Kapitel 14:

 

Running over the same old ground.

What have you found? The same old fears.

Wish you were here.

 

 

„Nein”, sagte Charlie zum (gefühlt) hundertsten mal. „Ich bin definitiv nicht müde und gehe jetzt definitiv nicht ins Bett“.

Er und sein Vater waren inzwischen wieder zu Hause im Wohnzimmer und Alan versuchte seinen Jüngsten krampfhaft zur Aufholung des von dem Arzt festgestellten Schlafmangels zu bewegen.

Charlie aber war da ganz anderer Ansicht.

„Dad, als ich mich zum letzten Mal im Spiegel angesehen habe war ich erwachsen.“

„Damit hat das überhaupt nichts zu tun“, Alan ging einen Schritt auf Charlie zu. Sie standen am Treppenabsatz. „Ich mach mir doch nur Sorgen“, flüsterte er dann und sah Charlie in die Augen.

Charlie seufzte. „Ich weiß aber…“, in diesem Moment klingelte es an der Tür. Alan ging los um zu öffnen und kurze Zeit später stand Amita im Wohnzimmer.

„Charlie“, rief sie, lief auf ihn zu und machte anstalten, ihn zu küssen und zu umarmen.

Charlie aber wehrte ab und drehte den Kopf weg. „Hallo“, erwiderte er nur.

Amita sah entgeistert aus. „Charlie, was ist denn? Geht’s dir nicht gut? Ich habe gehört, was passiert ist. Dass dieser Irre….“

„Hör auf!“

„Bitte?“ Charlie war Amita unsanft ins Wort gefallen.

Charlie sah Amita böse an. „Hör auf so von Phil zu reden. Du hast überhaupt keine Ahnung!“ Amita stand mit offenem Mund da.

„Charlie?“, fragte sie nur. In ihren Augen spiegelten sich Traurigkeit wieder.

„Amita, er meint es nicht so. Er ist noch etwas durcheinander weil..“, begann Alan aber Charlie unterbrach auch ihn.

„Ich bin NICHT durcheinander und ich meine es genauso wie ich es sage!“ schrie er plötzlich. Er überlegte gerade, was er noch brüllen konnte als sein Handy klingelte. Es war Don.

„Nein, nein alles ok. Ja, ich komme.“ Charlie legte auf und funkelte seinen Vater und Amita an.

„Ich muss gehen“. Damit war er schon verschwunden.

Warum nimmt mich hier eigentlich keiner ernst, fragte sich Charlie während er zum FBI fuhr. Wenn er dort gleich fertig war musste er unbedingt mit Kristina telefonieren. Seit er wieder in LA war ging alles schief. Beim FBI angekommen riss Charlie wütend sein Notebook vom Rücksitz und betrat kurze Zeit später das Gebäude.

Er musste nicht lange suchen. In einem Konferenzraum waren Don und sein Team versammelt. Don informierte sie gerade über den neuesten Stand der Dinge. Charlie kam hinzu, setzte sich ganz nach hinten auf einen Stuhl und sah Don misstrauisch an.

„So“, begann dieser gerade. „Wie es aussieht, ist der Fall Linus anderen Dimensionen zuzuordnen als wir zunächst gedacht haben.“

„Ach was“, rutschte es Charlie etwas zu laut heraus.

Don sah in streng an. „Möchte dazu irgendjemand was sagen?“, fragte der Ältere dann scharf, während er den Augenkontakt mir Charlie hielt.

Charlie aber sah weg und schwieg. „Also dann“, begann Don von Neuem und klärte sein Team über die letzten Ereignisse auf, während Charlie sein Notebook aufklappte und seinen Kopf auf der Hand abstützte.

„Ich denke, dass Charlie für uns feststellen kann, ob in Linus‘ Wohnung ein drahtlos Netzwerk eingerichtet wurde und wer darauf zugegriffen hat“, schloss Don irgendwann. „Nicht wahr?, setzte er nach und alle drehten sich zu Charlie um.

„Natürlich kann er auch wenn er sonst nicht viel nachdenkt“, murmelte Charlie von hinten ließ aber mit seinen Augen nicht vom Bildschirm ab, er hatte immer noch den linken Ellenbogen auf den Tisch gestützt und das Kinn auf die Handfläche gelegt.

Don überging diese Bemerkung.

„Also gut. David, du fährst mit Charlie zu Linus‘ Wohnung, ich rede mit dem Staatsanwalt und komme gleich nach, der Rest macht sich weiter an die Recherchen über den Fall damals.“ Mit diesen Worten entließ Don seinTeam und der Raum leerte sich. Nur Charlie sah immer noch konzentriert auf seinen PC.

„Kommst du?“, fragte David.

„Gleich“, nuschelte Charlie ohne aufzusehen. Don, der noch vorne damit beschäftigt war, Papiere zusammen zu räumen bedeutete David, schon mal vor zu gehen. Gerade als David draußen war, klappte Charlie sein Notebook zu und stand auf. Ohne Don auch nur eines Blickes zu würdigen wollte er den Raum verlassen.

„Charlie!“, hielt der Ältere ihn zurück.

Charlie drehte sich widerwillig um. „Was ist?“

„Darüber reden wir nachher noch!“.

Charlie aber zuckte nur mit den Achseln und ging hinaus.

Er fuhr mit David zu Phils Wohnung und machte sich an die Arbeit. Einige Zeit später kam auch Don nach. „Und?“, fragte er noch ein bisschen außer Atem.

Charlie und David saßen auf Phils alter Couch. Charlie war mal wieder in seinen PC vertieft während David in einer Zeitschrift blätterte.

„Bei der Arbeit“, antwortete Letzterer und nickte zu Charlie rüber der es vorzog, gar nichts zu sagen geschweige denn Don anzusehen.

„Wie weit bist du?“, sprach Don seinen Bruder an und bemerkte, dass er mit Charlie langsam die Geduld verlor.

„Er bootet“, antwortete Charlie wieder ohne hochzusehen. Die Interruptvektoren werden initialisiert“.

„Und was heißt das?“, fragte Don

Charlie hämmerte auf seiner Tatstatur herum. „Das weißt du nicht?“, fragte er dann provozierend. „Ich dachte, ich bin derjenige, der hier wenig nachdenkt.“

Don schloss die Augen. „David, lass und bitte mal kurz alleine“, sagte er dann knapp. David, der die Spannungen spürte stand auf, murmelte ein „klar doch“ und ging hinaus. Charlie merkte, dass die Luft für ihn reichlich dünn wurde, legte sein Notebook beiseite und sah zu seinem Bruder hoch.

„Und jetzt?“, fragte er dann und bemühte sich, dass Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken. Don atmete durch und betete, die richtigen Worte zu finden. Er hatte schon viele Seminare und Fortbildungen hinter sich, in denen Teamleitern erklärt wurde wie man vorgehen musste, wenn ein Teammitglied quasi „zurechtgewiesen“ werde mussten. Aber erstens tat er das nie gerne und zweitens war es kein „normales“ Teammitglied sondern sein Bruder.

„Charlie“, begann Don mit fester Stimme. „Ich möchte nicht, dass du in der Gegenwart meiner Agents so mit mir redest. Du bist unser Berater und auch wenn du mein Bruder bist gibt dir das nicht das Recht, dich so respektlos zu verhalten. Wenn du für das FBI arbeitest bin ich dein Boss, ob dir das passt oder nicht und du wirst dich in Zukunft mir gegenüber so benehmen. Haben wir uns verstanden?“

„Haben wir“, antwortete Charlie völlig ruhig auch wenn es in ihm tobte. Der Jüngere stand auf und nahm sein Notebook unter den Arm. „Sucht nach einem James Gordon“. Mit diesen Worten ging Charlie hinaus.

In ihm brodelte es. Er raste nach Hause, ging schnell in die Garage und tat das, was er seiner Meinung nach schon längst hätte tun müssen.

Eine Stunde später klingelte Don Eppes‘ Handy. Es war sein Vater.

„Donnie, wo ist Charlie?“

„Ist er nicht bei dir?“, antwortete Don verdutzt.

„Nein aber er war. Hat wohl etwas ausgedruckt und ist wieder weg. Ich war nur kurz einkaufen.“

„Er wird schon wieder auftauchen aber....“ Sein Vater unterbrach ihn.

„Warte mal Donnie, hier ist was. Ein Ausdruck, der wohl nichts geworden ist…verdammt!“

„Was ist?“ Don merkte, dass er Angst um Charlie bekam.

„Hier“, sagte sein Vater, „ist eine Reservierung für einen Flug nach Oslo in einer Stunde“.