Kapitel 4:

 

See the canyons broken by a cloud

See the tuna fleets clearing the sea out

See the bedouin fires at night

See the oil fields at first light

And, see the bird with a leaf in her mouth

After the flood all the colours came out

 

 

Als Charles Eppes am nächsten Morgen aufwachte, fragte er sich, ob er die nächsten 5 Tage seines Lebens nicht einfach überspringen könnte. Er verspürte nicht die geringste Lust auf seine Reise nach Europa. In Oslo würden ihn die Gedanken an John wahrscheinlich noch mehr bedrängen.

 

Charlie setzte sich auf und betrachtete eine Zeit lang den gepackten Trolley, der vor dem Bett stand. Vielleicht sollte er eine Krankheit vortäuschen? Das hatte in der vierten Klasse auch geklappt, besonders kurz vor Rechtschreibtests.

„Charlie?“, hörte er eine dumpfe Stimme durch die geschlossene Schlafzimmertür.

„Ja“, antwortete Charlie matt und sah zu, wie dir Tür von seinem Vater geöffnet wurde. Alan strahlte ihn an.

„Gut, du bist wach“, plapperte der Ältere vergnügt. „ Jetzt geh schon duschen, Frühstück ist gleich fertig! Soll ich dir Brote machen?“

„Dad“, sagte Charlie entrüstet. „Ich geh nicht auf Klassenfahrt!“

„Natürlich“, Alan war verlegen. „Tut mir leid Charlie aber du solltest sich trotzdem beeilen.“ Alan drehte sich um und Charlie hörte ihn die Treppe herunterlaufen.

Mir bleibt auch gar nicht erspart, dachte Charlie, seufzte, stand auf und ging in Richtung Badezimmer.

 

Drei Stunden später bestieg Charles Eppes das Flugzeug Richtung Norwegen. Nach dem Start blätterte er in einem Reiseführer, den ihm sein Vater unbedingt mitgeben wollte. Die Fjorde schienen wirklich beeindruckend zu sein…ob John sie auch gerne besucht hatte? Charlie musste immer noch an ihn denken.

 

Die Flugzeit verging mit schlafen, lesen und fernsehen recht schnell und Charlie beschloss, Norwegen wenigstens eine Chance zu geben.

Nach der Landung wartete er geduldig auf seinen Koffer am Gepäckband und ging dann mit diesem und seinem Rucksack bepackt durch die Zollabsperrung. Hinter der Glastür standen einige Menschen, die ihre Angehörigen oder Freunde abholen wollten. Charlie sah sich suchend um und entdeckte kurz darauf einen blonden, großen Mann, der skeptisch aussah. In seiner Hand hielt er ein Pappschild.

CHARLES EPPS war darauf zu lesen. Charlie ging auf ihn zu und wurde auch sofort bemerkt.

 

„Ah, sie müssen der Professor Eppes sein“, der Blonde strahlte ihn an.

Charlie grinste. „Ja“, erwiderte er. „Aber ein E-P-P-E-S Eppes.“

Der Blonde besah sich irritiert sein Pappschild „Oh, das tut mir leid Professor“, er lächelte verlegen und hielt Charlie die freie Hand hin. „Herzlich Willkommen in Oslo, ich bin Fredrik vom Økokrim. Ich hoffe, sie hatten eine angenehmen Flug?“

„Danke“, antwortete Charlie „und nenn mich bitte Charlie.“ Fredrik nickte erleichtert. „Sehr gut Charlie, ich habe mein Auto direkt in der Nähe, ich bringe dich erst mal zu deinem Hotel, da kannst du dich ausruhen und dann in unser Büro, wo du meine Kollegen kennenlernen kannst und dann können wir noch irgendwo was trinken..ähm..natürlich nur wenn du willst?“

„Klingt gut.“ Charlie nickte zustimmend.

„Bestens.“ Fredrik bestand darauf, Charlies Trolley zu ziehen und so verließen sie zusammen den Flughafen. Draußen stand Fredriks Auto mit einem Knöllchen, welches Fredrik nur achtlos ins Handschuhfach warf, Charlies Koffer verstaute und losfuhr.

Während der Norweger den Wagen durch den dichten Verkehr lenkte redete er weiter. „Es ist uns wirklich eine große Ehre, dein Ruf eilt dir voraus. Man hört die erstaunlichsten Dinge von deiner Arbeit fürs FBI.“

„Na ja“, Charlie wurde etwas verlegen.

„Doch doch, wirklich super. Dein Bruder arbeitet doch als Special Agent beim FBI, ihr seit bestimmt ein tolles Team……ist er viel älter als du?“

„5 Jahre“, antwortete Charlie brav.

„Ich wurde ja mit einer kleinen Schwester gesegnet“, redete Fredrik fröhlich weiter. „Hätte auch immer gerne einen großen Bruder gehabt…muss doch schön sein oder?“

„Na ja“, antwortete Charlie wieder.

Fredrik überlegte. „Ich hoffe es ist dir recht, meine Schwester, Kristina, hat gerade Semesterferien und wollte sich gerne was dazuverdienen. Ich habe ihr einen kleinen Job als Reiseführerin für dich angeboten…natürlich nur wenn du willst, ab morgen nach dem Vortrag wäre sie dann für dich da und sie weiß wirklich viel über unser schönes Land.“

Charlie nickte. „Gerne, wenn ich schon mal über den großen Teich gekommen bin will ich auch was sehen. Wie alt ist sie?“

„26“, Fredrik bremste den Wagen, sie waren am Hotel angekommen. Der Norweger holte Charlie den Trolley aus dem Kofferraum und machte Anstalten, ihn für Charlie rein zutragen.

Charlie winkte ab. „Lass mal, ein Knöllchen reicht doch wohl aus oder?“

Fredrik grinste. „Stimmt, das Zimmer ist für dich gebucht, in zwei Stunden wäre ich wieder hier ok?“

 

Charlie verabschiedete sich und checkte ein. Er mochte Fredrik, vielleicht würde es doch noch ein schöner Aufenthalt werden….und das wurde es tatsächlich.

Fredriks Kollegen waren alle sehr nett und Charlie fühlte sich direkt wohl. In der Nacht tat er zwar kein Auge zu, der Jetlag machte ihm zu schaffen aber trotz allem wurde der Vortrag am nächsten Tag ein voller Erfolg.

Danach sprach er noch mit Fredriks Chef, der ihm zu verstehen gab, dass er Charlie, wenn dieser nicht beim FBI sein würde, gerne in seinem Team hätte. Nicht nur als Berater, sondern als vollwertiges Teammitglied. Charlie fühlte sich geschmeichelt.

„Also“, sagte Fredriks Chef mit einem Lächeln zum Abschied. „Wenn dir mal in den USA die Decke auf den Kopf fällt, ruf mich an.“

Sie lachten beide und verabschiedeten sich. Ein Stückchen weiter wartete Fredrik auf Charlie, neben sich eine Frau…….Charlie stockte bei ihrem Anblick zunächst der Atem. Das konnte doch nicht……

„Charlie!“, Fredrik winkte ihm zu. „Das ist Kristina, Kristina, das ist Charlie das Genie.“

Charlie gab der Frau die Hand. Kristina war wirklich wunderschön. Sie war schlank, mit schönen Rundungen, hatte blonde Haare wie ihr Bruder sowie blaue Augen, lange dichte Wimpern und einen schönen Teint. Ihr großer Mund rundete die Gesamterscheinung ab. Charlie war beeindruckt, in Kristinas Gegenwart konnte er nur noch lächeln, Kristina lächelte zurück…wunderbar.

Fredrik räusperte sich und sah von einem zum anderen. „Hm..ok…ich muss dann mal wieder. Ihr kommt klar oder? Euer Mietwagen steht draußen, falls er nicht abgeschleppt wurde…“

„Alles ok, Bruder“, Kristina lächelte Fredrik an.

„Schön, dann viel Spaß“, Fredrik verschwand in Richtung seines Arbeitsplatzes. Charlie grinste immer noch, wobei er sich wie ein Idiot vorkam aber seit gerade wußte er was mit dem Begriff „nordische Schönheit“ anzufangen.

Zusammen verließen sie das Bürogebäude und ab diesem Moment, so kam es Charlie jedenfalls vor, begannen die drei schönsten Tage seines Lebens.

 

Er hatte Schmetterlinge im Bauch wie ein Teenager, er fühlte sich so leicht und als er Kristina bat, ihn zu dem Friedhof zu bringen, auf dem man John beerdigt hatte wußte er, dass ihm nie sowas zustoßen würde….nicht mit einer Frau wie Kristina an seiner Seite. Alles schien (nicht nur räumlich gesehen) so weit weg. Seine Familie, seine Arbeit…Amita. Im Moment schien es nur ihn und Kristina zu geben und Charlie war überglücklich, als sie seine Gefühle erwiderte.

Kristina studierte Philosophie und sie und Charlie verbrachten wunderschöne Stunden zusammen. Leider gingen die Tage viel zu schnell vorbei und am Abend vor seinem Abflug wäre Charlie bereit gewesen, seine Arbeit bei der CalSci zu kündigen um für immer bei Kristina bleiben zu können. Doch Kristina hielt ihn zurück. „Du musst jetzt erst mal nach Hause Charlie, wir müssen alldem noch etwas mehr Zeit geben.