Teil 10

Don wußte im ersten Moment nicht, was er tun sollte. Sein Bruder lag mit dem Gesicht zur Wand auf dem Boden und rührte sich nicht. Don hatte Angst ihn zu berühren. Lebte Charlie überhaupt noch?
Nach ein paar Schreckenssekunden überwand er seine Furcht, packte seinen kleinen Bruder an der Schulter, hielt mit der anderen Hand dessen Kopf und dreht ihn langsam um. Er musste schlucken. Charlie's Gesicht war schmerzverzerrt, er hatte eine Platzwunde an der Stirn, eine aufgeplatzte Lippe und auch sonst machte er einen ziemlich miserabelen Eindruck. Don legt Charlie auf den Rücken und began ihm leicht die Wangen zu tätscheln. 'Hey Kumpel! Aufwachen!' Es war mehr ein Flüstern was er zustande brachte. Charlie rührte sich immer noch nicht. Aber Don wollte nicht aufgeben. Er versuchte es immer weiter. 'Hey Charlie! Komm! Mittagsschläfchen ist vorbei.' Er versuchte zwanghaft witzig zu sein. Er wusste selbst nicht wieso, aber es half ihm einfach ein wenig besser mit der Situation umzugehen. Und vielleicht, so hoffte er zumindest, würde Charlie ja von dem dummen Gerede aufwachen. 'Charlie!!!' Don's Stimme bekam langsam aber sicher einen panischen Unterton. 'Komm' Kleiner! Wach' endlich auf! Komm' schon!' Er nahm gar nicht wahr, dass er angefangen hatte seinen Bruder leicht zu schütteln. 'Verdammt! Charlie!!'

Terry machte einen Schritt auf ihren Partner zu. 'Don! Nicht! Der Arzt ist schon unterwegs.' Sie sah ihren Partner an und dann brach dieser in Tränen aus. Terry brach es das Herz ihn so zu sehen. Sie nahm ihn in dem Arm und tröstete ihn. Sie selbst kämpfte mit ihren Tränen. Sie wollte stark sein. Für ihren Partner... für Don.
Gerade als sie sich mit dem Ärmel die Tränen aus den Augen wusch, bemerkte sie, dass Charlie sich bewegt hatte. 'Don...' flüsterte sie 'Charlie...'. Don löste sich langsam und irritiert aus der Umarmung und sah zu seinem Bruder. Und tatsächlich öffnete er in diesem Moment die Augen.

Das war für Don der schönste Augenblick. Er rief überglücklich 'Charlie!' und nahm seinen Bruder in den Arm. Dieser jedoch versuchte sich aus dieser Umarmung zu lösen – was Don auch sofort geschehen ließ. Don sah Charlie genau an. Die Augen weit aufgerissen, mit einem absolut panischem Blick, schweißnasser Stirn und einer komplett abwehrenden Haltung hatte sich der jüngste Eppes zurück in seine Ecke verkrochen. Don war als würde man ihm das Herz bei lebendigem Leibe herausreissen.

'Charlie...' Don redete so behutsam er nur konnte. 'Hey...' Er streckte die Hand aus. 'Ich bin's. ... Don!' Sein Bruder blinzelte ein paar Mal, als wenn er gerade aus einem schlimmen Traum erwacht wäre. 'Don?' Seine Stimme war leise und brüchig. 'Ja Kumpel. Ich bin's.' Er ging etwas näher – immer noch mit ausgestreckter Hand - auf ihn zu. 'Es ist alles ok. Wir haben den Kerl. Dir kann nichts mehr passieren.' Er sah den fragenden Blick in den Augen seines Bruders. 'Ehrenwort!' Er machte eine kurze Pause. 'Du vertraust mir doch, oder?!' Man sah Charlie an, dass er mit sich kämpfte. Einerseits hatte er eine panische Angst, aber auf der anderen Seite war da sein Bruder. Der Bruder, der ihn immer beschützt hatte. Egal was geschehen war. Ob er nun vom Fahrrad gefallen war und sich das Knie aufgeschlagen hatte oder ob ihn ein paar Schüler aus seiner Klasse verprügeln wollten... sein Bruder war immer für ihn da. So wie jetzt auch. Er war einfach da. Charlie zögerte noch einen Moment, dann sackte er in sich zusammen, stammelte 'Don...' und ließ seinen Tränen freien Lauf. Don zog seinen Bruder an sich und nahm ihn fest in den Arm.