Chapter 3

 

Ultimate Technologies war anscheinend nicht nur eine hypermoderne Forschungseinrichtung. Auch die Einrichtung war äußerst futuristisch und erinnerte einen an Sciene Fiction Filme. Das Büro des Professors befand sich im 32. Stockwerk. Wie Don und Colby, ein wenig verblüfft, feststellen mussten, hatte seine Assistentin so gar nichts von Igor. Weder schiefe Zähne noch einen Buckel. Im Gegenteil sie hätte glatt als Supermodel durchgehen können. Megan blickte amüsiert zwischen den beiden hin und her, als ihnen die Kinnlade herunterklappte.

 

Nach dem sie sich vorgestellt und ihre Ausweise vorgezeigt hatten, bat sie die drei FBI-Agents in ein minimalistisch eingerichtetes Besprechungszimmer. Während Don und Megan sich setzten, zog es Colby vor, stehen zu bleiben. Als Wisnjenko eintrat, entsprach auch er nicht dem Klischee der mordenden Bestie. Aber das taten Verbrecher selten. Er war ein großgewachsener Mann um Mitte fünfzig, mit an den Schläfen angegrautem Haar und einer durchaus athletischen Figur. Er trug auch keinen weißen Laborkittel, sondern einen Anzug von Hugo Boss.

 

Mit gesenkter Stimme wechselte er ein paar Worte mit seiner Sekretärin in Russisch. Dann wandte er sich an seine Besucher. Sein Englisch hatte, trotz der vielen Jahre in Amerika, einen leichten russischen Akzent.

 

„Guten Abend Lady und Gentlemen“, grüßte er freundlich lächelnd und nahm in einigem Abstand von ihnen Platz.

 

„Guten Abend Dr. Wisnjenko“, sagte Don weniger freundlich, „das hier sind die Agents Reeves und Colby,“ er deutete auf die entsprechende Person, „und mein Name ist Don Eppes. Ich bin der Bruder von Prof. Charles Eppes. Jenem Mann, der sie vor kurzem ….“

 

Wisnjenko hob die Hand, „ich weiß wer Prof. Eppes ist. Ein äußerst intelligenter junger Mann mit einer brillanten Theorie, die sicher in die Geschichte eingehen wird.“

 

Colby räusperte sich.

 

„Ach ja, Dr. Wisnjenko, hätten sie etwas dagegen, wenn mein Kollege sich ein wenig hier umsieht?“ fragte Don.

 

„Durchaus nicht“, der Russe drückte eine Taste auf dem Telefon, das vor ihm stand.

 

Eine Sekunde später stand die bildhübsche Sekretärin in der Tür. „Anjanka würdest du dich bitte um Agent Colby kümmern und ihm das Labor zeigen?“

 

Sie antwortete mit einem strahlenden Lächeln. Colby bekam einen trockenen Mund und folgte ihr nach draußen.

 

Wisnjenko richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Don und Megan, „wie gesagt ich schätze ihren Bruder sehr. Leider hat er mein Angebot für Ultramind zu Arbeiten ausgeschlagen. Dabei wäre er doch von unschätzbarem Wert für uns.“

 

Täuschte sich Don oder schwang Hohn in der Stimme des Russen mit?

 

„Im Moment ist mein Bruder nicht mehr er selbst. Ebenso wenig wie vier andere Leute, die ihre Einrichtung besucht haben. Zwei von ihnen sind bereits tot. Die anderen kämpfen um ihr Leben,“ gespannt beobachtete Don die Reaktion seines Gegenübers.

 

Nichts. Seine Miene war genau so neutral, wie zu Beginn des Gespräches. Wisnjenko lehnte sich nach vor, legte beide Hände auf den Tisch und verschränkte die Finger.

 

„Ich versteh nicht, worauf sie hinaus wollen. Was heißt ihr Bruder ist nicht mehr er selbst und die auch die anderen nicht. Welche anderen?“

 

Megan warf einen kurzen Seitenblick auf Don. Sie konnte deutlich sehen, wie viel Mühe es ihm kostete nicht einfach auszuflippen und hier alles kurz und klein zu schlagen.

 

Als Don weitersprach, betonte er jede Silbe, „mein Bruder hatte heute morgen einen Termin mit ihnen. Kurz darauf hat man ihn völlig orientierungslos auf der Straße aufgelesen.“

 

„Oh, wie furchtbar. Was ist ihm denn zugestoßen?“ fragte Wisnjenko entsetzt.

 

„Das frage ich sie“, schnappte Don, „was zum Teufel haben sie Charlie angetan?“ Sein Brustkorb hob und senkte sich schneller.

 

„Ich, ich weiß nicht worauf sie hinaus wollen wirklich“, entgegnete Wisnjenko.

 

Megan reichte es, „andere Leute würden für so einen Auftritt einen Oscar erhalten. Dr. Wisnjenko sie wollen uns doch nicht weiß machen, sie hätten keine Ahnung. Fünf Leute haben sie bzw. ihre Einrichtung besucht.“ Megan zog ihren Notizblock aus der Jackentasche.

 

„Dr. Carol Brody, Psychologin. Tot. Dr. Alexander Fisher, pensionierter Neurochirurg. Tot. Frank Jacobs, Patient von Dr. Brody. Er ringt mit dem Tod, sein Gehirn ist dabei abzuschalten. Ebenso ergeht es Joseph Wise, ein Schlaganfallpatient, dem ihr Unternehmen eine vielversprechende Behandlung versprach. Und Prof. Charles Eppes, auch er befindet sich in kritischem Zustand.“

 

Wisnjenko sprang auf, „um Himmels Willen. Sie wollen mir doch nicht ernsthaft unterstellen, ich hätte etwas damit zu tun?! Dr. Brody und Dr. Fisher gehörten zu unseren engsten Beratern. Ihr Wissen ist für uns von unschätzbarem Wert, ebenso, wie das ihres Bruders Agent Eppes.“

 

Wisnjenko wirkte plötzlich um Jahre gealtert. Ob man das spielen konnte?

 

„Wenn sie nichts damit zu tun haben, wer dann?“ insistierte Don, „das kann doch unmöglich Zufall sein. Mit wem haben diese Leute noch gesprochen? Wo im Gebäude haben sie sich aufgehalten?“

 

„Ich habe mit ihnen gesprochen und anschließend haben sie sich an einer Führung durchs Haus beteiligt, ohne mich,“ Wisnjenko schien angestrengt nachzudenken.

 

„Super, Colby macht gerade das gleiche. Hoffentlich fängt er nachher auch nicht an zu sabbern“, raunte Don in Megans Ohr, Galgenhumor.

 

Bei seinem Rundgang mit Anjanka, war sie kurz in das Büro eines Mitarbeiters gerufen worden und musste ihn alleine lassen. Kein Problem für ihn. Eine der unzähligen Türen war einladend geöffnet. Colby ging einfach hinein. Der Raum war voll mit Elektronik und zwei Monitoren, die jedoch ausgeschaltet waren. Kurzerhand stellte Colby einen davon an. Er sah lediglich ein leeres Zimmer mit einem Bett und mehreren Überwachungsgeräten. Ein Schlaflabor. Er schaltete den Monitor wieder ab.

 

Vor ihm auf dem Tisch lag eine Liste mit Namen. Colby überflog sie und hielt bei einem Namen inne. Mike Hazelwood. Das konnte kein Zufall sein. Mike Hazelwood oder besser Cpt. Mike Hazelwood hatte mit ihm in Afghanistan gedient und war bei einem Einsatz spurlos verschwunden.

 

„Sie dürften hier eigentlich gar nicht rein“, riss ihn Anjankas Stimme zurück in die Realität.

 

Colby nahm die Liste in die Hand und deutete auf Hazelwoods Namen, „ist dieser Mann ein Patient oder Versuchskaninchen oder was auch immer und wenn ja, haben sie vielleicht ein Bild von ihm?“

 

Anjanka entriss ihm die Liste, „das ist streng vertraulich, das darf ich ihnen nicht sagen. Bitte folgen sie mir, unser Rundgang ist noch nicht zu Ende.“ Zuvor legte sie jedoch die Liste zurück auf den Tisch.

 

„Und sie sagen, die Patienten sterben an einer Art Kurzschluss im Gehirn?“ hakte Wisnjenko noch einmal nach.

 

„Jedenfalls hat Dr. Bowers es so gesagt“, antwortete Don.

 

Wisnjenkos Verstand lief auf Hochtouren.

 

„Es hört sich so an als würden die Synapsen überbeansprucht. Als wären die Patienten einen ständigen Reiz ausgesetzt. Hat man sie auf Drogen getestet?“

 

Don nickte, „soviel ich weiß ja. Aber die Untersuchungen brachten kein Ergebnis.“

 

„Wenn sie nicht wissen, wonach sie suchen müssen, kann es schwierig sein,“ meinte Wisnjenko, „ich verspreche ihnen mich sofort darum zu kümmern. Es ist schrecklich was hier passiert und es schadet unserem Ruf. Wenn sie keine weiteren Fragen mehr an mich haben, würde ich mich gerne an die Arbeit machen.“

 

Don war unschlüssig, sollte er dem Mann tatsächlich vertrauen? Er lehnte sich hinüber zu Megan, „denkst du wir können ihm vertrauen?“

 

„Er muss ein verdammt guter Schauspieler sein, wenn dass alles hier Show war. Charlie stirbt Don, ich denke, wir können jede Hilfe gebrauchen, die wir kriegen können.“

 

„Na gut,“ lenkte Don ein, „in Ordnung Doktor. Wir vertrauen ihnen.“

 

Sie nickten einander kurz zu. Don und Megan standen auf und gingen nach draußen, wo Colby bereits auf sie wartete. Zu dritt fuhren sie mit dem Aufzug nach unten. Colbys finstere Miene sprach Bände.

 

„Was ist denn mit dir passiert?“ wollte Megan wissen.

 

„Der Laden stinkt zum Himmel. Ich konnte einen Blick auf eine Patientenliste oder wie man das nennt, werfen. Ein Name stach mir dabei ins Auge Mike Hazelwood. Ich kannte einen Cpt. Mike Hazelwood, als ich noch in Afghanistan war. Bei einem unserer Einsätze kam es zu einem Zwischenfall, seither gilt er als vermisst.“

 

„Es könnte sich um eine Namensgleichheit handeln,“ meinte Megan.

 

„Das wär dann wohl ein weiterer Zufall. Was sagte Charlie einmal über die Häufung von Zufällen?“ meinte Don.