Kapitel 6

 

Lieber Alan,

wenn ich könnte, würde ich die letzten Jahre ungeschehen machen, leider kann ich das nicht.

Ich hätte dich gerne bei meiner Hochzeit dabei gehabt.

Du solltest mal meine kleine Prinzessin Sabrina kennenlernen, sie ist jetzt 3 Jahre alt.

Und Jennifer ist mit unserer 2 Tochter schwanger. Ich habe das Erbe unserer Eltern durch meine Spielsucht verloren, und zu dem noch 250.000 $ Schulden gemacht.

Es war mir bewusst, dass ich diesen Schuldenberg bis zu meinem Lebensende nie mehr zurückzahlen konnte.

Dann kamen die Schulden, die ich bei dir gemacht habe noch dazu. Mein schlechtes Gewissen ließ mich nicht zur ruhe kommen.

Ich musste versuchen meine kleine Familie, die ich über alles Liebe aus diesem Schlamassel heraus zu halten. Meine Gläubiger gingen nicht gerade zimperlich mit Leuten wie mir um. Also blieb mir nur die Flucht in die Anonymität. Ich heuerte auf einer Bohrinsel im Chinesichen Meer an. Mein Verdienst war gut. Ich konnte meiner Familie monatlich Geld zu kommen lassen, so das ich wusste, das meine drei Lieben gut versorgt waren. Nach ein paar Jahren wurde bei mir die Pest diagnostiziert. Ich habe mir diese Krankheit wohl bei einem meiner Urlaube in Asien eingefangen. Durch die schwere Arbeit auf der Bohrinsel, die wechselnden Arbeitszeiten und die teilweisen schlechten Wetterbedingungen wurde diese, sich durch unangenehme Symptome bemerkbar machende Krankheit, schnell sichtbar und ich musste die Bohrinsel verlassen. Ich vegetierte in einem kleinen Krankenhaus vor mich hin. Eines Tages kam eine amerikanische Delegation in die entfernte und einsam gelegene Siedlung. Mit Hilfe eines anwesenden Arztes wurde ich in die USA zurück gebracht. Mir bleiben hoffentlich noch ein paar angenehmere Wochen. Ich möchte dich hiermit um Verzeihung bitten. Falls du meine Familie irgendwann einmal kennenlernen solltest bitte ich dich, sie den Groll gegen mich nicht spüren zu lassen. Ausserdem bitte ich dich inständig, ihnen nicht von meinem elenden Leben und meinen Schulden zu erzählen. Ich liebe dich und hoffe, du kannst mir verzeihen. Dein Sebastian.

 

Alan's Wut auf seinen Bruder war mittlerweile einer unendlichen Traurigkeit gewichen. Tränen standen in seinen Augen. Nach der langen Zeit, inzwischen vergangen war, hatte er seinem Bruder schon längst verziehen. Es tat ihm weh, dass er es ihm nicht persöhnlich sagen konnte. Er raffte sich auf, um Sabrina einigermaßen gefestigt entgegen zu treten. Alan kam wieder ins Haus und setzte sich neben Sabrina, denn Charlie und sie waren immer noch am lernen.

"Sabrina, ich muss mit dir reden, möchtest du mir beim Abendessen zubereiten helfen?" Sie hatte ein ganz mulmiges Gefühl im Bauch.

"Ja, das mache ich gerne." Sie gingen zusammen in die Küche. In der Zwischenzeit packte Charlie die Mathesachen beiseite.

"Mr. Epps, oder darf ich Onkel Alan sagen?, es tut mir alles schrecklich leid."

"Armes Kind. Ich frage mich wie du mit dieser Wahrheit zurechtkommst? Du darfst deinen Vater wegen dieser Geschichte nicht verurteilen. Er war eigentlich immer ein anständiger Kerl. Seine verdammte Spielsucht hat ihn soweit getrieben. Bitte schweige gegenüber deiner Mutter und deiner Schwester. Deine Schwester könnte die Wahrheit nicht ertragen, sie ist noch viel zu jung. Dich möchte ich von Herzen bitten, komme zu mir, wenn du reden musst. Ich werde immer für dich da sein!"

Beide nahmen sich in den Arm und es herrschte eine unausgesprochene Vertrautheit zwischen ihnen.

Sie machten das Abendessen und trugen zusammen auf.

Jetzt mussten nur noch Alan's Söhne von der neuen Verwandtschaft in Kenntnis gesetzt werden.