Kapitel 11:

 

‘Cause I got nothing to lose, nothing to win

but still I want it all to throw it all away

I don’t care about what you’ve got to say

‘cause my tomorrow’s too much for today

 

 

Charlie merkte, wie er auf einmal ungeheuer wütend wurde. Was bildeten sich diese Mistkerle eigentlich ein?

Charlie stand auf, steckte den Brief in die Vordertasche seines Kapuzenpullovers und rannte die Treppe runter. Sein Vater kam mit einem Geschirrhandtuch vor den Bauch gebunden aus der Küche.

 

„Oh, Charlie schon wieder fit?“ fragte er überrascht.

„Ja..Dad, kannst du mir dein Auto leihen? Ich muss dringend noch mal weg.“ Charlie sah seinen Vater flehend an.

„Ich weiß nicht so recht…Charlie..bist du überhaupt wieder zum fahren in der Lage? Und wo musst du denn so dringend hin?“

Charlie atmete tief ein und aus. „Bitte Dad, bei mir ist alles in Ordnung. Ich muss nur noch mal schnell zur Uni, morgen hol ich dann mein eigenen Wagen wieder“. Charlie erschrak darüber, wie leicht es ihm viel, seinen Dad anzulügen.

„Gut aber was mach ich jetzt mit dem Essen?“ Alan schien enttäuscht.

„Halts mir warm ok? Danke Dad!”

„Aber ich bin nachher noch mal weg. Ein alter Kollege holt mich ab“, rief Alan noch.

 

Charlie nahm die Autoschlüssel und einen Ersatzhaustürschlüssel von dem Dielenschrank und rannte los. Er würde Tom einen Besuch abstatten.

 

Charlie raste mit Alans Auto zur CalSci. Er parkte den Wagen und stürmte in das Verwaltungsgebäude. Im Studierendensekretariat war noch Licht. Charlie riss die Tür auf und wurde von Mrs. Smith, der Verwaltungsangestellten die am PC saß, entsetzt angesehen.

„Professor Eppes, Mensch, haben Sie mich erschrocken“, rief sie.

„Tut mir wirklich leid…Mrs. Smith ich brauche dringend Daten einer meiner Studenten. Können Sie mal nachsehen? Ich brauche die Adresse von Tom Miller.“ Mrs. Smith suchte in ihrem Programm.

„Tom Miller, schauen wir mal…hm… Professor Eppes, Tom Miller wurde von uns schon letztes Semester exmatrikuliert!“

 

„Was?“, Charlie konnte nicht glauben, was er da hörte. Wenn Tom schon längst kein Student mehr von ihnen war, dann war der nächtliche Besuch eine reine Täuschung gewesen war. Tom wollte ihn in die Bar locken und Charlie war nicht aufgefallen, dass dieser schon seit 3 Monaten nicht mehr in seinen Vorlesungen gewesen war und ihm auch nie eine Hausaufgabe abgegeben hatte.

Charlie sammelte sich. „Warum haben wir ihm rausge……ich meine exmatrikuliert?“

Mrs. Smith sah auf ihren Bildschirm. „Wiederholte Täuschungsversuche in Prüfungssituationen“, las sie vor.

„Haben wir denn noch eine Adresse?“

Mrs. Smith nannte eine Anschrift in der Nähe. Charlie bedankte sich und stürmte aus dem Büro.

 

Er fuhr zu der genannten Straße und stand schon bald vor dem leicht heruntergekommenen Mehrfamilienhaus, indem Tom Miller wohnen sollte.

Sein Name stand jedoch auf keiner der Klingeln, also klingelte Charlie einfach bei Clayton.

Im Hausflur ging Licht an und dann wurde zaghaft die Tür geöffnet. Eine junge Frau stand vor ihm.

„Ja bitte?“ fragte sie misstrauisch.

„Entschuldigen Sie die Störung. Ich bin Charlie Eppes und auf der Suche nach Tom Miller. Wohnt er noch hier?“ Charlie wollte höflich und seriös rüberkommen, damit er die Frau nicht verängstigte.

„Nein, Tom ist schon vor einer Weile ausgezogen. Was wollen Sie von ihm?“, die Frau war auf der Hut.

„Ich bin ein Freund aus der Uni und schulde ihm noch Geld. Wissen Sie, wo ich ihn finden kann?“ Charlie setzte sein schönstes Lächeln auf.

Er hatte die Frau anscheinend überzeugt. „Er ist nur zwei Straßen weiter gezogen“. Sie nannte die neue Adresse.

„Vielen Dank Miss…ähm…Clayton. Ich richte Tom Grüßen von ihnen aus.“

Bevor die Frau noch was sagen konnte, was Charlie schon weg.

 

Auf der Klingel der beschriebenen Adresse stand tatsächlich Toms Name. Es war wieder ein Mehrfamilienhaus aber nicht so heruntergekommen wie das erste.

Charlie klingelte und es wurde direkt geöffnet. Charlie betrat den Hausflur, in dem es stark nach Reinigungsmitteln roch.

Tom kam ihm entgegen aber hatte natürlich jemand anderes erwartet. Als er Charlie sah wollte er wegrennen aber Charlie hielt ihn fest und drängte ihn zurück in die Wohnung, deren Tür noch offen stand.

„Jetzt hab ich dich du Drecksc****! Hast du echt gedacht, du könntest mich ausknocken, ausrauben und dann auch noch erpressen?“, brüllte Charlie.

Tom zitterte. „Charlie….bitte, dass war alles nicht meine Idee. Die Jungs haben gezwungen und……“. Charlie ließ ihn nicht ausreden. „Das glaub ich dir nicht! Du wirst mir meine Sachen zurückholen und dich dann stellen verdammt! Ich………“.

 

Charlie spürte plötzlich einen Schlag ins Gesicht und dann………nichts mehr.