Prolog

 

Er saß zusammengekauert in einer Ecke, umgeben von völliger Dunkelheit. Wie lange war er schon hier? Er konnte es nicht sagen. Waren es Tage, Wochen? Tropf, tropf, tropf, wenn sie es nicht schafften, ihn in den Wahnsinn zu treiben, dann würde es zweifelsohne dieses Geräusch tun. Er fror, es war feucht und kalt und es stank. Außer Jeans und einem T-Shirt trug er nichts mehr an seinem geschundenen Leib. Sie hatten ihn brutal zusammengeschlagen und dabei hysterisch gelacht. Die Klappe an der Tür ging auf, jemand schob ein Tablett hindurch und das Licht an der Decke ging an, eine nackte Glühbirne. Er hatte keinen Appetit, aber er musste etwas trinken. Ein Becher mit Wasser stand auf dem Tablett, wenigstens hatten sie nicht vor, ihn verdursten zu lassen. Noch nicht. Als er sich langsam aufrichtete, verspürte er einen stechenden Schmerz in der Lunge, der ihn erneut in die Knie zwang. Er brauchte eine halbe Ewigkeit, ehe er sein Ziel erreicht hatte. Gierig trank er den Becher leer. Das was sich auf dem Teller befand, war undefinierbar. Angeekelt schob er das Tablett von sich. Plötzlich ging die Tür auf und ein Hüne von einem Kerl, mit einer Schimaske über dem Gesicht und gekleidet in einen schwarzen Kampfanzug trat ein, „wir sind uns wohl zu fein fürs Essen“, knurrte er, „auch gut.“ Dann trat er unsanft nach ihm, entfernte das Tablett und löschte das Licht. Die Tür fiel krachend ins Schloss. Er lag auf dem Rücken und starrte in die Dunkelheit. Der Tritt schmerzte in der Seite. Er wagte kaum zu atmen. Dann schloss er die Augen und versuchte an etwas Schönes zu denken. An Amita und ihre großen dunklen Augen, ihre weichen Lippen. Es zerriss ihm fast das Herz, würde er sie je wiedersehen? Mit aller Macht kämpfte er gegen die aufsteigende Verzweiflung an, der Kloß in seinem Hals schien ihm die Luft abzuschnüren, Tränen schossen in seine Augen. „Gib nicht auf Charlie“, sprach er sich selbst Mut zu, „gib nicht auf, Don wird dich finden, ganz bestimmt.“ Sein Bruder hatte schon immer auf ihn achtgegeben, auch wenn sie sich oft gekabbelt hatten. Und er, Charlie, würde nicht einfach klein bei geben, auf keinen Fall. Er würde durchhalten so lange es ging. Erneut wurde an der Tür gerüttelt, er schreckte auf. Jemand steckte etwas durch den Schlitz in der Tür. Dann hörte er ein Rauschen. Unvermittelt wurde er von einem harten, eiskalten Wasserstrahl getroffen. Es nützte ihm auch nichts, sich ganz an die Wand zu drücken. Nach ein paar Minuten war der ganze Spuk vorbei. „Gute Nacht Eppes“, klang eine Stimme dumpf durch die Tür. Er wusste nicht, ob er gleich erfrieren würde, oder ob ihm der harte Strahl die Haut von den Knochen geschält hatte. Seine Zähne klapperten laut aneinander und er zitterte unaufhörlich. Wie lange würde er das wohl aushalten können? Irgendwann schloss er erschöpft die Augen und fiel ihn einen tiefen traumlosen Schlaf.