Kapitel 6:

 

Here's the last man standing

Step right up, he's the real thing

The last chance of a lifetime

Come and see, hear, feel ... the real thing

 

Phil lief schnell durch die Stadt um noch rechtzeitig zu Schichtbeginn im Pete’s anzukommen. Es wollte seinen Job nicht aufs Spiel setzen, es war schwierig genug gewesen, einen zu finden.

Wer wollte schon einen Ex-Häftling? Erst nach Monaten hatte er Glück gehabt und eine Anstellung als Kellner und eine in einer Waschanlage zu bekommen. Sarah, dachte er, nur für Sarah.

Als es am Morgen bei Phil Linus an der Wohnungstür geklingelt hatte wusste Phil zwar schon genau, was ihm blühen würde. Trotzdem war der Schreck schon enorm gewesen. Plötzlich kamen die Erinnerungen wieder hoch und er spürte sie wieder…die Schmerzen, die Demütigungen, alles schien so real.

 

Phil hatte versucht sich zu beruhigen, den Staubsauger ausgeschaltet, nochmal tief durchgeatmet und die Tür geöffnet. Zu spät war ihm eingefallen, dass er dieses dämliche Shirt trug aber das wurde auch schnell zur Nebensache. Vor der Tür standen ein Mann und eine Frau, er mit Anzug, braunen kurzen Haaren und Kaugummi im Mund. Sie, mit langen blonden Haaren und einem blauen Hosenanzug, unter dessen Blazer eine weiße Bluse hervor blitzte. Phil war der Typ direkt unsympathisch…die Frau schien ganz freundlich aber bei einem Bullen wußte man das nie. Phil erkannte FBI Leute auf einen Kilometer Entfernung und schon hielt ihm der männliche Part des Duos die Marke unter die Nase. Inzwischen schlug Phil das Herz bis zum Hals. Hoffentlich zittere ich nicht schon wieder, hatte Phil gedacht. Warum konnte er nicht cooler sein?

„Special Agent Don Eppes vom FBI“, hatte der Kaugummi Mann ihn informiert. „Und das ist Agent Reeves, sind sie Phil Linus?“

Phil hatte bejaht und die Agenten in seine Wohnung gelassen. Seine Beine hatten sich inzwischen wie Pudding angefühlt und sein Herz raste. Dann ging alles ziemlich schnell. Das Duo hatte ihm mitgeteilt, dass sie ihn zu einem Fall von einem Hackerangriff befragen wollten. Phil aber bekam keine vernünftige Antwort zu stande und ehe er sich versah, hatte sie ihn in ihrer Bonzen Karre in das Büro des FBI gebracht. Phil hatte keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Er hatte im Verhörraum gesessen, war von diesem Eppes befragt worden und konnte sich nur verteidigen oder schweigen…..er hatte Angst gehabt, richtige Angst.

Kurz vor seinem völligen Zusammenbruch hatten sie ihn zum Glück gehen lassen. Keine Beweise aber das FBI in San Francisco hatte die doch damals auch nicht gebraucht?

Und dann dieser Charles danach auf der Bank. Er war wirklich nett gewesen…und Phil hatte direkt gewußt, dass er nicht vom FBI war…vielleicht würde er wirklich noch vorbeikommen und würde ihn etwa ablenken. Norwegen…irgendwo zu Hause waren noch Fotos…damals war noch alles in Ordung..aber war wirklich jemals alles in Ordung?

Phil war inzwischen bei Pete’s angekommen. Er begrüßte seine Kollegen, wusch sich die Hände, schnappte sich eine Schürze und begann zu arbeiten. Nur nicht nachdenken, nur nicht nachdenken.

Vor lauter Arbeit hatte er nicht mehr auf die Uhr gesehen und plötzlich stand Charles vor ihm und lächelte ihn freundlich an.

„Hey Phil“

„Hi, schön, dass du da bist.“ Phil freute sich tatsächlich ihn zu sehen. „Schon wieder eingelebt?“

Charlie schüttelte den Kopf. „Na ja, ich bin quasi zu müde zum schlafen und irgendwie scheint mich auch keiner vermisst zu haben“.

Phil nickte. Kenn ich, dachte er und sagte: „Du, ich kann in 10 Min. Schluss machen, die Kollegin, die gestern noch krank war kommt gleich wieder. Wir können zu mir nach Hause, ich habe noch Fotos von dem kleinen Ort, in dem ich gelebt habe und ein kaltes Bier ist auch noch da..wie klingt das?“Phil legte den Kopf schief.

„Gut“, antwortete Charlie und 20 Minuten später saßen sie in Charlies Auto. Phil ging in die Küche um Bier zu holen während Charlie die kleine Wohnung betrachtete. Wirklich etwas karg, dachte er aber nachdem zu Hause keiner auf ihn gewartet hatte und er Kristina nicht erreichen konnte hatte er beschlossen, sich tatsächlich mit Phil zu treffen. Er interessierte sich wenigstens für seine Erlebnisse. Phil kam aus der Küche und drückte Charlie eine Bierflasche in die Hand.

 

„Hier, setz dich und machs dir bequem…ich bin eben im Schlafzimmer und guck mal nach den Bildern. War ja alles noch analog.“ Phil schaltete noch schnell die Musikanlage in einer Ecke des Zimmers an, verschwand in den Raum nebenan und schloss die Tür schnell hinter sich aber Charlie konnte trotzdem noch einen Blick auf das darin herrschende Chaos werfen. Grinsend wollte er sich gerade auf das verschlissene Sofa setzen als es plötzlich heftig an der Tür klopfte.

„FBI! Öffnen sie die Tür!“, dröhnte es gleichzeitig von draußen und Charlie dachte im ersten Moment, dass er träumen würde. Er erkannte die Stimme sofort. Was zum Teufel ging hier vor?

Charlie war so geschockt, dass er starr vor der Couch stehen blieb und noch nicht mal in der Lage war nach Phi zu rufen, der von dem Lärm wohl nichts mitbekommen hatte und sich weiterhin nebenan befand…die Musik war aber auch ziemlich laut. Heavy Metal.

„Öffnen sie die Tür oder wir müssen sie aufbrechen“, kam es jetzt von draußen aber Charlie fühlte sich noch immer völlig handlungsunfähig. Phil tauchte auch nicht auf und bevor Charlie noch weiterdenken konnte wurde die Tür der Wohnung aufgebrochen. Charlie ließ vor Schreck seine Bierflasche fallen, die auf dem Boden in tausende Stücke zerbarst.

 

No life till leather

We are gonna kick some ass tonight

We got the metal madness

When our fans start screaming

It's right well alright...

 

…..tönte gerade aus der Anlage während Charles Eppes, zu Tode erschrocken, in den Lauf der Dienstwaffe seines Bruders blickte.