Kapitel 5

 

Am Montag klingelte wie gewohnt mein Wecker. Ich freute mich schon auf den heutigen Tag, was sehr ungewöhnlich war. Nach der Schule zog ich mich um. Ich zog die neue Jeans und das neue Oberteil an. Dann machte ich mich auf den Weg zu Charlie. Es war viel zu früh. Darum entschied ich mich zu Fuß zu gehen. Es war 15.55 Uhr als ich am Haus der Families Epps ankam. Ich kligelte und Charlie macht mir auf.

"Oh, du bist schon da, das ist gut."

"Hi, wie gehts dir?"

"Gut und dir? Ich habe gehört, das Don dich im Einkaufszentrum getroffen hat."

"Ja."

Wir setzten uns, und ich holte wie immer meine Sachen aus der Tasche und fing schon mal mit den Aufgaben an. Charlie hatte noch etwas zu trinken geholt, dann schaute er sich meine gesamten Matheaufgaben an. Mir war nicht aufgefallen, dass mir der Brief aus der Tasche gefallen war. Ich hatte den Brief fast vergessen. Alan kam aus dem Garten und wollte sich zu uns setzten. Er bückte sich und hob den Brief auf. Er drehte ihn um und las seinen Namen. Charlie sah seinen Vater an, und stellte entsetzt fest, dass er kreidebleich war.

"Dad ist alles in Ordnung?"

"Ja, ich habe gerade das hier gefunden."

"Oh, der muss mir aus der Tasche gefallen sein."

"Wieso steht mein Name auf dem Briefumschlag?"

"Ähm... Mr. Epps... Es tut mir leid...", stammelte ich. Ich stand auf und wollte gehen, doch Alan hielt mich fest. Ich traute mich nicht, ihm in die Augen zu blicken.

"Charlie, lässt du uns bitte allein?"

"Aber...", dann sah Charlie in die Augen seines Vaters.

"Ja... ich gehe in die Garage."

Alan bat mich wieder Platz zu nehmen. Sein Blick ruhte immer noch auf mir. Ich spürte ihn wie tausend Messerstiche und konnte ihm immer noch nicht in die Augen schauen.

"Erklär mir bitte, warum mein Name auf dem Briefumschlag steht."

Ich schaute Alan an und brach in Tränen aus. Dann fing ich an zu erzählen: "Mein Vater starb vor 5 Jahren. Urplötzlich von jetzt auf gleich. Mein Vater hat die Ärzte gebeten, bei seinem Tod die Familie davon in Kenntnis zu setzten. Er ist kurz nach der Geburt meiner kleinen Schwester verschwunden. Er ist abends ins Krankenhaus gekommen und morgends haben wir den Anruf des Arztes erhalten, dass mein Vater gestorben sei. Beim Aufräumen seiner Sachen habe ich diesen Brief gefunden. Er war nicht verschlossen und ich traute mich nicht, ihn zu diesem Zeitpunkt zu lesen. Meine Mutter weiß nicht, dass ich ihn habe. Ich habe ein paar Erinnerungsstücke aufgehoben. Sie sind alle in einer Kiste in meinem Zimmer. Nicht das Sie jetzt denken, ich wollte sie ausspionieren. Das ist alles ganz anders. Wie ich gerade sagte, habe ich den Brief gefunden und nicht gelesen. Meine Mathematiklehrerin hat mich vor ein paar Wochen zu sich gebeten und sagte mir ich würde sitzten bleiben, wenn ich nichts gegen die Probleme in Mathe tun würde. Dann sagte sie mir noch, sie hätte einen Termin für mich bei Ihrem Sohn ausgemacht. Der Name und die Adresse standen auf einem Zettel. Bei dem Namen Epps, klingelte es bei mir und ich kramte die Kiste wieder hervor. Ich fand sofort, wonach ich suchte, den Brief. Ich habe ihn gelesen und erfuhr, dass mein Vater Ihr Bruder war!"

Ich blickte in die Augen von Alan und stellte überrascht fest, dass er weinte.

"Ich wollte Ihnen den Brief geben und Ihnen alles erklären, doch ich wusste nicht wie. Der Brief gehört Ihnen." Es dauerte nicht lange, dann hatte sich Alan wieder gefangen. Nachdem ich Alan alles erzählt hatte, wollte ich aufstehen und ihn alleine lassen.

"Bitte bleib. Ich hole Charlie, dann könnt ihr weiter lernen."

Er stand auf und ließ mich allein. Ich hatte bemerkt, dass Alan den Brief mitgenommen hatte. Kurz Zeit später kam Charlie. Es sah mich an, sagte aber nichts und gab mir ein Taschentuch, da mir immer noch die Tränen liefen. Ich riss mich zusammen und wir lernten weiter.

Alan war in den Garten gegangen und saß auf der Terrasse. Er überlegte ob, er den Brief seines Bruder lesen sollte und ob er ihm je verzeihen kann. Er atmete tief durch, dann öffnete er den Umschlag.