Kapitel 12:

 

As my memory rests

But never forgets what I lost

Wake me up when September ends

 

Charlie war in Norwegen, er fühlte sich wunderbar. Vor ihm stand Kristina und hinter ihr war der Ozean. Die Sonne schien warm vom Himmel.

„Ach Kristina“, murmelte Charlie.

Doch dann geschah etwas Seltsames. Kristina öffnete den Mund um ihm zu antworten aber sie hatte eine männliche Stimme und die sagte leise : „Und wer ist eigentlich Kristina?“

„Was?“, fragte Charlie, doch plötzlich verblasste die Norwegerin und mit ihr machten die Sonne und der Ozean Platz für Dunkelheit.

Charlie glitt aus seinem Traum hinüber in die Wirklichkeit.

Er merkte, dass er nicht am Strand war sondern auf etwas Weichem lag. Aus der Ferne klang wieder diese Stimme. Charlie wollte die Augen nicht öffnen, er wollte sich Kristina wieder herbeidenken. Aber das funktionierte nicht. Die männliche Stimme wurde immer lauter.

„Wie konnte das passieren?“, fragte die Stimme nun aufgeregt und eine zweite kam hinzu.

„Ich habe es dir doch schon erklärt Dad, er hat nicht auf mich gehört, wie immer“.

Die zweite Stimme klang aufbracht und langsam kamen bei Charlie die Erinnerungen wieder.

„Und Kristina?“, fragte sein Dad.

„Keine Ahnung“, antwortete Don. „Noch nie von ihr gehört."

Charlie, der noch immer mit geschlossenen Augen auf dem Rücksitz von Dons Auto lag, erschrak. Hatte er doch tatsächlich im Schlaf geredet?

„Was ist mit diesem Typen?“ fragte Alan nun.

Don räusperte sich. „Schon im Büro, ein Kollege aus San Francisco ist da um sich mit ihm zu befassen."

Kaum hatte Don diese Worte ausgesprochen fuhr Charlie abrupt hoch.

„Was?“, brüllte er und stieß sich den Kopf fast an der Autodecke.

Alan und Don, die draußen vor dem Auto standen, sahen Charlie durch die geöffnete Wagentür entgeistert an.

„Charlie“, rief Alan. „Da bist du ja wieder. Ich habe mir solche Sorgen gemacht.“ Er ging auf Charlie zu und wollte ihn umarmen aber Charlie stieß ihn weg, stieg aus dem Auto und baute sich vor Don auf.

Dabei bemerkte er, dass sie noch immer vor dem alten Haus standen. Das restliche Aufgebot war jedoch abgezogen.

„Das könnt ihr nicht machen“, schrie Charlie aufgeregt. „Phil ist unschuldig und der Cop aus San Francisco ist ein cholerischer Gewalttäter! Ruf an und sag, dass sie ihn nicht mit Phil alleine lassen sollen.“

Charlie fuchtelte mit seinen Händen vor Dons Gesicht herum.

Don aber schien unbeeindruckt und legte Charlie seine Hände auf die Schultern. „Hey Chuck, jetzt beruhige dich erstmal. Du bist ja total durcheinander.“ Doch Charlie wehrte ab.

„Ich bin nicht durcheinander, Phil hat…“

„Dich als Geisel genommen“, unterbrach ihn Don. „Weil du alleine in sein Krankenzimmer gegangen bist ohne dich vorher mit mir abzusprechen. Kannst du mir mal sagen, was du dir dabei gedacht hast?“ Don wurde sichtlich wütend.

Charlie wehrte die Hände seines großen Bruders ab und trat einen Schritt zurück, wobei ihm wieder etwas schwindelig wurde.

„Du weißt doch, ich denke nicht“, antwortete er dann finster.

Don japste entsetzt auf und drehte sich hilfesuchend zu seinem Vater um.

„Dad, wie kann man nur so stur sein?“, fragte er diesen entnervt.

Alan sah Charlie böse an. „Charles, du wirst jetzt vernünftig mit deinem Bruder reden! Weißt du, was wir hier durchgestanden haben? Dieser Linus ist doch zu allem fähig!“

„Ist er nicht“, schnappte Charlie. „Er hat mir nichts getan!“

Don wurde inzwischen immer ungehaltener.

„Nichts getan? Charlie, er hat dich mit einer Waffe bedroht! Das nennst du nichts getan?“ Don rieb sich die Nasenwurzel. „Ich glaube es nicht“, rief er dabei.

In diesem Moment wurden sie von einem herannahenden Ambulanzwagen unterbrochen.

„Was ist das?“, fragte Charlie.

Don nahm die Hand wieder herunter. „Nach was sieht es denn aus? Du bist gerade umgekippt Brüderchen. Die Jungs sollen mal ein Blick auf dich werfen“.

Charlie schüttelte heftig den Kopf. „Mir geht’s gut.“

„Charlie, das ist nichts, über was wir mit dir diskutieren“, mischte Alan sich ein.

Charlie sah von einem zum anderen. Er realisierte, dass er deutlich in der schwächeren Position war.

„Von mir aus“, sagte er dann. „Aber nur wenn Don diesen Agent aus San Francisco zurückpfeift.“

„Charlie“, Don hob die Hände. „Du hast in den letzten Stunden viel durchgemacht. Ich habe die professionelle Distanz und werde mich darum kümmern, dass Linus ins Gefängnis wandert.“

„Ach ja?“, Charlies Augen blitzten. „Seit wann fällt ein Tunnelblick unter professionelle Distanz?“