Kapitel 10:

 

You ain't seen nothing like him

He´s the last one of the breed

You better hold on to your honey

Honeys, don't forget to breathe....

 

Don raste unterdessen durch die Stadt Richtung Krankenhaus und war sehr aufgewühlt. Wie konnte es nur passieren, dass ein Verdächtiger in seinem Gewahrsam versucht hatte, sich das Leben zu nehmen?

Diese Tatsache ging Don ganz schön an die Nieren. Dabei hatten sie Phil noch nicht mal unter sehr großen Druck gesetzt. Sie hatten lediglich angekündigt, den zuständigen FBI Agent von dem letzten Fall, bei dem Phil verurteilt wurde, zu kontaktiere und evtl. ihm die weiteren Verhöre zu überlassen, wenn Phil weiterhin so beharrlich schweigen würde. Danach hatte Don sich einen Kaffee geholt und als er wieder kam hatte er schon das Blut gesehen.

 

Don wurde das Gefühl nicht los, dass hinter dem ganzen Fall noch mehr steckte, als das, von dem sie momentan ausgingen. Jetzt wollte Phil auch noch mit Charlie alleine reden und Charlie würde sich nach dem Streit vom Vortag wahrscheinlich weniger kooperativ zeigen.

Manchmal bin ich wirklich ein Esel dachte Don Eppes und kaute entschlossener auf seinem Kaugummi herum. Er war am Krankenhaus angekommen, parkte seinen Wagen und betrat die Eingangshalle.

Er sah Megan und Colby, ihre Gesichtsausdrücke verrieten nichts Gutes.

„Wie ist die Lage?“ erkundigte sich Don forsch. „Ist Charlie auf dem Weg hierher?“

Colby kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „ Nun ja, um genau zu sein ist er schon bei Phil“, sagte er vorsichtig.

„Er ist WAS? Alleine? Seit ihr denn von allen guten Geistern verlassen?“, rief Don und war schon auf dem Weg zum Treppenhaus.

Megan und Colby hetzten hinterher. „Don“, entgegnete Megan etwas außer Atem. „Wir wollten ihn begleiten aber er war etwas…na sagen wir mal ungehalten. Er wollte uns auf keinen Fall dabei haben und hat gesagt, wir sollten die ausrichten, er hätte wieder nicht nachgedacht…ich meine…was hat das zu bedeuten?“

 

Don, der zwei Stufen auf einmal nahm, blickte kurz zurück.

„Was ein Sturkopf“, presste er nur zwischen den Zähnen hervor und rannte weiter, Megan und Colby direkt hinter sich.

Im zweiten Stock angekommen riss Don die Treppenhaustür auf und sah schon von weitem, dass der für die Bewachung abgestellte Polizist nicht mehr da war.

„Wo ist er?“ brüllte Don und rannte über den Flur. Vor der Tür des Krankenzimmers zogen alle drei ihre Waffen und auf Dons Kopfnicken hin stürmten sie ins Zimmer um kurz darauf erstaunt stehen zu bleiben. Im Bett lag jemand aber es war nicht Phil.

Officer Hutton, verheiratet, zwei Kinder, lag im Krankenhauskittel im Bett, mit einem Bettlaken geknebelt. Mit geweiteten Augen starrte er die drei FBI Agents an.

Don ging forsch auf ihn zu und nahm ihm das Laken aus dem Mund. „Officer Hutton“, schrie er. „Wo ist Phil Linus und wo ist mein Bruder?“

Hutton sah Don ängstlich an. „Ich weiß nicht ich.........“ stotterte er. „Ihr Bruder hat mich reingerufen und da stand schon dieser Linus mit einem Messer und hat mir die Waffe abgenommen und meine Uniform und...“, Hutton war immer leiser geworden.

Don hatte genug gehört. Er rannte aus dem Zimmer und durchsuchte die ganze Station während er über Handy Verstärkung anforderte und die Fahndung rausgab.

 

Aber Phil und Charlie waren nicht mehr im Krankenhaus.

Sie saßen schon längst in Charlies Auto und fuhren stadtauswärts. Charlie lenkte den Wagen, Phil saß in der Polizeiuniform neben ihm. In der einen Hand das Messer, in der anderen die Pistole.

„Phil, das ist Wahnsinn. Das war das blödeste, was du machen konntest“, sagte Charlie aufgebracht doch Phil schien ihn gar nicht zu hören.

„Phil!“, schmeiß die Waffen weg und stell dich. Wie haben gleich das gesamte FBI und das LAPD auf dem Hals. Bei Entführung fackeln die nicht lange, glaub mir das.“ Charlie lief bei dem Gedanken ein Schauer über den Rücken.

„Jetzt rechts“, war Phils einzige Antwort. Charlie gehorchte. Sie waren inzwischen in einer verlassenen Gegend angekommen.

„Halte hier.“

Charlie bremste. Sie standen vor einem verlassenen Haus. Phil zwang Charlie aus dem Auto und sie gingen hintereinander auf das verfallene Gebäude zu.

Phil stieß die Haustür auf, sie kamen in einen alten Hausflur. Die Bodendielen waren kaputt und von den Wänden blätterte die grüne Farbe. Eine alte hölzerne Treppe mit sich biegendem Parkett führte in das erste Stockwerk.

„Schatz“, brüllte Phil unvermittelt. „Sarah, bist du da? Daddy ist hier!“ Phil trieb Charlie weiter in das Haus.

Charlie glaubte, nicht richtig zu sehen. Auf dem oberen Treppenabsatz stand ängstlich ein kleines Mädchen. Sie hatte blonde Zöpfe, trug ein blaues Kleidchen und hatte Tränen in den Augen, als sie auf Phil zulief.

„Daddy“, rief sie mit tränenerstickter Stimme. „Wo warst du so lange?“

Phil ließ das erste Mal von Charlie ab, ging in die Hocke und umarmte das kleine Mädchen aber Charlie war zu erstaunt, um die Situation für sich zu entscheiden.

„Wer ist das?“ fragte Sarah nach der Umarmung und deutete auf Charlie.

„Das ist Charles mein Schatz“, antwortete Phil sanft. „Charles, das ist Sarah meine Tochter.“

„Warum siehst du so ängstlich aus Charles?“, fragte Sarah mit piepsiger Stimme. Charlie und Phil sahen sich an und Phil blickte zu den Waffen auf den Boden.

„Wir gehen erst mal nach oben“, murmelte Phil. „Und dann muss ich Charles einiges erklären."