Prolog

 

Wo war er, wie war er hierhergekommen? Die flackernden Lichter, die vielen Leute, die merkwürdige Musik? Er fühlte sich seltsam losgelöst von der Wirklichkeit. Er stand mitten in der Menge. Die Leute schoben und drängten aus allen Richtungen. Er warf einen Blick an die Decke. Bunte Scheinwerfer flackerten im Rhythmus der Musik, Laser zogen ihre Bahnen, streiften ihn. Wo waren die anderen? Verzweifelt versuchte er sie zu finden. Ein schier unmögliches Unterfangen. Ein greller Lichtstrahl zuckte auf. War das Don dort drüben? Er versuchte, verzweifelt sich einen Weg durch die Menschenmenge zu bahnen. Beinahe konnte man meinen, sie wären miteinander verschmolzen. „Don!“ brüllte Charlie, „Don!“ Vielleicht hatte er sich ja auch geirrt. Was stimmte nicht mit ihm? Er konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. „I know it’s you!“ dröhnte immer wieder aus den Boxen. Oh Gott, stand er etwa knapp davor, den Verstand zu verlieren? Wieder zuckten grelle Lichtblitze auf. „Amita!“ Ganz klar sie stand dort drüben und unterhielt sich mit einem wildfremden Kerl. Es gab kaum ein weiterkommen. Der Schweiß lief in Strömen über seinen Körper. „I know it’s you!“ Seine Augen schienen ihm einen Streich zu spielen, die Gesichter der Leute verzerrten sich zu grässlichen Fratzen. Da sah er Don, er tanzte mit einer rothaarigen Schönheit. „Don! Hey!“ Keine Reaktion. „Bin ich denn unsichtbar oder was?“ ging es ihm durch den Kopf.

 

Endlich hatte er es geschafft. Er stand direkt vor seinem Bruder. „Hey Don, könntest du mir bitte erklären, was hier los ist?“ Anstatt einer Antwort lachte ihm Don nur höhnisch ins Gesicht und wandte seine Aufmerksamkeit wieder seiner rothaarigen Begleiterin zu. Charlie schluckte. „Aber…“ Die Musik zerrte an seinen Nerven, „I know it’s you!“ Er versuchte sich zu konzentrieren. Seine Gedanken flackerten genauso wie die Lichter um ihn herum. Du meine Güte, vielleicht hatte ihm jemand was in den Drink getan. Das war gut möglich, immerhin hatte er sein Glas nicht immer im Auge behalten. Er schluckte. Der Kloß in seinem Hals blieb. Mit einem Mal hatte er das Gefühl völlig isoliert inmitten all dieser Leute zu sein. Obwohl Don nur eine Armlänge von ihm entfernt tanzte. Doch er hatte nur Augen für seine Begleiterin. „Das ist nicht real“, murmelte Charlie, „das ist nicht real.“ Sein Herz hämmerte in seiner Brust, als wollte es den Brustkorb sprengen. Er begann zu hyperventilieren. Eine Panikattacke überrollte ihn. Er presste sich die Hände an die Ohren und begann zu schreien.

 

Don stand da, um Fassung ringend und zutiefst besorgt. Man hatte Charlie vor zwei Stunden in einer Seitengasse der Melrose Avenue aufgegriffen. Er war nicht ansprechbar gewesen und hatte immer nur gefaselt „I know it’s you!“ Daher hatte man ihn in die Psychiatrische Abteilung des Cedars Sinai eingeliefert. Man hatte ihn in eine Zwangsjacke gesteckt und ihn weggesperrt. Jetzt saß er in einer Gummizelle, schlug mit dem Kopf immer wieder gegen die Wand und stieß unartikulierte Laute aus. „Haben sie eine Ahnung, wie es dazu kommen konnte?“ fragte ihn Dr. Bowers. „Er hat mir erzählt, dass er heute Nachmittag einen Termin bei Ultramind Technologies hat“, sagte Don, „es ging um ein neues Forschungsprojekt.“ Dr. Bowers runzelte besorgt die Stirn, „Ultramind Technologies, soso.“ „Kennen sie den Verein?“ hakte Don schroff nach. „Sagen wir so, ihr Bruder ist nicht der einzige Patient, der nach einem Besuch dieser Firma hier gelandet ist.“ „Und wo sind die anderen?“ „Zwei von ihnen sind bereits gestorben.“ „Wann?“ Don fuhr sich nervös durch die Haare. „Gestern“, antwortete der Arzt, „ungefähr 72 Stunden nach ihrem Besuch bei Ultramind. Zwei weitere schweben in akuter Lebensgefahr. Was immer man ihnen angetan hat, es treibt sie in den Wahnsinn. Dann gibt es quasi einen Kurzschluss im Gehirn. Der Patient stirbt.“ Don warf einen verzweifelten Blick auf seine Uhr. Dann hatte er also alles im allem noch knapp 60 Stunden Zeit, um denjenigen zu finden der Charlie das angetan hatte. Er drückte seine Flache Hand gegen die Scheibe, „halte durch Charlie, ich bitte dich halte durch.“