Teil 14

Nach einer guten dreiviertel Stunde waren sie an ihrem Ziel angekommen. Ein kleines schönes Fleckchen ausserhalb von Los Angeles; schön abgelegen von jeglichem Verkehr oder sonstigem Leben. Nach einer weiteren Stunde hatten sie ihre Sachen aus dem Wagen geräumt, das Zelt aufgebaut und Alan hatte schonmal den Grill angeheizt, denn langsam wurde es Mittag und Frischluft machte ja bekanntlich Apettit.

Als die mitgebrachten Steaks und die Backkartoffeln fertig waren hockten sie sich alle drei auf ihre Hocker und begannen zu essen. Sie genossen es sichtlich zusammen zu sein.

Alan saß da und beobachtete seine beiden Sprößlinge. Don saß da und aß genüsslich sein Steak. Man sah ihm an, dass es ihm schmeckte und dass es ihm gut ging. Alan sah mit Befriedigung, dass sein ältester Sohn arbeitsmäßig abgeschaltet zu haben schien. 'Das braucht der Junge auch mal! Er hat ja sonst nie Ruhe.' dachte er sich. Sein Blick verhaarte noch einen Moment bei Don bevor er zu Charlie wanderte. Sein Jüngster saß da und stocherte wie immer ein wenig in seinem Essen herum. Das tat er schon seit er klein war. Anfangs brachte dieses Verhalten Alan und seine Frau regelrecht zur Verzweiflung. Sie dachten immer, dass etwas nicht in Ordnung wäre oder etwas anderes ihren Sohn beschäftigte. Und es war tatsächlich so – nur nicht so, wie sie es gedacht hatten. Ein Arzt erklärte ihnen damals, dass Charlie's Essgewohnheiten mit seiner Begabung zu tun hatten. Charlie's Hirn war einfach nicht in der Lage mal vollkommen von der Arbeit oder sonstigen Dingen abzuschalten und sich zum Beispiel einfach nur dem Essen zu widmen. So wie auch jetzt. Nur wußte er diesmal genau, was in seinem Kopf vorging. Charlie hatte sich zwar seit gestern Abend doch recht gut erholt, aber es war eindeutig, dass er sich immer noch damit beschäftigte. Deswegen hatten Don und er es auch so ausgemacht, dass sie den Trip doch machten und vorallem, dass Alan auch mitkam. Sie wollten sich heute mit ihm hinsetzen und über das Erlebte sprechen. Ihnen war klar, dass dies kein leichtes Unterfangen werden würde, aber sie wußten auch genau so gut, dass Charlie, wenn er nicht mit ihnen sprach, auch mit niemand anderem darüber reden würde und das würde ihn dann fertig machen. Alan seufzte innerlich und war einfach nur dankbar, dass er seinen jüngsten Sohn wohlbehalten wieder hatte. Wenn er sich vorstellte, was alles hätte passieren können... er schob diesen Gedanken schnell ganz weit von sich. Er sah den Jungs noch ein Weilchen stillschweigend zu, bis er mit einem Räuspern das Schweigen durchbrach. 'Und Charlie? Schmeckt's dir?' Charlie sah leicht verdutzt um nicht zu sagen erschrocken von seinem Teller auf. 'Ähm... ja... ist lecker.' 'Ach komm!' warf Don dazwischen. 'Du hast doch noch gar nicht das Beste probiert...' er stach mit der Gabel in das Stück Fleisch und hielt es etwas höher 'das Steak!' Alan und Don grinsten sich an, während Charlie wieder auf seinen Teller sah und in seinen Gedanken zu versinken schien. Sein Bruder und Alan sahen sich kurz an, dann nickte Alan Don zu.

'Hey Charlie...' begann Don zögernd. Charlie sah ihn langsam an. Er schien zu ahnen, was jetzt auf ihn zukommen sollte. 'Sag mal...' fuhr Don fort 'willst du vielleicht über gestern reden?' Er sah Charlie ins Gesicht und bemerkte, dass sich seine Augen vor Angst weiteten. 'Charlie...' er sprach sehr behutsam 'du musst darüber reden! Und wenn nicht mit uns... Du weißt doch, dass du uns vertrauen kannst und wir dir immer helfen, oder nicht?' Charlie sah noch einen Moment stillschweigend zu Don, dann wanderte sein Blick über den Fussboden zu seinem Vater. Dem Jüngsten schienen gerade tausende von Gedanken durch den Kopf zu schiessen und die beiden anderen merkten, wie sehr er mit sich kämpfte. Sie wußten, dass Charlie in gerne sofort alles erzählt hätte, aber es einfach nicht konnte. Er wußte einfach nicht, wie er mit dem Ganzem umgehen sollte. Doch dafür waren sein Bruder und sein Vater da... sie wollten ihm helfen über das Trauma hinweg zu kommen. 'Charlie...' Sein Vater hatte seinen Teller beisseite gestellt und war mit seinem Stuhl ein wenig näher an ihn rangerückt. 'Junge...' er sah ihn eindringlich an 'Komm schon! Erzähl!' Es dauerte widerrum ein paar Augenblicke, aber dann fing Charlie tatsächlich an über das Geschehene zu sprechen.

'Also...' Er räusperte sich ein paar Mal und nahm einen grossen Schluck aus seiner Wasserflasche. 'Ähm... ja... also... ich bin am Abend noch zu Larry gefahren.' Er machte eine kurze Pause. 'Erzähl' ruhig weiter!' ermutigte ihn Alan. Charlie sah ihn gar nicht an, sondern schluckte einmal und erzählte dann weiter. 'Als ich später nach Hause wollte war mein Reifen platt. Keine Ahnung wieso. ... Bin dann also nach Hause gelaufen. ... Ich bin später nochmal raus und wollte den Reifen flicken, aber das Nächste was ich weiß ist, dass ich irgendwo in 'nem dunklem Raum aufgewacht bin.' Einen Moment lang sah man ihm an, dass er mit sich rang. Don legte seinem Bruder zur Beruhigung die Hand auf die Schulter und drückte leicht. 'Es ist alles ok, Charlie!' Charlie nickte kaum merklich und fuhr fort.