Kapitel 10:

 

You're dangerous 'cause you're honest

You're dangerous, you don't know what you want

 

 

„Ist dir nicht gut?“ Das war Colby, der unbemerkt an Charlie herangetreten war.

„Was? Ach, ne alles in Ordnung“. Charlie fand selbst, dass er nicht besonders glaubwürdig klang.

 

„Don wollte mit dir reden oder? Mach dir mal keine Sorgen deshalb, er ist in letzter Zeit wirklich etwas gereizt aber er wird dir schon nicht den Kopf abreißen wegen deinem kleinen Ausflug gestern“. Colby klopfte ihm auf die Schulter. „Arbeitest du auch an dem Fall?“, er deutete auf die Akte auf dem Schreibtisch.

 

Charlie war kurz davor, alles zu erzählen aber in diesem Moment kam Don schon wieder herangerauscht.

 

„Hast du nichts zu tun Colby?“ fragte er verärgert und dann mit einem Blick auf Charlie. „Komm jetzt“. Er ging voraus und Charlie hatte den Eindruck, als wäre er auf dem Weg zu seiner eigenen Beerdigung… bzw. was zum Teufel ging da eigentlich in seinem Kopf vor?

 

Don führte Charlie in einen leeren Besprechungsraum und schloss die Tür hinter sich. Charlie blieb unschlüssig mitten im Raum stehen und sah vorsichtshalber direkt an Don vorbei durch die Glasscheibe in den Rest des Büros. Er sah Liz, die sich gerade mit Colby unterhielt.

 

„Setz dich Charlie“, sagte Don, er selber blieb stehen.

„Klar Donald“ , murmelte Charlie. Was zum Teufel rede ich denn da?, dachte er im selben Augenblick.

 

„Was hast du gesagt?“ Unter Dons kühlen Agenten Blick kochte es ziemlich.

„Nichts, nichts“. Charlie versuchte sich zusammenzureißen und setzte sich aber ihm kamen die ganze Zeit so komische Gedanken. Was hatte sie ihm bloß in die Cola gemischt? Charlie sah Don direkt in die Augen. Er kam sich auf einmal ziemlich kühn vor.

 

„Und nun Bruderherz?“, Charlie merkte, dass er gerade die Kontrolle verlor und bemerkte auch, dass Don momentan selbiges vermied.

 

„Charlie, willst du mich auf den Arm nehmen? Wir sind hier um über gestern Abend zu reden. Ist möchte von dir eine Erklärung für dein Verhalten und außerdem finde ich es weniger komisch, wenn wir hier nicht weiterkommen, weil unser FBI Berater, der gleichzeitig mein Bruder ist, sein Handy und seine Mailbox ausgeschaltet hat.“ Don hatte sich ziemlich in Rage geredet und deshalb den letzten Teil seiner Ansprache mehr oder weniger geschrien.

 

Charlie sah unbeeindruckt aus. In seinen wirren Gedanken überlegte er, ob Don schon immer seine Nase kraus gezogen hatte, wenn er wütend war.

 

„Weiß du was Donald, du siehst süß aus, wenn du wütend bist.“ Charlie war aufgestanden und wollte den Raum verlassen, weil er gerade das dringende Bedürfnis verspürte, Liz zu begrüßen.

 

Doch Don war nun endgültig der ohnehin schon seit Wochen sehr dünne Geduldsfaden gerissen. Er packte Charlie an den Oberarmen und drückte ihn mit den Rücken gegen die Wand.

 

„Verdammt noch mal, jetzt reichts! Was zum Teufel ist los mit dir? Was redest du da für einen Quatsch und wo warst du letzte Nacht?“ schrie Don seinen Bruder an.

Charlie antwortete nicht auf die Fragen. Er spürte nur starke Schmerzen im Rücken und in den Armen.

 

„Lass mich los, du tust mir weh!“ beschwerte sich Charlie. Doch Don hatte gerade anderes im Sinn. Sein Griff wurde nur noch fester.

„Das ist mir im Moment ziemlich egal, ich will nämlich von dir wissen…“, weiter kam er nicht, weil in diesem Moment die Tür von Liz aufgerissen wurde.

 

„Don, was um Himmels Willen machst du da? Lass Charlie los!“ Ihre Stimme klang sehr bestimmend.

Don atmete tief durch, dann ließ er Charlie los, wich aber keinen Zentimeter zur Seite. Einen Moment war es still dann sagte Liz sanft: „Komm mit mir Don, wir trinken einen Kaffee zusammen“. Don atmete noch mal tief durch und folgte Liz in die Teeküche.

Charlie blieb nicht lange allein. Colby kam herein, sobald die zwei den Raum verlassen hatten. Er sah Charlie an.

„Komm Alter, ich fahr dich nach Hause“. Charlie hätte Colby knutschen können (was er dann doch lieber nicht tat) und verließ dankbar mit Colby das Gebäude. Inzwischen war es schon fast Abend und Charlie fragte sich, wie viel einem eigentlich innerhalb eines Tages passieren könnte.

 

Kaum war Charlie zu Hause wünschte er sich, Colby hätte ihn auf einer einsamen Insel abgesetzt. Alan redete nämlich direkt auf ihn ein, sobald er ihm die Tür geöffnet hatte.

„Charlie, da bist du ja. Konntest du Don helfen? Ihr habt doch nicht gestritten oder?“

Charlie schüttelte den Kopf. Er hatte jetzt keine Lust mehr auf Diskussionen.

Alan redete unbeirrt weiter. „Hier ruft übrigens schon den ganzen Tag so ein Chefredakteur von einer Zeitschrift an und fragt nach irgendeinem Artikel. Weißt du, um was es geht? Er konnte dich nicht auf dem Handy erreichen. Außerdem haben Larry und Amita angerufen. Larry wollte wissen, ob du morgen wieder an die Uni kommst und Amita macht sich Sorgen um dich und……..“.

 

„Dad“, Charlie hob abwehrend die Hände. „Ich rufe alle zurück ja? Aber jetzt würde ich doch gerne etwas meine Ruhe haben.“ Charlie wusste, dass er dringend runter kommen musste. Er hatte immer noch wirre Gedanken.

„Klar mein Sohn, ich verstehe das …aber Moment“, Alan ging ins Wohnzimmer und kam mit einem braunen Briefumschlag zurück. „Das ist gerade für dich abgegeben worden. Jetzt ruhe dich ruhig aus, ich sage Bescheid, wenn das Essen fertig ist“.

„Danke Dad“, Charlie nahm dem Umschlag und stieg die Treppe rauf.

 

Oben angekommen ging er direkt in sein Schlafzimmer und legte sich aufs Bett, er schien langsam wieder nüchtern zu werden, hoffentlich nicht wieder nur vorübergehend.

 

Was für ein Tag, dachte er. Morgen musste er sich um die Neubeantragung seiner Papiere und um einen neuen Schlüssel kümmern. Außerdem musste er sein Auto finden aber wie er das ohne Polizei anstellen sollte war ihm schleierhaft…Don würde er bestimmt nichts erzählen, erst recht nicht nach heute.

 

Während Charlie nachdachte hatte er den Umschlag aufgerissen. Er zog den Inhalt heraus und erschrak fürchterlich.

In dem Umschlag war ein bedruckter DinA4 Zettel und 4 Fotos. Charlie las zunächst die kurze Mitteilung:

 

Kein Wort über letzte Nacht Eppes. Sonst werden diese Bilder bald alle an der CalSci und deine Familie zu sehen bekommen. Deine Freundin wird sich besonders freuen.

 

Charlies Herz begann zu rasen. Die Fotos zeigten ihn im Music Club. Er sah ungeheuer breit aus und tanzte eng umschlungen mit den zwei halb nackten Groupies.

 

Nein, dachte Charlie nur, nein.