Kapitel 7:

 

And you can dream

So dream out loud

And don't let the bastards grind you down

 

Charlie konnte sich wirklich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal derart erschrocken hatte. Er stand in dem kleinen Wohnzimmer eines Menschen, den er erst vor einigen Stunden kennengelernt hatte und wurde von seinem eigenen Bruder mit einer Waffe bedroht. Hinter Don, der noch immer seine Pistole auf Charlie richtete, standen Megan und David, ihre Waffen aber bereits wieder gesenkt und sahen genauso erstaunt aus, wie Charlie selber.

Niemand sagte etwas, der letzte Song war verklungen, die CD zu Ende und eine erdrückende Stille machte sich breit. Plötzlich hörte man eine Tür quietschen. Phil kam ins Zimmer, blieb aber in Folge des sich ihm bietenden Szenarios wie angewurzelt stehen und starrte in die Runde.

David fand als erstes seine Sprache wieder.

„Ähm“, begann er vorsichtig, „ich glaube jemand muss jetzt mal was sagen sonst passiert hier gar nichts und Don, du kannst die Waffe wieder runternehmen oder willst du deinen Bruder erschießen?“ David war sichtlich bemüht, die Situation etwas aufzulockern und auch wenn niemand lachte erreichte er doch, dass Don aus seinem Schock zustand „erwachte“ und, zu Charlies Erleichterung, endlich seine Waffe sinken ließ.

Phil sah von einem zum anderen. „Was?“, stotterte er verwirrt. „Bruder?“

Er wandte sich an Charlie. „Du hast mir gar nicht erzählt……..“ Doch er wurde von Don unterbrochen.

„Schluss jetzt. Philip Linus, ich verhafte sie unter dem dringenden Tatverdacht, sich in das System der Bank of San Francisco eingehackt und 500000 Dollar transferiert zu haben.Sie müssen nichts sagen aber was sie sagen, kann vor Gericht gegen sie verwendet werden. Wir werden jetzt ihre Wohnung durchsuchen und nach weiterem Beweismaterial suchen. Sie haben das Recht auf einen Anwalt“, leierte Don schnell herunter.

„Und du“, er deutete auf Charlie, „gehst raus und wartest am Auto auf mich“.

Doch Charlie rührte sich nicht vom Fleck. Seine Gesichtsfarbe hatte sich komplett verabschiedet und er blickte nervös von einem zum anderen.

„Charlie“, setzte Don nach, „das war keine Bitte!“

Charlies Herz schlug bis zum Hals, er zitterte am ganzen Körper und musste sich beherrschen, Phil nicht auf den Wohnzimmerteppich zu spucken.

Langsam setzte er sich in Bewegung, ging an Megan und David vorbei, durchs Treppenhaus, wo ihm Leute von der Spurensicherung entgegen kamen und atmete tief durch, als er endlich die kühle Nachtluft spürte. Draußen standen neben dem der Spurensicherung hintereinander zwei Fahrzeuge des FBI, die Blaulichter waren noch eingeschaltet. Obwohl es Charlie eigentlich wiederstrebte, Befehlen von seinem Bruder zu folgen, ging er um Dons Wagen, der als erstes geparkt war herum und lehnte sich mit dem Rücken gegen den Kofferraum. Er war einfach noch nicht zum Denken in der Lage, er war wie im Trance. Er sah an sich herunter und bemerkte, dass seine neuen Sneakers aus Oslo mit Bier bespritzt waren. Verdammt, dachte er sich und fragte sich im selben Augenblick wie, ihn solche Unwichtigkeiten im Moment aufregen konnten.

 

Kurze Zeit später kamen David und Megan aus dem Haus. Sie führten Phil ab, der völlig aufgelöst schien.

„Charles“, schrie er als er Charlie entdeckte. „Charles, du musst mir helfen, ich bin unschuldig! Du musst für mich zu Sarah und…….“. Den Rest konnte Charlie nicht mehr verstehen, weil David Phil in den Wagen bugsierte. David stieg mit ihm ein und Megan kam zu Charlie.

„Hey du, alles in Ordnung?!“, fragte sie sanft und legte Charlie eine Hand auf die Schulter. Charlie nickte.

„Geht schon.“

Megan lächelte ihm aufmunternd zu. „Don kommt gleich, wir sehen und später“, sagte sie, drehte sich um, stieg in den anderen Wagen und fuhr mit David und Phil davon.

Keine Fragen, keine Vorwürfe, dachte Charlie. Megan vertraut mir. ´

Die Frage war nur, ob Don das auch tat.