzujubeln.“

Don atmete durch. Sein Vater hatte recht.

 

„Habt ihr was Ungewöhnliches bemerkt als ihr hier ankamt?“, fragte er seinen Bruder, der inzwischen kurz davor war in einen ähnlich tiefen Schlaf zu fallen wie Colby.

„Nein………ich glaube…….die sind mit dem Schlüssel reingekommen“, murmelte Charlie müde.

„Bitte? Wer sind die und warum haben die einen Schlüssel?” Don stand auf, er konnte nicht glauben, was er da gerade hörte.

„Die Heartbreaker haben meinen Schlüssel.“ Charlie gähnte. „Kann ich jetzt ins Bett gehen?“

Don ging auf Charlie zu. „Nein bestimmt nicht. Wer sind die Heartbreaker, warum haben die deinen Schlüssel und warum bringen sie uns Haschkekse?“

 

„Donnie“, Alan war um den Sessel herumgegangen und stellte sich zwischen seine Söhne. „Das Beste ist, wir lassen die zwei Hippies hier erst mal schlafen und quetschen sie morgen weiter aus. Im Moment wirst du nichts Richtiges rausbekommen. Aber da anscheinend irgendwelche Herzensbrecher Schlüssel für das Haus haben würde ich dich bitten heute Nacht hier zu bleiben.“

 

„O.k.“, Don ließ sich zurück auf die Couch fallen und seufzte. Er war für diesen Tag auch definitiv fertig.

Alan nahm seinen jüngeren Sohn am Arm und führte ihn die Treppe rauf, während Charlie anfing When the Saints go marching in zu singen.

„Dad? “, rief Don noch.

„Ja bitte? “ Alan blieb stehen.

„Manchmal bewundere ich dich ehrlich für deine Gelassenheit.“

Alan sah überrascht aus. „Ich habe jahrelang mit deiner Mutter und euch beiden unter einem Dach gelebt. Da kommt das irgendwann von ganz alleine.“ Mit diesen Worten verschwand Alan mit Charlie im oberen Teil des Hauses.

 

Don seufzte und lehnte sich zurück. Neben ihm schnarchte Colby. „Na du kannst dich auch noch auf was gefasst machen“, sagte Don aber Colby konnte ihn natürlich nicht hören.

Don legte den Kopf in den Nacken und döste ein.

Plötzlich war er hellwach, als er jemanden an der Haustür hörte. Er sah auf die Uhr. Er hatte tatsächlich 2 Stunden geschlafen. Don lauschte, jemand schien ins Haus zu wollen. Don zog seine Waffe und ging auf die Tür zu, die in diesem Moment schon vorsichtig geöffnet wurde.

„FBI!“, brüllte Don. „Stehen bleiben und Hände hinter den Kopf!!“

Der junge Mann, der die Tür geöffnet hatte, sah fürchterlich erschrocken aus. Er ließ den Schlüssel fallen und sah Don ängstlich an. „Bitte!“, jammerte er. „Ich tue alles was sie wollen aber bitte erschießen sie mich nicht!“

„Hände hinter den Kopf!“, sagte Don nur und der junge Mann gehorchte sofort. Don legte ihm Handschellen an, durchsuchte ihn, führte ihn zum Sessel und setzte ihn hin.

Colby war durch den Lärm wach geworden. Er saß völlig entgeistert auf der Couch.

„Ah, Agent Granger, auch wieder unter den Lebenden?“, bemerkte Don zynisch.

„Don..ähm..wo bin ich und wer ist das?“, er deutete auf den Eindringling.

„Du bist bei uns zu Hause und wer das ist werde ich jetzt herausfinden“. Don wandte sich an den jungen Mann.

„Also?“ fragte er knapp.

„Wer sind Sie?“, kam die Gegenfrage.

„Special Agent Don Eppes vom FBI“, Don hielt dem Mann seine Marke unter die Nase.

„Sind Sie etwa mit Professor Eppes verwandt?“, die Augen des jungen Mannes weiteten sich.

„Er ist mein Bruder aber ich würde jetzt gerne wissen, wer Sie sind und was sie hier wollen. Also?“

Der junge Mann sah immer noch erschrocken aus. „Shit, das wußte ich nicht“, murmelte er.

„Wer sind sie zur Hölle?“, Don war kurz davor, den Typen vor sich zu schlagen.

„Tom Miller“, war plötzlich eine Stimme zu hören. Colby, Don und Tom drehten sich zur Treppe auf der Charlie stand.

„Du kennst ihn?“, fragte Don entsetzt. „Was geht hier vor verdammt?“

Charlie kam langsam die Treppe herunter, setzte sich neben den immer noch reichlich verdutzten Colby und konnte sich endlich dazu durchringen, von den letzten 30 Stunden in seinem Leben zu erzählen. Tom wollte ihn unterbrechen aber unter Dons vernichtendem Blick war er schnell wieder still.

 

Als Charlie geendet hatte starrten Tom, Don und Colby ihn an. Don fand als erstes die Sprache wieder. Er wandte sich an Colby „Wußtest du…“

„Nein“, unterbracht ihn Charlie. „Er wußte wirklich nichts.“

Don sah sich um. „O.k. wir fahren jetzt alle ins Büro. Charlie, ich brauche deine Aussage und von Tom erfahren wir bestimmt noch etwas über seine Kumpel.“ Don schrieb Alan noch schnell einen Zettel und danach fuhren sie zum FBI.

 

Tom packte ziemlich schnell aus. Die Heartbreaker waren eine Bande von verkrachten Existenzen und um sich zu finanzieren, hatte sie Leute in Zusammenarbeit mit dem Music Club durch Drogen in Drinks betäubt und ausgeraubt. Die meisten konnten sich am nächsten Tag an nichts mehr erinnern und die wenigsten gingen aus Scham zur Polizei. An dem Abend, an dem Tom bei Charlie im Büro erschienen war, hatten die Heartbreaker extremen Geldmangel und Tom sollte das nächste Opfer in den Club locken.

Später hatte im Auftrag seiner Kumpel Charlie auch den Brief geschickt und die Kekse gebracht, um Charlie noch mehr Schwierigkeiten zu bereiten. Nach und nach überkamen Tom aber Zweifel und er hatte die Sachen wiederholen wollen. Tom war fertig mit den Nerven und in Folge dessen auch auskunftsfreudig. So konnte der Rest der „Heartbreaker“ verhaftet werden. Im Morgengrauen fand man bei Stu auch Charlies Sachen inklusiv seinem Auto.

 

Gone... sun... time... sun...

Gone... sun.... gone... sun...

Sun...

 

Einige Stunden später war Charles Eppes wieder in seinem unordentlichen Büro, saß zusammengesunken in seinem Stuhl und knabberte an einem Sandwich.

 

Er konnte immer noch nicht richtig glauben, was ihm da passiert war. Er hatte sich bei seinem Dad, Amita und Larry für sein seltsames Verhalten entschuldigt aber bei dem Gedanken an den enttäuschten Gesichtsausdruck seines Vaters ,als er von seinen Lügen erfuhr, wurde ihm immer noch komisch. Den Erpresserbrief hatte er dem FBI aushändigen müssen, doch die Fotos hatte er vorher schnell vernichtet und angegeben, sie direkt nach Erhalt des Briefes aus Wut verbrannt zu haben.

Außerdem hatte er gerade mit Dr. Ryan telefoniert und versucht, ihm die etwas „konfus“ ausgefallene Mail zu erklären.

Im ganzen Trubel war jedoch mit Don noch kein vernünftiges Gespräch zustande gekommen worum Charlie eigentlich ganz froh war.

Gerade, als Charlie diesen Gedanken beendet hatte klopfte es an seiner Bürotür.

Nein, dachte Charlie nur, der das forsche Klopfen direkt seinem Urheber zuordnen konnte und sich fast an seinem Sandwich verschluckt hätte. Diese Art von Gedankenübertragung war wissenschaftlich nicht nachweisbar also quasi unmöglich.

Charlie überlegte, ob das Verbarrikadieren der Tür eine in Betracht zu ziehende Möglichkeit darstellte aber in diesem Moment war Don schon hereingekommen.

 

„Hi buddy“, sagte Don, blieb an der Tür stehen und spielte nervös an der Sonnenbrille in seinen Händen herum während er einen Kaugummi im Mund zermalmte.

„ey on“, Charlie legte das Sandwich vorsichtig auf einem Stapel Papiere ab und räusperte sich. „Ähm, ich meine: Hey Don“.

Don kam auf Charlies Schreibtisch zu. „Charlie ich wollte…“, begann er aber wurde von seinem Bruder unterbrochen.

„Don“, sagte Charlie und hob abwehrend die Hände „ich weiß, ich habe ziemlich viel…nun..Mist gebaut. Ich bin abgehauen, hab mich ausrauben lassen und Dad angelogen. Du hast alle Rechte mich fertig zu machen. Also, fang schon an.“

Charlie ließ die Hände sinken und schloss die Augen. Er erwartete, dass Don ihn jetzt mindestens anschreien würde aber zu seiner Überraschung blieb es ruhig. Charlie riskierte einen Blick und musste feststellen, dass Don in dem Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches Platz genommen hatte und ihn nur nachdenklich ansah. Eine Zeit lang herrschte Stille. Das Einzige, was zu hören war, waren die Stimmen der Studenten draußen auf dem Gang.

„Nun Charlie“, begann Don endlich, „ich bin schon noch wütend aber ich muss feststellen, dass sich die Wut größtenteils gegen mich selber richtet.“

 

 

Charlie seinen großen Bruder an, als sei dieser ein seltenes Reptil.

„Nun buddy, ich meine, wie kann ich erwarten, dass du dich mich anvertraust, wenn ich mich wie ein verdammter Tyrann aufführe? Sieh mal, ich kein Recht, so mit dir umzugehen und das im Büro“, Don legte eine Pause ein, „ich hätte doch erkennen müssen, dass was mit dir nicht stimmt. Aber in letzter Zeit bin ich ….hm….etwas überarbeitet.“

Charlie glaubte, er hätte sich verhört. War das der Ansatz einer Entschuldigung? Der Jüngere beschloss, es seinem Bruder nicht so schwer zu machen.

„Letzteres trifft auch auf mich zu Alter. Du musst dich nicht entschuldigen.“ Charlie versuchte zu lächeln. Don sah ihn an „Also entschuldigen wollte ich mich eigentlich…ich meine…ähm…ok aber du weißt doch immer noch, dass du dich mir immer anvertrauen kannst. Und wenn ich mich dann nochmal wie ein Idi….ich meine so aufführen sollte dann erinnerst du mich an heute ok?“ Don hatte sich vorgebeugt und sah Charlie besorgt an.

 

Charlie nickte.

 

Don lehnte sich zurück. Am liebsten hätte er Charlie jetzt gefragt, ob sie nicht zusammen zum Basketball gehen wollten aber der Special Agent und große Bruder in ihm wollten Charlie doch nicht so einfach davonkommen lassen. Don räusperte sich und setzte seinen besten strengen Boss-Blick aus.

„Dein Alleingang mit Tom war aber schon hart an der Grenze. Sowas lass ich dir nicht noch mal durchgehen, verstanden?“

Charlie hatte den Kopf gesenkt und betrachtete das Sandwich vor sich. „Sicher“, sagte er leise.

„Ich hoffe, du hast wenigstens Gewissensbisse?“

Charlie nickte erneut. „Und Kopfschmerzen und blaue Flecken am Arm“, fügte er hinzu, hob den Kopf und sah angriffslustig zu seinem Bruder herüber.

Don grinste verlegen. Sein Körper entspannte sich jedoch und er sah sich um.

 

„Willst du hier nicht mal aufräumen Chuck?“

 

Ende