Kapitel 13:

 

Und Du rufst in die Welt,

dass sie dir nicht mehr gefällt.

Du willst 'ne schönere erleben,

doch es wird keine andere geben!

 

 

Mist, dachte Charlie. Jetzt bin ich zu weit gegangen. Es war doch immer dasselbe. Erst freute er sich, dass ihm sowas schlagfertiges einfiel und dann bereute er sofort.

Charlie sah auf die Erde und wünschte sich, er könnte die Zeit einfach zurückdrehen und die Worte zurücknehmen.

Aber das war nicht so einfach. Don sah ihn an, die Stille zwischen den Dreien schien zum zerreißen gespannt.

Sie merkten gar nicht, dass die zwei Sanitäter aus dem Ambulanzwagen inzwischen auf sie zugekommen waren.

Einer von beiden hatte rote Haare. „Wo ist denn hier die verletzte Person?“, fragte dieser. Don deutete auf Charlie. „Er hier, checkt ihn durch, er war gerade kurz ohnmächtig. Ich muss ins Büro, Dad du kümmerst dich ja.“

Mit diesen Worten setzte sich Don in seinen Wagen und fuhr davon. Charlie blieb mit Alan zurück.

„Kommen sie dann bitte?“, fragte der Rothaarige. Charlie nickte und ließ sich zu dem Ambulanzwagen führen.

 

Don fuhr zum FBI. Er fuhr sehr schnell, Charlies Worte gingen ihm immer noch im Kopf herum. Einen Tunnelblick war mit das Schlimmste, was man einem Bundesagenten vorwerfen konnte und Don nahm das zum Anlass, direkt über seine Kompetenzen als Polizist nachzudenken.

Kurze Zeit später kam Don beim FBI an und ging zügig auf David und Colby zu.

„Wo ist Linus?“, fragte er unwirsch. David musterte Don besorgt. „Mit Agent Potter aus San Francisco im Verhörraum“.

„Alleine?“

„Potter hat drauf bestanden.“ Colby sah Don irritiert an. „Wie geht’s Charlie?“

 

„Besser“, erwiderte Don knapp und ging mit schnellen Schritten Richtung Verhörraum.

Er sah sofort, dass der Sichtschutz zugezogen war. Schon war Don an der Tür angekommen und riss diese auf.

Was er dann sah, verschlug ihm im ersten Moment die Sprache. Potter hatte Phil am Kragen gepackt und gegen die Wand gedrückt. Dabei schien er ihn so fest zu halten, dass Phil nach Luft schnappte.

„Agent Potter!“, brüllte Don. „Lassen sie den Verdächtigen los.“

Potter drehte sich um. „Gehen sie raus, davon verstehen sie nichts.“

Don eilte auf Potter zu und riss ihn von Phil weg. „Zum Glück nicht“, sagte der dabei, drehte Potter die Arme auf den Rücken und schrie nach Colby, der aber schon hinter ihm war.

Don übergab Potter Colby. „Führ ihn ab, ich will ihn hier nicht mehr sehen“.

 

Colby sah immer noch reichlich irritiert aus aber führte den Befehl umgehend aus. Don wandte sich an Phil, der an der Wand heruntergerutscht war und nach jetzt nach Atem ringend auf dem Boden saß. Den Blick hatte er starr auf seine Hände gerichtet.

Don ging vor ihm in die Knie und legte ihm die rechte Hand auf die Schulter, woraufhin Phil sofort zurückzuckte. Doch Don ließ nicht ab und knetete Phil beruhigend die Schulter.

„Geht’s? Brauchst du einen Arzt?“, fragte Don sanft.

Phil atmete tief durch, sah Don aber nicht an und gab ihm auch keine Antwort.

„Hey, Phil, es ist vorbei. Jetzt tut dir keiner mehr was. Hast du noch irgendwo Verletzungen?“

Phil murmelte etwas, was sich nach „Mein Rücken“ anhörte.

Don griff nach Phils Händen. „Na komm“, sagte er. „Das schauen wir uns mal an“. Dabei zog er Phil auf die Füße, drehte ihn um und schob vorsichtig Phils T-shirt hoch.

Auf Phils Rücken befand sich ein großer Bluterguss. Don zog hörbar die Luft ein, die Wut auf Potter stieg in ihm gerade ins Unermessliche.

 

„Ich glaube, ich hole mal einen Eisbeutel“, kam plötzlich eine Stimme aus dem Hintergrund. David hatte die ganze Zeit an der Tür gestanden und war dem Geschehen gefolgt.

„Ist gut“, Don lächelte David dankbar zu und führte Phil zu einem Stuhl. Er selbst setzte sich ihm gegenüber.

Irgendwann kam David mit dem Eis und als bei Phil der Schmerz etwas nachgelassen hatte sah er auf und blickte Don das erste Mal in die Augen.

„Danke“, sagte er und versuchte zu lächeln. „Dein Bruder und du, ihr seid echt in Ordnung“.

Don war verlegen. „Na ja“, sagte er und eine Weile blieb es wieder still.

„Phil, leider steht immer doch dieser Fall im Raum. Du musst mir alles erzählen, sonst können wir dir nicht helfen“, begann Don irgendwann.

Phil nickte kaum merklich. „Wo ist Sarah?“

„Bei ihren Pflegeeltern in einem anderen Teil des Gebäudes. Agent Reeves ist bei ihnen“, beruhigte Don ihn.

Phil atmete durch und begann schließlich, Don genau das zu erzählen, was er kurze Zeit vorher Charlie berichtet hatte.

Als er zu dem Teil kam, indem er Charlie entführt hatte wurde Don unruhig. Phil merkte dies und hob die Hände abwehrend.

„Das tut mir leid, ich wollte ihm nichts tun! Aber ich habe irgendwie gespürt, dass ich ihm vertrauen kann.“

Don nickte. „Er hat ein gutes Herz aber du wirst dich für die Entführung verantworten müssen."

Phil nickte. „Wie habt ihr uns gefunden?“

„GPS“.

„Hätte ich mir denken können“, murmelte Phil.

„Eigentlich schon aber jetzt musst du mir erzählen, wer diese Typen sind, die dich bedrohen“, fuhr Don fort.

Phil seufzte. „Ich weiß es nicht. Ich kenne nur den Einen von ihnen aber sie sind wirklich gefährlich. Als ich das mit der Bank nicht gemacht habe müssen sie in meiner Wohnung eine WLan Verbindung eingerichtet haben, von der ich nichts weiß und über die ein anderer Hacker das Ding gedreht hat.“

Don lehnte sich zurück. „Das wird noch ein hartes Stück Arbeit. Wie sollen wir das nachweisen?“.

Phil besah wieder seine Hände.

„Aber auf der anderen Seite“, Don wiegte den Kopf, „kenne ich da so zwei Freaks, mit denen es vielleicht möglich ist.“

Phil sah auf und lächelte Don an.

„Noch was“, sagte Don. „Du warst doch eine längere Zeit mit Charlie zusammen. Hat er dir irgendwas von einer Kristina erzählt?“

Phil schüttelte den Kopf. Komisch dachte Don. Wirklich komisch.