Kapitel 6

„Was ist los?“ David, der mit Terry zusammen im Auto saß, sah seine Kollegin fragend an. Diese sah jedoch nur geradeaus durch die Windschutzscheibe ihres Wagens. „Charlie wurde entführt.“ Einen Moment lang war es mucksmäuschenstill – bis David plötzlich ein „Schon wieder?“ herausrutschte. Sofort schlug er sich die Hand vor den Mund. Aber er hatte ja eigentlich recht. Charlie war entführt worden. Schon wieder. Er hatte noch nicht einmal richtig das letzte Mal verarbeitet, wenn man Don glauben wollte, und nun schon wieder?!
„Der arme Kerl!“ sagte David, nachdem er sich wieder etwas gefasst hatte. „Haben wir wenigstens schon eine Spur?“ Terry schüttelte traurig den Kopf. „Leider nicht. Zumindest hat Don nichts erwähnt.“
Sie seufzte. Charlie war für sie irgendwie immer der kleine Bruder gewesen, den sie nie hatte. Es war jedoch nicht so, dass sie ihn liebte wie ein Familienmitglied oder wie auch immer man ein solches Gefühl auslegen könnte, doch mochte sie ihn sehr gerne und hatte andauernd das Gefühl ihn vor Allem und Jedem beschützen zu müssen. Manchmal sogar vor Don. Charlie sah oft einfach nur hilflos und verloren aus. Wenn er aber mit seinen mathematischen Formeln und Zeichen aufwarteteschlug Terrys Beschützerinstinkt in schiere Begeisterung um. Natürlich verstand sie nicht einmal die Hälfte von dem was der intelligente junge Mann da von sich gab. Aber es überraschte sie alleine schon die Tatsache, dass aus diesem zerstreutem und schüchternem Jungen mit Hilfe ein paar Zahlen ein gar nicht mehr so schüchterner Professor wurde aus dem die Formeln, Gleichungen und Lösungen nur so heraussprudelten.

Ein leichtes Lächeln huschte über ihr ernstes Gesicht. „Was ist?“ fragte David leicht irritiert. Terry sah kurz erschrocken zu ihrem Beifahrer, den sie ihren Gedanken nachhängend völlig vergessen hatte. „Ach, ich musste gerade nur daran denken wie oft Charlie uns mittlerweile schon geholfen hat.“ „Ja stimmt. Ohne ihn wären wir so manches Mal echt aufgeschmissen gewesen.“ Auch über Davids besorgtes Gesicht huschte ein leichtes Lächeln.
Die beiden mochten Charlie sehr gern. Jeder auf seine Weise. Und sie würden alles daran setzen ihren Freund wiederzufinden. „Wir sind da!“