Chapter 2

 

Als Don Amita angerufen hatte, um sie darüber zu informieren, was mit Charlie passiert war, war sie schon entsetzt gewesen. Ihn dann auch noch in diesem Zustand zusehen, hatte ihr beinahe das Herz zerrissen. Ein Mann, der so etwas einem anderen antat, musste eine Bestie ohne Skrupel und Gewissen sein.

 

Sie meinte zu ersticken, als sie die Gummizelle betrat. Charlie schien sie überhaupt nicht zu bemerken. Er saß apathisch in einer Ecke. Er trug immer noch die Zwangsjacke. Langsam ging sie hinüber und setzte sich neben ihn.

 

Vorsichtig legte sie ihm ihre Hand auf die Schulter. Er zuckte zusammen und starrte sie mit seinen großen braunen Augen ängstlich an.

 

"Hallo Charlie, ich bin es Amita. Es tut mir leid, was mit dir passiert ist. Ich liebe Dich", sagte sie mit erstickter Stimme.

 

Als eine einsame Träne ihr Gesicht hinunterlief, starrte Charlie fasziniert darauf und stieß einen unartikulierten Laut aus.

 

Amita hob ihre Hand an und streichelte zärtlich Charlies Wange. Er schmiegte sich in ihre Hand. Aber Amita konnte sehen, dass es nur der Instinkt war, der ihn dazu veranlasste.

 

Dennoch lächelte sie tapfer, und er lächelte zurück, ohne sie jedoch zu erkennen. Er imitierte einfach ihr Verhalten. Sie biss in ihre Unterlippe um nicht laut aufzuschluchzen.

 

Die Situation eskalierte, als Charlie seine Augen plötzlich verdrehte, Schaum vor seinem Mund bekam und begann, zu krampfen. Erschrocken sprang sie auf und rief um Hilfe.

 

Eine Krankenschwester und Dr. Bowers erschienen sofort. Der Doktor schob einen Spatel zwische Charlies Zähne, damit er sich nicht in die Zunge beißen konnte. Amita blieb nichts anderes übrig, als hilflos daneben zu stehen.

 

Als der Anfall vorüber war, legten sie Charlie auf eine Bahre und brachten ihn in eines der Beobachtungszimmer. Sie nahmen ihm die Zwangsjacke ab und schnallten seine Hände am Bettgestell fest. Dr. Bowers sedierte ihn leicht.

 

Als sie wieder alleine mit Charlie war, setzte sie sich neben das Bett und hielt seine kalte Hand.

 

"Ganz gleich, was auch geschieht Charlie, wir stehen das zusammen durch. Hörst du?!" flüsterte sie, "ich liebe dich mehr als mein Leben, lass mich nicht alleine, bitte. Ich könnte es nicht ertragen."

 

Sie wartete verzweifelt auf irgendeine Reaktion. Nichts. Die Tür ging auf, und eine Krankenschwester kam ins Zimmer.

 

"Ms. Ramanujan ich muss Sie leider bitten zu gehen, wir müssen einige Tests und Untersuchungen machen. Sie können gerne später wiederkommen."

 

Amita streichelte Charlies dunkle Locken und gab ihm einen Kuss auf der Stirn. Sie nahm schnell ihren Mantel, nickte der Krankenschwester kurz zu und verließ die Klinik.

 

Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet. Es goss in Strömen. Ihre Tränen vermischten sich mit den Regentropfen, die auf sie niederprasselten. Binnen kürzester Zeit, war sie nass bis auf die Knochen. Aber sie spürte es nicht. Sie fühlte nichts außer der Leere, die langsam Besitz von ihr Besitz ergriff und drohte, sie zu verschlucken. Eine eisige Faust hielt ihr Herz fest umklammert. Sie zitterte am ganzen Körper, als sie am Straßenrand stand, um ein Taxi anzuhalten. Kein leichtes Unterfangen bei diesem Wetter.

 

Schließlich hatte ein Taxifahrer Erbarmen mit ihr, "wohin soll's denn gehen?"

 

Amita nannte ihm die Adresse. Der Taxifahrer versuchte, immer wieder mit ihr ins Gespräch zu kommen. Sie war nicht interessiert. Schließlich erreichten sie ihr Ziel. Amita drückte ihm rasch das Geld in die Hand und verschwand dann in ihr Appartement. Sie zerrte sich die nasse Kleidung vom Leib, ging ins Badezimmer und stellte die Dusche an. Das Wasser war so heiß, dass sich ihre Haut rötete.

 

Anschließend wickelte sie sich in einen flauschigen Bademantel, ging ins Schlafzimmer, kroch unter die Decke und rollte sich wie ein Embryo zusammen. Ihre Gedanken gingen im Kreis. Sie versuchte, das entsetzliche Szenario vom Krankenhaus durch schöne Erinnerungen zu ersetzen.

 

Keine gute Idee. Der Kloß in ihrem Hals wurde größer und größer, bis es schließlich aus ihr herausbrach. Sie begann hemmungslos zu schluchzen. Die Tränen strömten unablässig über ihr wunderschönes Gesicht, aber der Schmerz blieb. Er hatte sich in ihrer Seele gefressen, wie Salzsäure.

 

Sie hatte sich noch nie zuvor so einsam gefühlt. Niemand war da, um sie zu trösten oder sie in die Arme zu nehmen. Charlie hatte vor kurzem um ihre Hand angehalten und sie hatte ihn um mehr Zeit gebeten. Jetzt wünschte sie, dass sie es nicht getan hätte.

 

Sie wünschte, dass sie die Zeit zurück drehen und alles anders machen könnte. Sie vergrub ihr Gesicht im Kissen. Ihre Schultern zuckten unaufhörlich. Sie wollte, dass der Schmerz aufhörte, aber das tat er nicht. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als sich in den Schlaf zu weinen.