Chapter 1

 

„Komm schon Larry, denk nach. Was genau hat dir Charlie über seinen Termin bei Ultramind Technologies erzählt?“ bedrängte Don den Freund seines Bruders. Larry nagte an seiner Unterlippe und lief hin und her wie ein gereiztes Raubtier im Käfig. „Ich kann dir nicht mehr sagen, als das was ich schon gesagt habe. Es ging dabei um seine Cognitive Emergence Theory. Und um etwaige Forschungsgelder…“ Die Tür flog auf und Milly kam herein, „es ist alles meine Schuld“, sagte sie. Don meinte Tränen in ihren Augen zu sehen, „ich habe ihn darum gebeten, sich mit den Leuten dort in Verbindung zu setzen. Sie besitzen eines der modernsten Labore in der westlichen Hemisphäre und ihre Mitarbeiter sind Koryphäen auf ihrem Gebiet.“ „Und das sie es sich zur Aufgabe gemacht haben, Leute in den Wahnsinn zu treiben, davon wusstest du zufälliger Weise nichts?“ schnappte Don. Er atmete tief durch, seine Hände ballten sich zu Fäusten, „was genau macht Ultramind und wer ist deine Kontaktperson“, fragte er ein wenig höflicher. Milly schluckte, „soviel ich weiß arbeiten sie unter anderem an der Entwicklung eines Computerchips, der Langzeitkomapatienten helfen soll, wieder in die Realität zurückzufinden. Der Leiter der zuständigen Abteilung heißt Prof. Dr. Pjotr Wisnjenko." "Zum Wohl", warf Larry geistesabwesend ein. "Danke", meint Milly kopfschüttelnd und schrieb den Namen an die Tafel, "er ist während des kalten Krieges nach Amerika gekommen. Ein Genie in der Gehirnforschung, er war auch schon einmal für den Nobelpreis nominiert. Er war von Charlies bisherigen Ergebnissen seiner Cognitive Emergence Theory sehr angetan.“

 

„So angetan, dass er meinen Bruder in einen sabberndes Kleinkind verwandelt hat?“ fauchte Don. „Das, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber wenn du willst Don, dann ruf ich Dr. Quartz an. Er hat Charlie bei seiner Forschungsarbeit unterstützt“, sagte Milly ein wenig nervös. „Unbedingt. Ich brauche jede Unterstützung, die ich kriegen kann“, Milly nickte kurz und lief in ihr Büro. Larry lehnte grübelnd an der Tafel. Verzweifelt versuchte er sich daran zu erinnern, was er vor längerer Zeit über diesen russischen Forscher gelesen hatte. Derweil nahm Don sein Mobile zur Hand und wählte Megans Nummer. „Hey Megan, ich bin’s Don. Ich brauche unbedingt einen Termin mit Prof. Pjotr Wischenko." Er warf einen Blick auf die Tafel und buchstabierte ihr den Namen. "Er ist einer der Forschungsleiter bei Ultramind und laut Milly hatte er den Termin mit Charlie.“ „Ich kümmere mich gleich darum“, versprach sie ihm und wollte schon auflegen. „Megan, ich möchte dich dabei haben.“ „Kein Problem. Wie geht es Charlie?“ fragte sie vorsichtig. „Die Ärzte testen in zurzeit noch auf diverse Drogen und was weiß ich alles. Im Moment stehen sie, wie bei den anderen Patienten vor einem Rätsel.“ „Okay, sag uns Bescheid, wenn sich daran was ändern sollte. Bye.“ Sie hängte auf. Dons Kiefer mahlten. Die Zeit lief ihm davon.

 

Alles was er bisher hatte, waren Namen und keine Ergebnisse. Das müsste sich schleunigst ändern. Larry hatte angefangen in alten Unterlagen zu wühlen. „Denkst du, dass ist jetzt der passende Moment um dein Büro aufzuräumen?“ knurrte Don. Gleich darauf tat es ihm leid. „Ich räume nicht auf, ich suche etwas“, murmelte Larry ungerührt. Don kratzte sich an der Augenbraue, dann schob er sich einen Kaugummi im Mund, damit er wenigstens etwas tat. „Hör mal Larry, es tut mir leid. Ich benehme mich wie ein Irrer. Aber es geht hier um Charlie und ich weiß einfach nicht …“ „Heureka!“ rief Larry so unvermittelt, das Don zusammenzuckte. „Jeder glaubt ich sei ein Chaot. Aber ich weiß sehr gut, wo ich was finde.“ Er ging hinüber zu Don und wäre dabei beinahe über einen Haufen Akten gestolpert. Don fing ihn gerade noch auf. „Danke“, meinte er verlegen. „Hier“, aufgeregt deutete Larry auf die Zeitschrift in seiner Hand. Da ist ein Artikel über Wisnjenko drinnen. Dieser Mann hat sehr schlimme Dinge getan, hier lies.“ „Larry, wenn du weißt, was da drinnen steht, wäre ich dir dankbar, wenn du es mir einfach erzählen würdest. Ich bin im Moment nicht in der Stimmung um zu Lesen.“ „Also schön. Wisnjenko hat während seiner Zeit in Russland geheime Experimente im Auftrag der Regierung betrieben. Amnesty International hat aufgedeckt, dass es sich dabei um illegale Versuche gehandelt hat. Seine „Versuchspersonen“ waren zum Teil Waisenkinder aus staatlichen Einrichtungen und Obdachlose.“

 

„Was? Und da durfte er einfach so in die Staaten einreisen und hier bleiben?“ Larry lachte verbittert auf, „angeblich konnte man ihm nichts nachweisen. Er hat sich als politisch verfolgt ausgegeben und behauptet, würde er jemals wieder nach Russland zurückkehren würden sie ihm als Regimegegner den Prozess machen. Außerdem schien unsere Regierung sehr an seinen damaligen Forschungen interessiert gewesen zu sein und man munkelt er hätte sogar eine Zeit lang für den CIA oder die NSA spioniert.“ „Na großartig“, stöhnte Don auf, „das wird ja immer besser.“ Es klopfte, gleich darauf kam Colby zur Tür herein. „Hi Larry, hi Don. Können wir kurz draußen reden?“ „Ja, klar. Ich bin hier ohnehin fertig, denke ich. Vielen Dank Larry, du warst eine große Hilfe.“ Larry nickte, er schien bereits wieder in die Fleinhardtsche Welt abgetaucht zu sein. „Äh Don, meinst du sie lassen mich zu Charles?“ Don, der bereits an der Tür war, wandte sich noch einmal um, „klar warum nicht. Ich kann Dr. Bowers anrufen wenn du willst. Aber versprich dir nicht zu viel“, seine Stimme wurde rau. Rasch ging er mit Colby vor die Tür. „Was liegt an?“

 

„Ich hab mir die anderen Leute angesehen, die bei Ultramind gewesen sind. Einer der Toten ist ein pensionierter Neurochirurg gewesen. Die andere Tote ist eine Frau und war Psychologin und spezialisiert auf bipolare Störungen. Die beiden anderen sind ein Patient der Psychologin und ein Mann, der vor kurzer Zeit einen Schlaganfall erlitten hat. Seine Tochter sagte mir, dass Ultramind eine vielversprechende Behandlung angeboten habe, umsonst.“ „Und wir haben Charlie mit seiner Cognitive Emergence Theory. Mit einem Wort ein riesengroßes Puzzle bei dem sich alles ums Gehirn dreht. Ich hasse Puzzles.“ „Megan hat vorhin angerufen und gesagt, du würdest Dr. Frankenstein einen Besuch abstatten. Ich komm gern mit“, schlug Colby vor. „Gute Idee, du kannst dich vielleicht ein wenig in dem Laden umsehen, während Megan und ich dem Professor auf den Zahn fühlen.“ Sie gingen in Richtung Ausgang. Erneut klingelte Don’s Mobile: „Eppes?“ „Hier ist Milly, Dr. Quartz landet morgen um 8:15 mit der Maschine aus London am LAX. Anschließend kannst du gerne mit ihm sprechen.“ „Danke Milly, bye“, sagte Don knapp. Kaum hatte er aufgelegt, klingelte es erneut. Megan war dran, „Prof. Wisnjenko empfängt uns gerne noch heute Abend. Er hat im Moment ohnehin viel zu tun.“ „Das kann ich mir lebhaft vorstellen. Vielleicht muss er ja noch schnell ein paar Dinge vertuschen, bevor wir kommen“, gab Don gereizt zurück. „Danke Megan. Colby und ich sind bereits auf dem Weg ins Büro. Wir sehen uns.“ Er klappte das Mobile zusammen und sah hinüber zu Colby, „Dr. Frankenstein ist anscheinend sehr um Kooperation bemüht. Wir sehen ihn noch heute Abend.“ „Denkst du sein Assistent heißt Igor?“ feixte Colby.