Kapitel 3

Alan hatte Charlie zwar versprochen, dass er ihm ein paar seiner Bücher bringen würde, aber er dachte nicht im Traum daran. Wenn sich sein Sohn schon nicht freiwillig ausruhen wollte so wandte er eben Tricks an. Und es funktionierte tatsächlich. Während Alan in die Küche gegangen war, hatte Charlie sich wieder auf der Couch zusammengerollt und war auch schon wieder eingeschlafen. Alan konnte sich ein Lächeln einfach nicht verkneifen. Wieso wollen Kinder auch nie auf ihre Eltern hören? Mit der beruhigenden Gewissheit, dass sein Jüngster seelenruhig seine Erkältung auskurierte, ging er nach oben in sein Arbeitszimmer um an dem Projekt, welches er mit seinem altem Freund Stan in Angriff genommen hatte, weiter zu arbeiten.

Alan brütete gerade über ein paar alten Stadtplänen, als er von unten einen riesen Krach hörte. Was war da los? Alan ließ seine Arbeit sofort liegen und öffnete die Tür um nachzusehen. 'Charlie, was soll der Krach?' Er bekam keine Antwort. Stattdessen hörte der Krach mit einem Mal auf. 'Hey Charlie!' Als sich immer noch nichts rührte, ging Alan langsam die Treppe hinunter. Doch plötzlich geriet er ins Stolpern, fiel die letzten Stufen hinunter und blieb benommen auf dem Boden liegen. Er sah noch, dass sein Sohn gekrümmt neben der Couch lag – dann wurde es dunkel.

Ein paar Minuten später kam Alan wieder zu sich. Mühsam setzte er sich auf und rieb sich den schmerzenden Kopf. Er sah sich um. Das Wohnzimmer war komplett verwüstet und... Seine Augen suchten panisch den Raum ab. Wo war Charlie? Was war hier los? Mit einem Stöhnen raffte Alan sich auf und ging mit langsamen Schritten und immer noch kopfreibend zum Telefon und wählte die Nummer seines ältesten Sohnes.

Circa 15 Minuten später rollte ein schwarzer Offroader die Auffahrt rauf. 'Dad!' Don stieg mit besorgter Miene aus seinem Wagen und eilte zu seinem Vater. 'Wie geht es dir?' Alan machte eine abwertende Handbewegung. 'Ist schon ok. Es geht wieder. Aber Charlie...' Er verzog das Gesicht, als ihm ein erneuter Schmerz durch den Hinterkopf schoss. Don legt beruhigend beide Hände auf die Schultern seines Vaters. 'Ist schon ok Dad! Wir suchen schon nach ihm.' Er machte eine kurze Pause. 'Komm! Wir gehen rein und du setzt dich dann erstmal.' Im Haus waren schon ein paar Agents damit beschäftigt jede noch so kleinste Spur ausfindig zu machen und zu sichern. Don führte seinen Vater zu einem der Stühle in der Essecke. 'Setz' dich!' sagte er und drückte seinen Vater sanft an den Schultern in den Sitz. Er selbst setzte sich auf den nächststehenden Stuhl und sah Alan eindringlich an. 'Ist wirklich alles ok mit dir?' 'Ja ja... mir geht's gut.' Alan nahm die Hand vom Hinterkopf und sah Don ernst an und fragte mit einer unendlichen Traurigkeit in der Stimme 'Aber was ist mit Charlie?'. Don kämpfte gegen den Klos in seinem Hals. 'Wir sind schon auf der Suche nach ihm.' Er legte seinem Vater zum wiederholtem Male beruhigend die Hand auf die Schulter. 'Wir werden ihn finden! Das verspreche ich dir!' Vater und Sohn sahen sich einen Moment lang wortlos in die Augen, dann nickte Alan kaum merklich. 'Danke Donnie!'
Don zerriß es in diesem Moment innerlich förmlich. Auf der einen Seite war er der FBI-Agent, der schon dutzende solcher Fälle gehabt und auch gelöst hatte; auf der anderen Seite war er aber vorallem eines – Bruder! Und der Bruder in ihm drohte jeden Augenblick durchzudrehen. Charlie war sein kleiner Bruder und auch wenn er ihn in der Vergangenheit schon des Öfteren gerne zum Teufel gejagt hätte... er liebte ihn und es würde ihn umbringen, wenn ihm irgendetwas geschehen sollte.