Teil 8

Einen Moment lang stierte Don noch vor sich hin. Hoffentlich war seine Ahnung auch richtig und dieser Dreckskerl war wirklich Charlies Entführer. Dann mussten sie nur noch rausbekommen, wo er sich aufhielt. Mit neuer Entschlossenheit stand auf und blickte in die Runde. 'Los! Wir brauchen seine Akte!' sagte er in Richtung Terry. Zu David meinte er 'Und seinen letzten bekannten Aufenthaltsort.' Die Beiden nickten kurz und machten sich an die Arbeit. Amita saß auf ihrem Stuhl und sah Don mit großen Augen an. 'Und was passiert nun?' Don hatte sie völlig vergessen. 'Oh! Amita...! Ich denke, dass wir Charlie bald wiederhaben.' Er berührte leicht ihren Unterarm. 'Das hoffe ich!' sagte sie leise. Aber dennoch nicht so leise als das Don es nicht hören konnte. Er wußte genau, was die junge Frau für seinen Bruder empfand. Er wußte auch, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhte. Aber Charlie wäre nunmal nicht Charlie, wenn er ihr einfach seine Gefühle offenbaren würde. Dafür war er einfach nicht geschaffen. Er fühlte sich wohl in der Welt voller Zahlen, Formeln und sonstigem Kram, der Don mehr als einmal wie hingekritzelte Hyroglyphen erschien; aber wenn es um die menschliche Gefühlswelt, insbesonderem seiner Eigenen, ging, war Charlie oft total überfordert. Gerade wollte Don etwas sagen, als David & Terry wieder an seinem Schreibtisch auftauchten. 'Wir haben ihn!'

Mit einem Mal war Don wieder 100% da. Jeder einzelne Muskel in seinem Körper war angespannt und wartete nur darauf, diesen Spencer in die Finger zu bekommen. Gerade schlich sich ein an diesem Tag oft gedachter Gedanke wieder in sein Hirn. Er sah Charlie, wie er da saß. In einem dunklem Raum und total durch den Wind. Schnell verdrängte er diesen Gedanken wieder aus seinem Kopf. Es war einfach zu schmerzhaft und er hoffte inständig, dass sich dieses Bild niemals bewahrheiten würde.
'Hier!' David hielt einen Zettel in der Hand. 'Fosterstreet 615 in Glandale.' Don sprang auf, schnappte sich seine Jacke, meinte 'Los geht's!' und schon waren er, David und Terry auf dem Weg zu seinem Wagen. Auf halbem Wege stoppte er nochmal, ging schnell zu Amita und bat sie, sich um seinen Vater zu kümmern. Sie war sofort einverstanden und wünschte ihm viel Glück. Don lächelte sie aufmunternd an und meinte 'Ich hole ihn zurück!'. Amita errötete und konnte nur noch ein leises 'Danke' sagen, bevor Don sich wieder umdrehte und endgültig weg war.

Auf der Fahrt nach Glandale orderte Terry per Handy weitere Unterstützung an. 'Agent Lake. Wir brauchen dringend zwei Einheiten zur Fosterstreet 615 in Glandale. Sofort!' Dann sah sie zu ihrem Partner rüber. Sie hatte schon lange nicht mehr diese extreme Entschlossenheit auf seinem Gesicht gesehen. Er schien zu allem fähig zu sein. Aber wer wollte ihm das auch verdenken? Schließlich ging es um seinen Bruder.

Nach 30 Minuten waren sie in der Fosterstreet angekommen und hielten ein paar Häuser vor dem Ziel an. Ein paar Minuten später hatten 10 Agenten das Haus mit der Nummer 615 umstellt und waren bereit es auf Komando zu stürmen. Don sah noch einmal kurz zu Terry. Diese nickte und Don zählte lautlos von drei runter auf eins.

Türen wurden eingetreten und Fenster zerschlagen. Man hörte nur noch lautes Gebrüll. 'FBI! Die Hände hoch! Keine Bewegung!'
Don ging mit gezogener Waffe auf den Mann zu, der mit dem Rücken zu ihm stand. 'Langsam umdrehn!' Der Mann drehte sich mit einem ekelhaftem Grinsen zu ihm um. 'Ach sieh an! Wen haben wir denn da?' 'Terry?' Sie hatte ihre Handschellen schon in der Hand und legte sie Spencer mit Vergnügen an. Als sie damit fertig war, wurde sie von Don beseite geschoben. 'Wo ist mein Bruder?' Spencer grinste nur. 'Ich weiß nicht wovon sie reden Agent Eppes.' Don knallte ihn mit voller Wucht gegen die nächstbeste Wand und drohte ihm mit der Waffe. 'WO IST MEIN BRUDER?' Er kochte vor Wut. Aber er bekam keine Antwort. Nur ein diabolisches Grinsen. Das war zuviel. Er drehte sich leicht zur Seite... und schlug zu.
Terry konnte ihn gerade noch von Schlimmeren abhalten – auch wenn sie's sehr gerne zugelassen hätte. Sie hielt Don am Arm 'Nicht!' Sie schüttelte den Kopf. 'So kommen wir auch nicht weiter.' Don sah seine Partnerin schweigend an und nickte. 'Ok.' Er machte sich aus ihrem Griff los. Dann wandte er sich an die Agents. 'Sucht jeden Millimeter ab! Irgendwo muss was sein!' Noch einmal warf er einen Blick auf den bewußtlos am Boden liegenden Spencer und machte sich dann auch auf die Suche.